Parkour heißt Freiheit

Möglichst schnell von A nach B – das will eigentlich jeder. Parkourläufer brauchen dafür nicht unbedingt Verkehrsmittel! Ihre Zielorte erreichen sie durch spektakuläre Bewegungen. Seit Jahresanfang können Anfänger und Fortgeschrittene die Trainingsmöglichkeiten der größten Parkouranlage Deutschlands in Wuppertal nutzen. Sebastian Gies erzählt uns in einem Interview von den Vorteilen der Wuppertaler Anlage und was ihn antreibt, schon seit neun Jahren Parkour zu laufen.

Name: Gies. Sebastian Gies. Ort: Wuppertaler Parkouranlage a.k.a die größte Parkouranlage Deutschlands  Fotograph: Julian Schuster

Am schwierigsten fällt es den Parkourläufern, die „Moves“ möglichst lässig zu machen. Die weiten Hosen oder die großen T-Shirts, tragen dazu bei. Foto: Julian Schuster

Was bietet die Parkouranlage Wuppertal?

Sebastian Gies: Die Anlage ist eine kostenlos zugängliche Fläche mit verschiedenen Hindernissen aus Beton und Stahl. Fallschutz und TÜV geprüfte Hindernisse geben dabei vor allem Anfängern und Neueinsteigern eine gewisse Sicherheit verglichen mit dem normalen Training, dass im urbanen Lebensraum stattfindet. Aber auch für Profis bietet die Anlage Möglichkeiten auf engem Raum viele Parkour-Techniken und Kombos zu üben. Im Prinzip ist die Parkouranlage also nichts anderes als ein großer und unkonventioneller Spielplatz, eben für Jugendliche und Erwachsene, draußen, kostenlos und immer geöffnet.

Seit Januar 2014 ist die Anlage zugänglich. Welche Leute werden vor allem von der Parkanlage angezogen? Ist der Park seitdem viel besucht worden?

Von dem Park werden sehr viele verschiedene Leute angezogen. Auch ohne besonderen Anlass kommen zumindest ab und zu Traceure aus dem Großraum NRW. Ursprünglich wurde die Parkouranlage aber natürlich für die Einwohner Wuppertals geschaffen. Das Angebot wird also vor allem lokal genutzt, sowohl Leute aus der Wuppertaler Parkourszene als auch komplette Anfänger von Jung bis Alt kommen regelmäßig her und sorgen dafür, das die Anlage immer belebt ist.

Was für Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede gibt es zwischen den urbanen und den klassischen Sportarten?

Urbane Sportarten zeichnen sich in der Regel dadurch aus, das man als Sportler ein größeres Maß an Freiheit und Kreativität hat. Es gibt keine vorgegebenen Bewegungen oder festen Trainingsabläufe. Turnen z. B. lässt sich vom Bewegungsanspruch gut mit Parkour vergleichen. Allerdings gibt es beim Turnen eben bestimmte vorgegebene Ansprüche, das sieht man bei Wettkämpfen. Es gibt Beurteilungen und Kriterien, wann eine Technik richtig und sauber ausgeführt wurde. Beim Parkour gibt es kein richtig oder falsch. Man soll nur das Hindernis überwinden. Jeder hat seine eigene Interpretation der Sportart und seinen eigenen Style. Manche sehen es sogar eher als Philosophie und Lebenseinstellung an – und ich glaube nicht, dass das viele Leute vom Turnen behaupten würden.

Fotograph: Chris Schulze

Sebastian Gries sieht durch den Parkour die Welt mit anderen Augen. Foto: Chris Schulze

Du läufst auch selbst Parkour. Was macht den Sport für dich besonders?

Für manche steht das Training und das besser werden an erster Stelle. Andere sehen es eher als Lebensgefühl und genießen die Freiheit, ohne zwangsläufig hart zu trainieren um besser zu werden. Man ist frei in der Gestaltung seines Trainings und seiner Ansicht von Parkour. Ich persönlich genieße es, die Welt mit anderen Augen zu sehen, meine eigenen Grenzen zu entdecken und immer weiter auszuweiten. Dabei ist die Stadt unser Spielplatz – wo normale Leute eine Bank sehen, sehen wir unendliche Trainingsmöglichkeiten und wo normale Leute eine Mauer sehen, sehen sie sich einen Weg aufgezwungen, nämlich den gesellschaftlich vorgegebenen Weg, um die Mauer herumzugehen. Am besten noch ohne die angelegten und vorgefertigten Wege zu verlassen.Wir sehen die Welt anders, für uns sind alles Möglichkeiten, wenn man nur die Augen öffnet und hart genug an sich arbeitet. Das ist meiner Meinung nach Freiheit und einer der Gründe, warum ich seit mittlerweile neun Jahren jeden Tag im Kleinen wie im Großen Parkour mache.

Wie wichtig ist Parkourakteuren Musik bei ihrem Auftritt?

Musik ist wichtig und beeinflusst die Stimmung. Auf langsame Musik werden sich viele auch automatisch langsamer und mit mehr Flow bewegen, bei schneller Power-Musik wie zum Beispiel Dubstep pumpt das Adrenalin stärker und es werden die spektakuläreren und anstrengenderen Moves gezeigt. Es muss aber nicht immer vorgegebene Musik sein: experimentieren, kreativ werden und auf die anderen reagieren ist ebenso spannend und zeigt die Natur von Parkour deutlich besser als einstudierte Shows.

Was für Ziele hat man sich mit der Parkouranlage Wuppertal gesetzt? Sind diese soweit erreicht worden?

Unsere Ziele waren recht einfach: Eine neue Anlaufstelle und einen neuen Treffpunkt für die Einwohner Wuppertals zu schaffen und die Lebensqualität durch ein außergewöhnliches Freizeitangebot zu verbessern. Wenn man sieht, wie die Parkouranlage genutzt wird, kann man nur sagen dass sie ein Erfolg auf allen Ebenen ist. In Wuppertal bewegt sich was und das im Wahrsten Sinne des Wortes.

Fotograph: Julian Schuster

Betonwände gelten für Parkourläufer als Sportmaterial. Foto: Julian Schuster

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