Duell am Donnerstag: Sollen Bücher verfilmt werden?

 

Jeder kennt die Bücher von Harry Potter und Tribute von Panem, bei denen sowohl die Romanvorlage als auch die Verfilmung Kassenschlager wurden. Doch trotz des Erfolgs der Filme ist es kein Geheimnis, dass eingeschworene Fans der Fantasyromane enttäuscht von deren visueller Umsetzung sind. Die begeisterten Kinogänger jedoch könnten sich ihren Abend ohne die Abenteuer von Ron, Hermine, Catness und Co. auf der Leinwand nicht vorstellen. Ob Bücher grundsätzlich verfilmt werden sollten, darüber diskutieren unsere Autorinnen Malin Annika Miechowski und Alexandra Domanski.

„Buchverfilmungen bieten das Komplettpaket an Unterhaltung!“,

findet Malin Annika Miechowsi.

Abends spät nach Hause kommen und zur Entspannung einen Film ansehen – wahlweise die Verfilmung eines Bestsellerromanes, der seit Wochen unberührt und eingestaubt sein Leben im Regal fristet. Wer kennt diese Situation nicht? Im Alltag hat man einfach viel zu wenig Zeit, um einen dicken Wälzer zu schmökern. Moment… Wie waren die Personenkonstellationen noch einmal? Auch zum Nachlesen und Verinnerlichen muss man sich Zeit nehmen, um das Buch gänzlich verstehen zu können. Da ist es doch viel einfacher, sich gemütlich – am besten sogar gemeinsam mit den Freundinnen – die Verfilmung des Buches anzuschauen.

Zudem sollten wir aufhören zu denken, dass Filme bestimmte Erwartungen erfüllen müssen. Dann ist die Enttäuschung nämlich programmiert. Die ganzen detaillierten Elemente in 120 Minuten zusammenzufassen, ist fast nicht möglich. Andernfalls müsste der Film womöglich sechs Stunden oder noch länger dauern.  Die wenigsten würden sich ein so episches Werk wohl anschauen. Unterhaltsam ist die komprimierte Version aber trotzdem.

Die Mischung macht’s!

Oft verleihen Schauspieler den Filmen eine besondere Note. Spätestens seit Harry Potter verbinden doch selbst die eingefleischten Hogwards-Fans die Rollen mit den Persönlichkeiten und Gesichtern der Darsteller. So sieht doch jeder beim Namen „Harry James Potter“ Daniel Radcliffe vor sich und keine fiktive Person. Durch die Verfilmung werden die Charaktere erst lebendig. Wenn ich beispielsweise daran denke, wie Klaus Kinski den „Woyzeck“ im gleichnamigen Film verkörpert hat, hätte ich mir eine solche Figur ansonsten nie so detailliert und voller Emotionen und Facetten vorgestellt. Ein Buch lässt zwar viel Spielraum für die eigenen Bilder vor dem geistigen Auge. Diese Visionen wirklich zu fassen und sich die Personen bildhaft auszumalen, ist aber keine leichte Sache.

Generell überzeugen Filme vor allem durch das Gesamtpaket aus Bild, Komposition, Kostüm und Schauspielern. Sich das alles so konkret vor dem geistigen Auge auszumalen, ist schwer bis unmöglich. Außerdem sind gerade Filmmusiken echte Highlights und verleihen der Story in Verbindung zu den anderen Faktoren die richtige Stimmung und Emotion. So etwas kann man beim Lesen von Büchern nur erahnen. Die Duschszene aus „Psycho“ von Alfred Hitchkok lebt von der dramatischen Streichermusik, die den Zuschauern auch heute noch die Haare zu Berge stehen lässt.

Wie? Dazu gab es ein Buch?

Die Buchvorlagen spielen für die Leute je nach Film kaum eine Rolle und werden eher als unwichtig angesehen. Etwa bei Filmen wie „Jurassic Park“ und „Sleepy Hollow“ ist  vielen oftmals gar nicht bekannt, dass diese Filme auf einem Roman beruhen. Ihre visuellen Umsetzungen sind kommerziell erfolgreicher und machen die Geschichten erst zu dem, was sie sind. In gedruckter Form allein hätten manche Romanvorlagen wohl nie so viele Menschen in ihren Bann gezogen wie durch ihre filmische Umsetzung. 

„Das Gedrehte wird dem Gedruckten einfach nicht gerecht“,

sagt Alexandra Domanski.

Ja, ein Kinobesuch oder ein Filmabend auf dem Sofa machen Spaß.  Leider haben Zuschauer aber oft hohe Erwartungen an Filme, die im Nachhinein dann nicht erfüllt werden. Besonders bei der Verfilmung von Bestsellern stellt das visuelle Pendant im Gegensatz zum Buch oftmals einen Abstieg dar und raubt dem Plot meiner Meinung nach eine Menge an Qualität. Vor allem dann, wenn man die Geschichte bereits vorab gelesen hat, ist die Enttäuschung groß. Häufig kann die Verfilmung einfach nicht an die eigene Vorstellungskraft hinreichen.

Wenn ich ein Buch lese, nehmen die Worte vor meinem geistigen Auge problemlos Gestalt und Farbe an. Der dazugehörige Film allerdings zerstört das Bild wieder, da die Figuren und Orte ja kaum mit denen in meinem Kopf  übereinstimmen können. Dinge werden anders interpretiert, sehen anders aus oder fehlen komplett. Es gibt zwar gelungene Filme, jedoch keine, die den kompletten Inhalt eines dicken Buches wiedergeben können. Und alles nur, weil eine gute Geschichte auf 120 Minuten Unterhaltung reduziert wird. In meinen Augen ist das total schade.

Schauspieler und Synchronsprecher können nicht in zig verschiedenen Storys auftauchen

Jedem dürfte diese Situation bekannt sein, in der man in einem Film auf ein vertrautes Gesicht oder eine vertraute Stimme stößt. Natürlich kann man nicht gewährleisten, dass jede einzelne Figur auf der Leinwand je von jemand anderem besetzt wird. Störend ist das aber trotzdem. Ein aktuelles und ziemlich passendes Beispiel dafür ist wie ich finde die britische Schauspielerin Emma Watson. Sie spielt in der diesjährigen Verfilmung von „Die Schöne und das Biest“ die Hauptrolle. Ich persönliche verbinde Emma noch immer mit der besten Freundin von Harry Potter und es ist seltsam, sie als singende Märchenprinzessin zu sehen. Unvermeidbar ist es zwar nicht, aber ich fände es trotzdem besser, wenn nicht jede Buchfigur von einem Schauspieler gemimt würde. Man sollte sie selbst im Kopf erschaffen und beibehalten können.

Filme sind viel zu oberflächlich

Beim Lesen kann man sich viel besser in die beschriebene Situation hineinversetzen, als es durch Zuschauen möglich ist. Ein Film liefert dem Publikum ein fertiges Produkt, das man weniger hinterfragt und einfach konsumiert. In Büchern hingegen ist man dazu gezwungen, sich mit den Gedanken und Gefühlen der Figuren zu beschäftigen und versteht diese dadurch viel besser.

Zudem kann man bestimmte Handlungen besser nachvollziehen, weil die Hintergründe auf dem Papier meistens ausführlicher geschildert werden als vor der Kamera. Die Charaktere werden viel umfangreicher beleuchtet und eingebunden. Passiert das nicht, fehlen Informationen, die zum Verständnis der Geschichte beitragen. Situationen oder auch Protagonisten werden dadurch falsch oder gar nicht verstanden und verlieren an Persönlichkeit. Und die Nachvollziehbarkeit ist bei Geschichten das Wichtigste für mich. Ich muss ohne zu überlegen verstehen, was aus welchem Grund passiert und warum die Figur miteinbezogen wird. Buchautoren schaffen das, Filmproduzenten eher selten.

 

das-duell-feeder

Foto: John/ flickr, lizenziert nach Creative Commons

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.