Mode mit gutem Gewissen

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Bio-Mode steht längst nicht mehr für veraltete Designs. Im Gegenteil: Man sieht sie inzwischen auf den Laufstegen der Mode-Metropolen und sogar berühmte Designer wie Stella McCartney setzen sich aktiv mit der moralischen Mode auseinander. Marken, Shops, Siegel und Preise – wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um Öko-Kleidung.

Bio kenne ich nur vom Essen, aber was ist Bio-Mode?

Das Prinzip ist das gleiche: Auch Mode muss produziert und Baumwolle angebaut werden – und das möglichst günstig. Genutzt werden oft giftige Chemikalien. Bei biologischer Baumwolle ist das nicht der Fall. Hier ist die Verwendung von chemischen Pestiziden und Düngemitteln verboten, geerntet wird per Hand. Wie bei Lebensmitteln sind auch bei Kleidung die Begriffe „bio“, „öko“ oder „aus kontrolliert biologischem Anbau“ (kbA) geschützt. Sie dürfen nur benutzt werden, wenn die Richtlinien des ökologischen Landbaus eingehalten werden.

Wieso sollte ich Bio-Kleidung kaufen?

Um der Fast-Fashion-Bewegung entgegen zu wirken: Ein T-Shirt, das so teuer ist wie der Coffee to go. Eine Hose für den Preis einer Pizza. Die Trends sind dabei oft genauso schnell vorbei, wie sie gekommen sind. Die Wegwerf-Mode geht auf Kosten der Arbeiter in Produktionsländern wie Bangladesch, China und Kambodscha. Dort gefährden die Menschen ihre Gesundheit, zum Beispiel weil sie in den Fabriken nicht ausreichend vor Giftstoffen geschützt sind. Und sie sind weit entfernt von fairen Arbeitsbedingungen und einem angemessenen Lohn.

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Führt ihr Bekleidungs-Geschäft seit sechs Jahren: Die Dortmunderin Andrea von der Heydt.

Nicht nur die Menschen leiden, auch die Umwelt wird belastet: So werden beispielsweise für die Produktion von einem Kilogramm Baumwolle Tausende Liter Wasser benötigt. Auch Pestizide und Düngemittel schaden der  Natur. Chemikalien – etwa zum Färben oder Bleichen -gelangen durchs Abwasser in die Flüsse. Durch den Kauf eines T-Shirts aus biologischer Baumwolle werden rund sieben Quadratmeter Anbaufläche vor Pestiziden und Kunstdünger geschützt. 

Andrea von der Heydt, Inhaberin des Bio-Mode-Ladens „FairBleiben“ in der Dortmunder Innenstadt sieht aber noch einen anderen Aspekt: „Man tut mit Bio-Mode auch etwas für sich. Hanf, Leinen oder Bio-Baumwolle sind einfach schöne Stoffe.“ Sie würden sich besonders angenehm auf der Haut tragen, seien auch für Allergiker und Menschen mit Neurodermitis geeignet.

Woran erkenne ich Bio-Mode?

FairTrade-Logo

Das Fairtrade-Logo steht für fair gehandelte Ware.

Unabhängige Siegel machen auf Bio-Kleidung aufmerksam. Zu den wichtigsten zählen „Fair Wear Foundation“, „Global Organic Textile Standard“ (GOTS) sowie die deutschen Kennzeichnungen „Naturleder“ und „Naturtextil“ vom internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft. 

Um sicherzustellen, dass die Menschen, die die Kleidung produzieren, nicht ausgebeutet werden, könnt ihr euch auch beim Kauf von Kleidung an dem bekannten „Fairtrade“-Logo orientieren. Dieses Kennzeichen darf nur von zertifizierten Anbietern verwendet werden, die die sozialen Standards achten und ihre Mitarbeiter fair entlohnen. Es gibt jedoch keine Auskunft darüber, ob die verwendeten Rohstoffe ökologisch angebaut wurden.

Beim Einkauf von Bio-Mode sollte daher auf die Kombination der Siegel geachtet werden, rät Andreas von der Heydt. Es gebe viele Hersteller, die sowohl hohe Umwelt- als auch Sozialstandards garantierten. 

Ein Zusatz-Tipp fur Online-Kunden: Um in Internet-Shops keine Kleidung von Unternehmen zu kaufen, die ihre Produkte von Kindern herstellen lassen, kann man sich ein Werkzeug in seinem Browser installieren. Das sogenannte aVOID-Plug-in kann gratis installiert werden und blendet die Produkte von Firmen aus, die im Verdacht stehen Kinderarbeit zu unterstützen. 

Woher bekomme ich die Kleidung?

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Andrea von der Heydts Geschäft auf dem Heiligen Weg.

Unter anderem im Bekleidungs-Geschäft „FairBleiben“ am Heiligen Weg. Dort bietet die gebürtige Dortmunderin Andrea von der Heydt seit sechs Jahren ausschließlich ökologisch produzierte T-Shirts, Hosen, Unterwäsche und mehr für Männer und Frauen an. Sie kam als Quereinsteigerin in den Job: Die gelernte Schauwerbegestalterin unterhielt einen Lottoladen im Kreuzviertel, wurde arbeitslos – und baute sich mit dem Geschäft „FairBleiben“ wieder eine eigene Existenz auf.  

Die Marken, die die heute 47-Jährige in ihrem Geschäft führt, heißen unter anderem „hempage“, „recolution“,  „knowledge cotton apparel“, „people tree“, „madness“ und „monkee genes“. Produziert wird die Kleidung vorwiegend in Europa – in Deutschland, Polen, Italien und Spanien. Es gibt vegane Kleider, solche aus Hanf, Baumwolle oder Viskose. Einige Teile kommen auch aus China, wo die Hanf-Produktion am größten ist.

Eine Übersicht aller Geschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es hier. Wir haben euch eine Karte mit den Läden im Umkreis – in Dortmund, Bochum, Unna, Recklinghausen, Essen und Duisburg – zusammengestellt.

Ist das nicht viel zu teuer?

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Junge Mode gibt’s auch öko.

„Nein, ist es nicht“, findet Andrea von der Heydt. Alles eine Frage der Perspektive, meint sie.  Ihre Preise seien durchaus vergleichbar mit denen bekannter Marken. Doch, wer normalerweise zu H&M geht, muss vielleicht erstmal schlucken. 30 Euro für ein T-Shirt sind bei „FairBleiben“ realistisch. „Dafür hält das Stück auch länger“, meint von der Heydt. „Man kauft lieber drei gute Möhren als einen ganzen Sack billiger, wenn man den Rest sowieso wegschmeißt“, erklärt sie bildhaft. Maß halten, sich fragen „was brauche ich wirklich?“ – das müssten viele Menschen erst einmal lernen. In Ihrem Geschäft würden sich Kunden mehr Zeit für die Kauf-Entscheidung nehmen, statt im Shopping-Rausch jedes Schnäppchen einzupacken. 

In „FairBleiben“ kaufen nicht nur Dortmunder ein, ihre Kundschaft kommt aus einem Umkreis von rund 60 Kilometern. Das sei auch gut so: „Wenn ich nur die Dortmunder hätte, wäre ich nach einem Jahr pleite gegangen“, sagt von der Heydt. Deswegen vertreibt sie ihre Ware auch online, zum Beispiel im avocadostore. Öko-Mode leisten sich nicht nur Gutverdiener, weiß die Ladeninhaberin. „Hier kaufen alle ein – auch Arbeitslose oder Studenten.“ Letztere erhalten in ihrem Geschäft 10 Prozent Rabatt. Es seien „interessierte Menschen, die sich Gedanken machen, die etwas anderes wollen“. 

Und Bio-Mode ist längst nicht mehr altbacken – ein kurzer schwarzer Rock, ein Print-Shirt und eine bedruckte Baseball-Jacke, entdeckt im Laden von Andrea von der Heydt. Aber ist ökologische Kleidung schon im Alltag der jüngeren Leute angekommen? Wir haben uns auf dem Campus der TU Dortmund umgehört.

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Ein Beitrag von Lena Semrok und Judith Wiesrecker

Fotos: Judith Wiesrecker