Der WhatsApp-Berufsberater

Die Bundesagentur für Arbeit kann auch jung: Denn die Berufsberatung gibt es jetzt nicht nur persönlich im Büro, sondern auch fürs Smartphone. Mit dem „What’sMeBot“ will sie vor allem die Generation der „Digital Natives“ anwerben. Mehr als Marketing sei das aber auch nicht, sagen Experten. Ob der „What’sMeBot“ wirklich berät, haben wir getestet.

Julien Bams YouTube-Channel hat über drei Millionen Abonnenten. Bild: commons.wikimedia.org/wiki/User:Superbass

Tätowierte Oberarme, zerzauste Haare und ein Idol für viele Teenies – das ist Julien Bam. Erfolgreicher YouTuber und seit Anfang des Jahres auch Berufsberater der Bundesagentur für Arbeit. Er ist das Gesicht des neuen digitalen Angebots für Jugendliche. Mit dem „What’sMeBot“ sollen die Teenies herausfinden, welcher Job für sie der Richtige ist. Dazu chatten sie mit dem 28-Jährigen auf WhatsApp. Er stellt ihnen Fragen, die Jugendlichen antworten. 

Kein echter Berater, sondern ein Fake-Chat

Natürlich ist es aber nicht Julien Bam höchstpersönlich, der am anderen Handy sitzt und fragt. Das macht ein automatisches Computersystem, ein sogenannter Bot. Alles unter dem Namen von Julien Bam. Damit der Test startet, muss der Nutzer die Handynummer des „What’sMeBots“ einspeichern und ihm über WhatsApp ein „Hallo“ schreiben. Nach wenigen Sekunden antwortet Julien, beziehungsweise der Bot: „Hey, ich bin’s Julien Bam. Willkommen beim What’sMeBot“. Dann kommt die erste der insgesamt acht Fragen:

10 Minuten: Länger brauchst du nicht, um alle Test-Fragen zu beantworten. Bild: Screenshot Patricia Averesch

Jetzt kann der Nutzer zwischen vier unterschiedlichen Antwortmöglichkeiten entscheiden:

  • Ich simuliere einen Unfall, dann wird sie schon rauskommen.
  • Ich bau einfach die Tür aus.
  • Ich rede mit ihr und versuche herauszufinden, warum sie mich nicht gefragt hat.
  • Ich versuche einen Deal auszuhandeln.

Jeder dieser Antworten ist ein bestimmter Smiley oder eine Zahl zugeordnet. Die muss der Nutzer verwenden, damit der Bot die Antwort erkennt. Sendet der Nutzer andere Textnachrichten, reagiert der Bot nicht. Die insgesamt acht Fragen unterscheiden sich in ihrer Art: Manche zielen eindeutig auf die Interessen oder Stärken der Jugendlichen ab, andere wiederum sind eher überraschend für eine Berufsberatung: „Schau mal auf deine Hände. Wie sehen die aus?“

Bild: Screenshot Patricia Averesch

Lockere Atmosphäre trotz Fake-Chat

Dieses simple Frage-Antwort-Spiel scheint bei den 14- bis 18-Jährigen anzukommen: Der Test ist leicht verständlich, hat mit Julien Bam prominente Unterstützung und findet dort statt, wo die Jugendlichen sowieso aktiv sind. Schon an den ersten Betriebstagen haben tausende Nutzer mit dem Bot gechattet, mittlerweile sind es insgesamt über hunderttausend durchgeführte Chat-Beratungen, sagt die Bundesagentur für Arbeit. Dass der „What’sMeBot“ nicht echt ist, stört die Jugendlichen anscheinend nicht. Genau das versucht die Bundesagentur für Arbeit auch zu verstecken – mit flotten Sprüchen und witzigen Bildern. Die sollen den Chat auflockern.

Vier Antwort-Optionen, vier Kategorien

Durch das Testergebnis sollen die Jugendlichen erfahren, in welcher Job-Branche sie am Besten arbeiten sollen: Das Computersystem unterscheidet dabei zwischen dem handwerklich-technischen, dem künstlerisch-kreativen, dem sozial-pflegerischen und dem kaufmännisch-verwaltenden Typen. Am Ende gibt der Bot dem Nutzer eine kleine persönliche Einschätzung, zum Beispiel ein „Du bist die clevere Strategin“. Weiter empfiehlt er, eine berufliche Laufbahn im kaufmännischen Bereich. Auch meint der „What’sMeBot“ die Stärken des Nutzers zu kennen, denn der habe „immer einen Plan und auch in stressigen Situationen den Überblick“, so der Bot.

„Der What’sMeBot ist ein Spiel, keine Berufsberatung“

Genau diese Typisierung stößt bei den realen Berufsberatern auf Kritik: Experte Johannes Wilbert zum Beispiel benötigt statt vier mindestens sechzehn Kategorien, um einen Jugendlichen einer Job-Branche zuordnen zu können. „Der What’sMeBot ist sehr vereinfacht“, so Wilbert, „viele Branchen fallen aus dem Raster des Bots.“ Der Test ähnle eher einem kurzen Spiel, als einer vernünftigen Beratung. Auch spuckt der „What’sMeBot“ den Jugendlichen am Ende nicht ihren Traumjob aus, sondern gibt nur eine grobe Richtung an.

Der Bot soll die Jugendlichen anwerben

Die perfekte Berufsberatung ist aber gar nicht die Absicht der Bundesagentur für Arbeit: „Die hat eine andere Motivation“, sagt Berufsberater Johannes Wilbert. Nämlich Marketing. Mit dem „What’sMeBot“ wolle die Bundesagentur nur die Aufmerksamkeit der jungen Zielgruppe erreichen. Das bestätigt die Agentur. Am Besten sollten die Teilnehmer mit den Ergebnissen aus dem „What’sMeBot“ zu einem realen Berufsberater der Bundesagentur für Arbeit gehen. Denn egal, wie den Jugendlichen ihr Berufsvorschlag gefällt, eine gute Gesprächsgrundlage gäbe es durch den „What’sMeBot“ bereits, äußert sich die Bundesagentur für Arbeit.

Teaserbild: Esther Vargas bei Flickr.com Lizenziert nach Creative Commons 2.0 Generic

Beitragsbild: Sam Agzor bei Flickr.com, Lizenziert nach Creative Commons 2.0 Generic

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