US-Wahl: Die Folgen für Deutschland


24564574914_062c7d99fe_o

 

Die US-Wahl in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (08./09.11.2016) ist die wichtigste Wahl weltweit − Donald Trump und Hillary Clinton gelten als die bisher umstrittensten Kandidaten. Vorher war sie nur die Frau an der Seite des wichtigsten Mannes der Welt, Bill Clinton. Jetzt ist Hillary Clinton selbst Präsidentschaftskandidatin der Demokraten. Der milliardenschwere Unternehmer Donald Trump polarisiert schon seit Monaten mit rassistischen und frauenfeindlichen Aussagen. Ganz gleich, ob Clinton oder Trump, das Wahlergebnis wird auch Folgen für Deutschland haben.

Es gab einen Wandel in der amerikanischen Politik, erklärt Amerikanistik-Professor Walter Grünzweig. Gut zwanzig Jahren lang habe es in der amerikanischen Politik einen „Mainstream“ gegeben, der beide Parteien, Demokraten und Republikaner, miteinander verbunden habe: In jeder Partei war ein linkes und rechtes Spektrum vertreten. „Heute gibt es diese Zweiteilung innerhalb der Parteien nicht mehr“, so Grünzweig. Die Republikaner seien jetzt eher rechts, die Demokraten eher links positioniert. 

Schwierige Zeiten mit Trump

Mit Donald Trump als Präsidenten gehe Deutschland „ganz schwierigen Zeiten entgegen“, meint Henrik Müller, Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus an der TU Dortmund. Denn der Republikaner sei „schlecht gebildet und wenig informiert.“ Internationale Beziehungen seien ihm bei Weitem nicht so wichtig, wie zum Beispiel seiner (politischen) Gegnerin Clinton. Getreu dem Motto „America First“ möchte er seinem Land wieder mehr Aufmerksamkeit schenken, weil das seiner Ansicht nach andere Präsidenten vernachlässigt hätten. „Er will zum Beispiel wieder mehr in Amerika produzieren lassen und weniger Handel betreiben, weil er glaubt, so Arbeitsplätze erhalten und schaffen zu können“, erklärt Müller, „aber so etwas hat schon früher nicht geklappt.“

Mit Hillary Clinton werde sich außenpolitisch weniger ändern, vermutet Henrik Müller. Clinton ist wie der jetzige Präsident Barack Obama Mitglied der Demokratischen Partei und könnte nach der Wahl die erste Frau im weißen Haus werden. Die Demokraten haben sich in der Vergangenheit immer für die internationale Kooperation eingesetzt, auch Präsident Barack Obama. „Obama ist für Deutschland ein idealer Partner gewesen, er hat auf wirtschaftlicher und politischer Ebene einen ähnlichen Ansatz gehabt wie Deutschland“, so Professor Müller. Hillary Clinton fahre einen ähnlichen Kurs – sie setze vor allem auf gute Beziehungen zu Europa und zur NATO.

Clinton unter innenpolitischem Druck

„Trotzdem wird es auch mit Hillary Clinton als Präsidentin schwieriger für Deutschland“, sagt Müller. Denn Clinton steht unter starkem innenpolitischen Druck. Der Wahlkampf in diesem Jahr ist heftiger als üblich, denn beide Präsidentschaftskandidaten haben völlig gegensätzliche Ziele. Der Druck dränge Clinton zu egoistischen, kurzfristigen Entscheidungen. Deswegen würden vor allem US-Interessen durchgesetzt. Darunter wiederum leide die internationale Zusammenarbeit und schließlich auch Deutschland: „Eine Folge könnte sein, dass es kaum noch Freihandelsabkommen wie TTIP oder auch kleinere Modelle mit den USA geben wird“, so Müller.

Trump will nicht nur keine neuen Kooperationen schaffen, sondern auch Dinge verändern, die seit vielen Jahren laufen. Walter Grünzweig glaubt, dass Trump die Deutschen zwingen könnte, mehr Geld für das Militär auszugeben: „Trump ist der Meinung, dass sich die Amerikaner seit dem Zweiten Weltkrieg zu viel um Deutschland kümmern. Er will, dass wir mehr Verantwortung für uns selber übernehmen.“ Auch kleineren NATO-Partnern, wie zum Beispiel vielen Staaten in Ost-Europa wolle er weniger militärische Hilfe zusichern. Es gebe sie nur dann, wenn die kleineren Staaten wieder deutlich mehr Eigeninitiative zeigten. „Bei einem Angriff, wie zum Beispiel von Russland, würde Trump dann nicht mehr eingreifen“, so Grünzweig. „Das ganze Sicherheitssystem könnte ins Rutschen geraten“, ist sich auch Müller sicher.

Clinton ist bei den meisten Deutschen beliebter

Hillary Clinton hat hier in Deutschland mehr Rückhalt, Donald Trump sehen die meisten skeptisch: „Viele Deutsche werden sich denken: Wie können die Amis zulassen, dass so einer auch nur in die Nähe der politischen Macht kommt“, sagt Walter Grünzweig. Denn ein Mann, der offen sagt, er wolle einen Zaun an der Grenze zu Mexiko bauen, solle nicht das wichtigste politische Amt der Welt einnehmen. Aber: „Eine politische Welle wie bei den Wählern von Trump gibt es ja auch hier“, weiß Grünzweig. Er verweist damit auf Wähler der AfD oder ähnliche Parteien. Ob ein Sieg von Trump sich auf das Verhalten bei den nächsten Bundestagswahlen auswirkt, kann noch niemand sagen. „Es könnte aber gut sein“, meint Grünzweig.

Beitragsbild: DonkeyHotey/flickr.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.