Der Breitmaulfrosch:
Dein Name bestimmt nicht dein Schicksal!

Ob Glitzerbärte, grüne Smoothies oder hippe Fummel aus der Mottenkiste – über Kunst, Lifestyle, Mode und Kultur lässt es sich gut das Maul zerreißen. Besonders gut kann das der Breitmaulfrosch, der in dieser Kolumne über merkwürdige Trends wütet – dabei nimmt er kein Seerosenblatt vor den Mund. Heute ärgert er sich darüber, dass seine Facebook-Startseite mit „Vorhersagen“ für das Jahr 2017 überschwemmt wird.

Viele Menschen möchten zu Beginn eines neuen Jahres wissen, was sie erwartet. Sie lassen sich die Karten legen oder wagen einen Blick in die Kristallkugel. Der Breitmaulfrosch selbst isst kurz nach Mitternacht einen Glückskeks, noch während die Raketen knallen, das gehört irgendwie dazu. Noch viel primitiver als die billigen Glückskekssprüche findet er aber die „Vorhersagen“, auf die ihn Facebook momentan mit seiner Froschnase stößt. „Diese Personen werden 2017 Folgendes erleben“, liest er dort mit seinen Glupschaugen, dann folgt eine Liste mit Namen. Der Breitmaulfrosch hat sich mittlerweile damit abgefunden, dass manche Menschen daran glauben, dass die Sterne über ihr Schicksal entscheiden. Aber dass das Schicksal jetzt durch den Namensgeschmack der Eltern vorherbestimmt sein soll – da hört sein Verständnis definitiv auf.

Was wäre, wenn die Vorhersagen stimmen?

Der Breitmaulfrosch ist tierisch genervt. Schließlich gehen auf seiner Facebook-Startseite so die ganzen Dinge unter, die er gerne sehen würde: zum Beispiel Videos von Froschdamen beim Synchronschwimmen oder Fotos von frisch zubereitetem Fliegenragout. Aber er hat sich eine Methode überlegt, wie er sich nicht mehr ganz so stark darüber ärgert. Schließlich soll seine Haut auf der Stirn nicht noch schrumpeliger werden als sie es ohnehin schon ist. Er stellt sich einfach vor, was passieren würde, wenn die „Vorhersagen“ wirklich stimmen würden.

Die Seminare zum Abbau der Punkte in Flensburg werden unglaublich voll sein, weil jeder Nils seinen Führerschein verliert. RTL muss sich jede Menge Alliterationen mit „M“ ausdenken, denn jeder Marvin wird Kandidat in der Sendung „Bauer sucht Frau“. Ganz egal, ob Marvin Bauer ist oder nicht. Aber der Breitmaulfrosch hätte da schon einen Vorschlag: „Der mannhafte Milchbauer Marvin aus Mönchengladbach mault beim Mähdrescher-Fahren.“ Oder so ähnlich. Die Polizei hat keine großen Probleme mehr damit, Drogendealer ausfindig zu machen. Auf dem Personalausweis steht der Name Julian? Ab in die Zelle! Und Pietro Lombardi bekommt ganz schön was zu tun, denn alle Lenas werden seine neue Freundin. Immerhin muss er sich dann nicht so viele Namen merken. Aber ob das so gut für Alessio ist?

Auch lustig findet der Breitmaulfrosch eine Liste mit mehreren Männernamen, die 2017 angeblich alle Vater werden. Der Name Jens steht direkt zwei mal darauf. Ups, war da etwa jemand bei der Vorhersage unkonzentriert? Oder bekommt Jens direkt zwei Kinder? Etwa Zwillinge? Oder hüpft er gar mit zwei unterschiedlichen Frauen in’s Bett? So detailliert ist die Vorhersage leider nicht. Also, Freundinnen von Jens, passt in diesem Jahr gut auf euren Freund auf! Die Vorhersagen lassen auch andere Fragen offen. Was ist beispielsweise mit Menschen, die einen zweiten Vornamen haben? Gilt nur der erste Name, nur der Rufname oder gar beide Namen? Dann wird das Jahr für manche wohl ziemlich turbulent. Zum Beispiel für den schwedischen Prinzen Alexander Erik Hubertus Bertil. Als ob solche Namen nicht schon Strafe genug wären.

Alternative: Auf Facebook abtauchen

Der Breitmaulfrosch findet es traurig, dass diese „Vorhersagen“ scheinbar trotz ihrer Dämlichkeit gut ankommen, sonst gäbe es wohl nicht so viele. Seine Freunde markieren sich gegenseitig massenhaft darunter. Hahaha guck mal, das passiert dir bald, weil du so heißt! Lustig. Nicht. Vielleicht hat der Breitmaulfrosch auch einfach keinen Humor. Offensichtlich hat er zumindest einen anderen als seine Facebook-Freunde. Aber damit kann er in diesem Fall sehr gut leben. Und so schwört er sich: Sobald er das erste Mal unter so einer Namensliste markiert wird, taucht er ab. Dann bleibt er auf Facebook erst einmal offline. Bis alle Melanies nach Australien ausgewandert sind, alle Leons im Knast sitzen, alle Simons sich um ihre Drillinge kümmern und der Breitmaulfrosch endlich wieder seine Ruhe hat.

Beitragsbild: Helena Brinkmann

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