Headis: Eine Sportart mit Köpfchen

Foto: Ruhr-Universität Bochum   "Immer schön den Kopf einschalten!"

"Immer schön den Kopf einschalten!" Fotos und Teaserbild: Pressestelle Ruhr-Universität Bochum

Seit 2006 gibt es die Sportart HEADIS. Erfunden haben diese Sportstudenten aus Saarbrücken. In einem Freibad in Kaiserslautern haben sie sich einen Ball mit dem Kopf über die Tischtennisplatte zugespielt und schon war eine neue Sportart geboren. Ich habe es ausprobiert und kann sagen: Es sieht sehr lustig aus und der Spaß ist vorprogrammiert.

„Den haue ich weg.“ Ich stehe an einer Tischtennisplatte und visiere meinen Gegner an. Im Hintergrund läuft fetzige Musik mit fetten Beats. Der Schweiß tropft mir schon nach fünf Minuten von der Stirn. Dann werfe ich einen kleinen Plastikball in die Luft und köpfe ihn auf die andere Seite der Platte. Und was macht mein Gegenüber? Der springt mit beiden Beinen auf die Tischtennisplatte und köpft mit voller Wucht auf meine Seite und der Ball springt von da aus an mir vorbei. Aber mein Gott, ist ja auch das erste Mal, dass ich HEADIS spiele.

Was ist eigentlich Headis?

Erfunden hat es der Saarbrückener Sportstudent René Wegner in der „Wesch“ – einem Freibad in Kaiserslautern. Das Ganze zu Zeiten der Fußball Weltmeisterschaft 2006. Der Fußballplatz war belegt und so sind er und seine Kumpels an die Tischtennisplatte und haben mit dem Kopf einen Ball hin- und hergespielt. Grundlage für’s HEADIS ist nämlich eine gewöhnliche Tischtennisplatte. Ob Indoor oder im Lieblingsschwimmbad auf einer Steinplatte ist also egal.

Das zweite wichtige Spielgerät ist der Ball. Dieser hat ungefähr die Größe eines Handballs und besteht aus Plastik. Um es in der Freizeit zu spielen kann man auch einen gewöhnlichen Handball nehmen, den es überall im Einzelhandel zu kaufen gibt. Der Ball muss dann immer auf die gegnerische Platte geköpft werden. Als Netz hält ein dünnes Rohr hin, was an den Rändern befestigt ist. Dieses muss stabil sein, damit der Ball, wenn er gegen das „Netz“ fliegt, auch zurückprallt. Das ist der einzige Unterschied zu einer normalen Tischtennisplatte. Gespielt wird immer im Eins gegen Eins. Wer gewinnen will muss zwei Sätze gewinnen. Davon geht einer bis elf und jeder Punkt zählt.

Fußballerfahrung ist beim Headis hilfreich.

Fußballerfahrung ist beim Headis hilfreich.

Treffpunkt Ruhr Universität Bochum

Es ist Dienstagabend 18 Uhr und ich treffe mich mit Christian Sendes. Das ist der stellvertretende Leiter für den Hochschulsport in Bochum. Jeden Dienstag um halb sieben treffen sich ein paar Sportverrückte, um für anderthalb Stunden zu zocken. Erst wird sich umgezogen. Hier brauche ich keine Extra-Kleidung. Schwups – rein in die Sportklamotten, kurze Hose, T-Shirt und Sportschuhe und ab in die Halle.

Nach dem Umziehen starten Christian und ich direkt – spielen uns warm, indem wir spielgerecht über die Tischtennisplatte köpfen. „Sieht schon ganz gut aus. Man erkennt sofort, dass du Fußballer bist,“ lobt mich Christian und ich kann ihm nur zunicken.

Dann geht‘s los. Wir spielen um Punkte und schnell wird mir klar, warum Christian die offizielle Nr. 34 der Welt ist. Es gibt nämlich eine Rangliste. Wenn man auf den Turnieren, die in ganz Deutschland stattfinden, gut abschneidet bekommt man Punkte. Je mehr Punkte, desto besser die Platzierung. Das nächste große Turnier ist die Weltmeisterschaft. Dieses Jahr findet sie zum sechsten Mal im Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern statt. Bei der offiziellen Saisoneröffnung der Fußballer werden in diesem Jahr 30.000 Zuschauer erwartet. Außerdem kommt die Headis-Gemeinde am 27. Oktober nach Bochum zu den Ruhrpott-Classics.

Das Duell – HEADIS gegen einen Profi

Christian ist routiniert darin den Ball so anzuschneiden, dass er genau auf die Kante springt und somit für mich unerreichbar ist. Wird sich beim Tischtennis noch dafür entschuldigt – weil man ja meistens nicht extra einen Ball auf die Kante spielt – feiert man sich beim HEADIS dafür selbst. Auch die gemeinen Netzroller sind beim HEADIS gern gesehen.

Nach knappen zehn Minuten ist der erste Satz durch. 11:4 verloren – naja es gibt Schlimmeres. Es macht nämlich auch so ne Menge Spaß. Immer wieder muss ich lachen. Teils aus Verzweiflung weil Christian mich von einer Ecke in die andere schickt und teils weil ich dann doch mal mit meiner Stirn einen Ball platziert auf die andere Seite bringe. HEADIS ist was für jedermann. Jeder kann es lernen – es wird einem aber erleichtert, wenn man Fußballer ist.

Headis spielt man mit vollem Körpereinsatz.

Headis spielt man mit vollem Körpereinsatz.

Die Wette

Schnell wetten wir um ein kühles Weizenbier. Wenn Christian mich zu Null besiegt bekommt er es ausgegeben und wenn ich mehr als sechs Punkte bekomme, dann ich. Im zweiten Satz will ich mich deswegen umso mehr anstrengen. Die Motivation ist groß genug.

Doch schnell liege ich wieder zurück. „Morgen wirst du Muskeln spüren, die du noch nicht gespürt hast“,  warnt mich Christian. So ist es auch – die Oberschenkel schmerzen. Das ständige in die Hocke gehen um die Bälle zu erreichen macht sich bemerkbar. Der erste Krampf kommt näher und näher. „Jetzt erst recht“, denke ich mir und gebe alles bis ich nicht mehr kann.

Den ein oder anderen Punkt hole ich so auch und ich komme meinem Ziel, die sechs Punkte zu erreichen, näher. Damit das klappt, springe ich auf die Platte oder springe auf den Boden, um unmögliche Bälle noch zu bekommen. Das mag teilweise blöd aussehen, weil ich genau diese Bälle natürlich nicht bekomme, aber egal. Einmal probiere ich es noch. Ich springe auf die Platte, schmettere den Ball auf die andere Seite – und da ist der Punkt… Typischer Fall von zu früh gefreut. Christian wehrt ab, holt somit diesen Punkt und gewinnt am Ende auch den zweiten Satz – 11:5. Bedeutet: Jeder bezahlt das Weizen alleine.