Die Bilderberger: Drahtzieher der Macht?

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Regierungschefs, Bankvorstände und Wirtschaftsbosse zählen zum erlesenen Club der Bilderberger. Einmal im Jahr treffen sich die Eliten der westlichen Länder im Geheimen, um über das aktuelle Weltgeschehen zu diskutieren. Unter Verschwörungstheoretikern gelten sie als Weltregierung ohne demokratische Legitimation, die einige Krisen der letzten Jahrzehnte ausgelöst haben soll.

Eines der besten Hotels Dresdens, das Taschenbergpalais Kempinski, ist zur Zeit ausgebucht. Denn vom 9. bis zum 12. Juni treffen sich hier die Mächtigen des Westens zur 64. Bilderberg-Konferenz. Auf dem Geheim-Gipfel nach dem offiziellen G7-Gipfel wollen sie sich in den kommenden Tagen unter anderem zur Lage in China, dem Nahen Osten und Russland austauschen.

Was sind die Bilderberg-Konferenzen?

1954 trafen sich die Eliten Europas und Nordamerikas das erste Mal zu einem „informellen“ Treffen in dem niederländischen „Hotel de Bilderberg“. Ziel war es, den Austausch zwischen den Kontinenten zu fördern – bis heute. Jedes Jahr kommen bis zu 150 Vertreter aus Wirtschaft und Politik in einem anderen Land zusammen. Teilnehmerliste und Themenagenda werden erst kurz vor der Konferenz veröffentlicht.  Die „Chatham House Rule“ sorgt dafür, dass ansonsten kaum etwas publik wird: Teilnehmer dürfen nach der Konferenz zwar die diskutierten Informationen verwenden. Identität oder Zugehörigkeit der Redner müssen aber geheim bleiben. Dass es sich um informelle Treffen handelt, betonen die Bilderberger immer wieder. Auf der offiziellen Website heißt es: „Es gibt kein angestrebtes Ziel, keine offizielle Abschlusserklärung, es werden keine Resolutionen eingebracht oder Wahlen abgehalten.“

Das Who’s who der Weltelite

Teilnehmer waren unter anderem: Der Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt, König Willem-Alexander der Niederlande, der Siemens-Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser, viele Diplomaten und zahlreiche Investmentbanker. Wer zu den Bilderbergern dazu gehört, hat immer viel Einfluss und Macht. Mitwirken darf nur, wer vom lenkenden Ausschuss eingeladen wird.

Journalisten müssen deshalb draußen bleiben. Akkreditierungen gibt es nicht. Lediglich Verlagschefs stehen ab und an auf der Teilnehmerliste. In diesem Jahr sind insgesamt 15 Deutsche dabei, unter ihnen drei Regierungsmitglieder: Ursula von der Leyen, Wolfgang Schäuble und Thomas de Maizière. Auch die Deutsche Bank, Airbus und die Telekom sind vertreten.  Die Verlagshäuser Axel Springer und Gruner + Jahr schicken ihre Chefs Mathias Döpfner und Julia Jäkel zur Konferenz.

Fest der Verschwörungstheoretiker

Die Gespräche geheim, die Teilnehmerliste strotzt nur so vor Macht. Kein Wunder, dass nach jeder Bilderberg-Konferenz neue Verschwörungstheorien entstehen. Einer der großen Kritiker: der deutsche Autor Andreas von Rétyi. Für ihn ist der Geheimclub Bilderberg unter anderem für die Ölkrise von 1973 verantwortlich. Um der US-Wirtschaft auf die Beine zu helfen, sollen die Eliten auf einer Konferenz die künstliche Verknappung des Rohöls beschlossen haben. Auch der Irakkrieg geht laut Rétyi auf deren Kappe.

Proteste begeiten oft die Bilderberg-Konferenzen.

Proteste begeiten oft die Bilderberg-Konferenzen.

Eva Kimminich, Professorin an der Universität Potsdam, forscht zur Entstehung von Verschwörungstheorien. Der Deutschen Presse-Agentur erklärt sie: „Je weniger über bestimmte Ereignisse kommuniziert wird oder Informationen darüber vorliegen, desto mehr neigen die Menschen dazu, anzunehmen, dass es da um irgendetwas Geheimes geht, was sie nicht wissen sollen.“ Wirklich präsent sind die Bilderberg-Konferenzen in den Medien nicht. Die Presse also auch gekauft oder gibt es einfach zu wenig Material, über das Zeitungen berichten könnten? Auf der offiziellen Website der Bilderberg-Konferenzen heißt es dazu: „Jahrzehntelang gab es eine Pressekonferenz am Vorabend des Treffens, diese wurde aber aus mangelndem Interesse eingestellt.“

Wo bleibt die Demokratie?

Ein weiterer Kritiker: Marcus Klöckner. Von Weltregierung und Verschwörung der Spitzen will er nichts wissen. Klöckner sieht ein anderes Problem: Durch die regelmäßigen geheimen Treffen der Machtelite werde die politische Willensbildung aus dem öffentlichen Raum ausgelagert und so der demokratischen Kontrolle entzogen. Die Politik also Erfüllungsgehilfe der Bilderberger?

Ganz anders sieht das Grünen-Politiker Jürgen Trittin. Er nahm selbst im Jahr 2012 an einer der Konferenzen teil und musste dafür viel Kritik einstecken. Für ihn damals völlig unverständlich, die Bilderberg-Konferenz eine wie viele andere: „Auf diesen Konferenzen geht es um einen offenen Austausch zu aktuellen Themen. Damit solche Diskussionen nicht nur in den üblichen Textbausteinen enden, finden sie häufig vertraulich statt.“ Vier Jahre später ist Trittins Haltung deutlich kritischer. Auf seiner Website spricht er von einer „unnötigen Geheimniskrämerei“ der Bilderberg-Konferenz, die es nicht geschafft habe, sich an die Gegenwart anzupassen. Er fordert Live-Übertragungen zumindest von Teilen des Treffens.

Ob Weltdiktatur eines Geheimbundes oder lockeres Stelldichein von Größen aus Politik und Wirtschaft – solange es die „Chatham House Rule“ gibt, werden die Bilderberg-Konferenzen weiter Verschwörungstheorien hervorbringen. Zu wissen wer an den Konferenzen teilnimmt, kann nicht schaden. Und wer an die geheime Weltregierung glaubt, kann in unserer Grafik zusätzlich nachschauen, welche Länder bei den Bilderberg-Konferenzen am häufigsten vertreten sind:

 

 

Teilnehmer der Bilderberg-Konferenzen von 2014-2016. Klicke auf das Land, um eine Liste der Namen, Ämter und Anzahl der Besuche des Teilnehmenden zu sehen. (Grafik: Kira Schacht.)

Teaserbild: flickr.com/blondielsfc
Beitragsbild: flickr.com/paoloditommaso

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