Ein höllisches Wochenende: Gruselfestival in Oberhausen

Foto: Carola Kortfunke

Ein Mann in Sheriffuniform zückt seine silbrig glänzende Pistole und sieht nicht aus als würde er zögern, sie auch zu benutzen. Vor ihm steht etwas, das aussieht wie ein Mensch. Zumindest wenn man das blutverschmierte Gesicht und den irren Ausdruck in seinen Augen ignoriert – ein Zombie. Plötzlich blitzt es und als wäre nichts gewesen lösen sich alle aus ihrer angespannten Haltung und lachen. Was wirkt wie eine Szene aus The Walking Dead entpuppt sich als harmlose Fotovorlage.

Vor der Turbinenhalle Oberhausen sammeln sich um elf Uhr die ersten Besucher. Das Publikum ist gemischt, zwischen Familien, Jugendlichen und Erwachsenen stehen Horrorclowns und andere Gruselfiguren. Die Stimmung ist gespannt. Alle tauschen sich aus, zum Beispiel darüber von wo sie angereist sind oder welcher Horrorfilm des letzten Jahres so ein richtiger Knaller war. Über dem Eingang hängt ein Banner, das in weiß auf schwarz verkündet worum es hier geht: Es ist das Weekend of Hell

Das Weekend of Hell bezeichnet sich selbst als das „ultimative Festival für Fans des fantastischen Films in Europa“. Vor allem durch das reichhaltige Aufgebot an Stars aus der Gruselfilm und -serienszene lockt die Convention zahlreiche Fans ins Ruhrgebiet. Dieses Jahr sind unter anderem John Carpenter (z.B. Halloween, The Thing), Tommy Flanagan (z.B. Sons of Anarchy, Alien vs. Predator) und James Remar (z.B. Dexter, Django Unchained) zu Gast. Sie schreiben Autogramme und lassen sich mit den Fans fotografieren. Alles gegen eine extra Entlohnung, die bei den Autogrammen mit 15 Euro beginnt und sich bei den Fotoshootings von 20 bis 65 Euro staffelt. Um mal eben ein Foto mit dem Lieblingsstar zu machen, ist die Convention also eine teure Angelegenheit. Immerhin kommen noch mindestens 30 Euro Eintrittspreis dazu.

Die Messehalle

Schon im Eingangsbereich stehen die erste Stände, einer davon ist der Carnival of Horror. Hier kann man an einem Glücksrad mit aufgeklebtem Clown einen Gutschein gewinnen, um dann zum Beispiel eine sprechende Chuckie-Puppe zu erwerben. Das eigentliche Spektakel findet aber in den beiden großen Messehallen statt. Rechts liegt die Halle 1. Hier werden vor allem Filme, CDs, Bilder und T-Shirts verkauft. Ein Wunderland für alle Horrorfans! Dazwischen finden sich Stände wie der vom Walking Dead Cosplay, an dem man sich mit Rick und dem Zombie fotografieren kann.

Gegenüber von ihnen stehen die FrightGuys, zwei Jungs in gruseligen Clownskostümen und Miriam Gilis, die aussieht wie Samara aus dem Horrorklassiker The Ring. Für Miriam ist es das zweite Weekend of Hell als Teil der FrightGuys. „Die Jungs hingegen sind aber echte Urgesteine und von Anfang an dabei,“ erzählt sie. Sie selbst lernte die beiden zunächst als Freunde kennen und begleitete sie ab und zu aus Lust und Laune zu ihren Veranstaltungen. Beim Zuschauen habe sie bemerkt wie spaßig es doch sei, die Leute zu unterhalten, sagt Miriam: „Außerdem gibt es so etwas im Horrorbereich ziemlich selten während es auf Manga oder Comic Veranstaltungen schon lange gang und gäbe ist.“ Plötzlich wirkt sie gar nicht mehr wie das gruselige Geistermädchen aus dem Brunnen, sondern wie eine freundliche, aufgeschlossene Person, die anderen einfach gerne eine Freude macht.

Melli Scherzinger verpasst jedem, der mag, das richtige Grusel-Make-Up

Melli Scherzinger verpasst jedem, der mag, das richtige Grusel-Make-Up

In Halle 2 findet man die Hauptattraktionen. Dämmeriges Licht, lediglich Kerzen und kleinere Lampen erleuchten sie. Eine Mischung aus Metallrock, gruseliger Karnevalsmusik und Horrorfilmsoundtracks hallt durch die Luft. An den Wänden hängen künstliche Spinnweben, in ihnen Laub und Skelette. Dazwischen stehen lange Tischreihen mit Stars und Sternchen aus der Gruselfilm und -serienindustrie. Man stellt sich an, kauft ein Autogramm oder trägt sich für ein professionelles Fotoshooting mit dem persönlichen Liebling ein. Hinter einem mit zerstückelten Barbiepuppen dekoriertem, altmodischem Ticketschalter führt eine Treppe nach oben ins „BUT„. Einem Kino für B-, Underground- und Trashmovies, das eigentlich ein niederländisches Filmfestival ist, auf dem auch Konzerte und verrückte Performances stattfinden. Um das Kino sammeln sich vermeintliche Metzger, die in Schürzen mit der blutigen Aufschrift „MEAT & EVIL“ Werbung für ihr Festival machen. Zu ihrem Leidwesen bleibt das Kino zumindest am Vormittag relativ leer.

In wenigen Minuten vom Foto zum Zombiebild

Steff Murschetz bei der Arbeit

Steff Murschetz bei der Arbeit

Auf der anderen Seite der Halle finden sich wieder zahlreiche Stände. An einem sitzt Steff Murschetz, der auf Wunsch Porträts im Zombiestil anfertigt. Gerade zeichnet er Roman Lueckes Hund von einem Handyfoto ab und als blutrünstigen Zombiehund nach. Murschetz gibt das U-Comix Magazin heraus, eines der ältesten dieses Genres. Er hat über die Jahre seine eigene Technik entwickelt und schafft es in nur 20 Minuten gruselige Porträts zu zeichnen, die ihrem Vorbild wie aus dem Gesicht geschnitten sind. Auch Roman ist ein wahres Urgestein des Weekend of Hell und schon zum siebten Mal da. „Es gibt hier einfach so viele außergewöhnliche Stände zum Thema Horror, das lohnt sich jedes Jahr“, erklärt er.

Besucherin Mona Braun kommt hingegen vor allem wegen der Gemeinschaft her. „Ich bin hier heute morgen alleine angekommen und habe schon jetzt meine, wie ich sie nenne, ConFamily getroffen“, sagt sie und zeigt strahlend auf ihre beiden Begleiter. „Man hat einfach die gleichen Interessen und kommt schnell ins Gespräch.“  Und das gelte nicht nur für die Fans, sondern auch für die Künstler. 

 

Fotos: Carola Kortfunke

Weitere Informationen zur Veranstaltung hier

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