Kommentar: Glaube zwischen Kirche und Seifenoper

Der Papst samt katholischer Kirche auf dem Weg ins Nachtprogramm? Ein Kommentar zur aktuellen Diskussion von pflichtlektüre-Autor Tino Perlick.

In der „Daily Show“ des amerikanischen Entertainers Jon Stewart finden Geschichten aus dem Vatikan einen Platz in der „Pope Opera“. In der Tat lohnt ein Vergleich zwischen katholischer Kirche und Seifenoper auch abseits des offensichtlichen Wortwitzes.

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pflichtlektuere-Autor Tino Perlick

Beides existiert praktisch für immer. Beidem liegt eine gläubige Gefolgschaft zugrunde. Nicht-Interessierte können beidem weitgehend unbeschadet aus dem Weg gehen. Zumindest bislang. Denn die neueste Entwicklung, der Missbrauchsskandal, lässt sich nicht so einfach wegzappen.

Die Schwere der Verbrechen, sowohl der Schänder als auch der Vertuscher, haben wir nach den üblichen zwei, drei Nachrichtenzyk-len noch lange nicht verdaut. Ungeduldig erwarten wir Konsequenzen vom Vatikan. Traditionelles Aussitzen und interne Verhandlungen hinter verschlossenen Türen passen eben nicht in diese transparent gewordene Welt, die uns im vergangenen Sommer noch zeigte, wie junge Iraner einem Mullah-Regime via Handy und YouTube den Kampf ansagen können. Viele Stimmen verlangen nach einer direkten Entschuldigung des Papstes – gerade an die deutschen Opfer. Doch Papst Benedikt ist seit seinem Amtsantritt so wenig Deutscher wie Däne.

Er ist Stellvertreter Gottes auf Erden. Nichts verpflichtet ihn zu einer direkten Entschuldigung. Das mag theologisch alles durchaus gut und richtig sein. Ein Kirchenoberhaupt, das Gott näher steht als den Gläubigen, ist für die Opfer aber in etwa so tröstend wie eine Oblate am Ende der Fastenzeit.

Eine Seifenoper ohne Zuschauer wird abgesetzt. So weit wird es mit der katholischen Kirche nicht kommen. Ohne deutliche Reformen ist sie jedoch auf dem besten Wege, sich selbst direkt ins Nachtprogramm zu manövrieren.