Wissenswert: Warum kleben Duschvorhänge?

Duschvorhang

Duschvorhänge scheinen Körperkontakt zu mögen. Andauernd saugen sie sich in die Dusche hinein und kleben an den Beinen fest. Das liegt daran, dass in deiner Dusche ein Wirbelsturm tobt – zwar nur ein kleiner, aber immerhin. Wie entsteht der? Und was kannst du tun, damit dein Vorhang dich nicht mehr so ärgert?

Vielleicht hast du das heute Morgen auch schon erlebt: Der Duschvorhang war mal wieder anschmiegsam und anhänglich. Du schätzt ihn zwar für seine Arbeit und ihr könnt auch gerne Freunde bleiben, aber Körperkontakt möchtest du nicht unbedingt haben. Warum ist der Duschvorhang so und wie machst du ihm klar, dass du ihn mit ein bisschen Distanz noch viel lieber magst?

Prof. Jan Kierfeld

Prof. Dr. Jan Kierfeld

Die Antwort kann kein Psychologe geben – aber ein Physiker. Zum Beispiel Jan Kierfeld, Professor für Theoretische Physik an der TU Dortmund. Entgegen der weit verbreiteten Meinung hat dieses Ärgernis nichts mit der Temperatur des Wassers zu tun. Sondern mit Reibung, Bewegung und Druck. Und jetzt detailliert und der Reihe nach.

Der Wirbelsturm in deiner Dusche

Der Effekt entsteht schon, wenn die ersten Wassertropfen aus dem Duschkopf fallen. „Dann gibt es eine Reibung zwischen Wassertropfen und Luft. Dadurch, dass die Luft den Tropfen abbremst, wird die Luft auch in Bewegung gesetzt“, erklärt Kierfeld. Der Wasserstrahl beschleunigt die Luft immer wieder – und ein Wirbel entsteht.

Dort kommt der sogenannte Bernoulli-Effekt ins Spiel. Er ist mit verantwortlich dafür, dass Flugzeuge fliegen und der Grund, dass an Bahnsteigen der Sicherheitsabstand zum Gleis mit weißen Strichen gekennzeichnet wird. Und eben dafür, dass der Duschvorhang Körperkontakt sucht. Denn der Bernoulli-Effekt besagt, dass der Druck geringer wird, wenn Luft in Bewegung gesetzt wird. Und dieser Unterdruck „saugt“ dann Gegenstände an.

Ein paar Nummern größer als der Wirbel in deiner Dusche sind zum Beispiel Hurricanes. Dort passiert aber im Grunde genau das Gleiche. Durch den Unterdruck reißen sie alles nach oben, was nicht niet- und nagelfest ist – wie der Wirbel in deiner Dusche den Vorhang nach innen zieht. Wie genau der Effekt im Badezimmer ausfällt, wird von mehreren Faktoren beeinflusst: „Das hat etwas mit der Geometrie der Dusche zu tun“, sagt Kierfeld.

Die Herkunft der Erklärung
Die Erklärung für das Duschvorhang-Problem stammt von David Schmidt, Professor an der University of Massachusetts. Eigentlich beschäftigt er sich mit dem Strömungsverhalten von Sprays, das er unter anderem mit einem Simulationsprogramm untersucht. Und weil eine Dusche für ihn nichts anderes als ein großes Spray ist, hat er auch dieses Problem mit der Simulation untersucht. Dafür wurde er im Jahr 2001 mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnet – der ehrt wissenschaftliche Leistungen, die „Menschen zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen.“

Es ist ja schon nervig genug, dass der Duschvorhang Nähe zu dir sucht. Aber damit ist es noch nicht getan. Er bleibt auch noch unangenehm an deinem Bein kleben. Das liegt an einem zweiten Effekt: den Kapillarkräften des Wassers. Jan Kierfeld: „Wasser möchte sich ausbreiten und Oberflächen benetzen, und das lässt diese Oberflächen aneinander haften. Es entsteht ein Wasser-Film zwischen Haut und Duschvorhang, und der ist auch recht stabil.“ Physik kann dich im Alltag also ganz schön ärgern.

Tipps für deinen Kampf mit dem Duschvorhang

Wie kannst du das Problem nun lösen? Die einfachste Variante ist es, dass du eine feste Duschkabine ins Badezimmer baust. Aber auch wenn du dazu nicht die Möglichkeit hast und mit dem Duschvorhang leben musst, kannst du ihn dir vom Leib halten.

  1. Dich mit dem engeren Raum abfinden – und dich möglichst wenig bewegen, um bloß nicht in die Nähe des Vorhangs zu kommen. Das mindert natürlich den Spaß beim Duschen enorm.
  2. Den Duschvorhang nicht ganz zuziehen. Dadurch kann ein Druckausgleich stattfinden. So kannst du den Vorhang zwar auf Abstand halten – aber diese Methode stellt auch sein Konzept in Frage und führt dazu, dass dein Bad unter Wasser gesetzt wird.
  3. Den Duschvorhang mit Wasser am Rand der Duschtasse oder Badewanne „festkleben“ – wenn er am Körper klebt, funktioniert das auch da. Alternativ kannst du ihn auch mit Magneten oder Saugnäpfen befestigen. Aber hast du jedes Mal vorm Duschen Lust auf diese Bastelarbeit?
  4. Den Duschvorhang unten beschweren, zum Beispiel mit Anhängern für Tischdecken. Dann reicht die Kraft des Wirbels nicht mehr aus, den Vorhang anzusaugen. Diese Lösung ist nicht gerade hübsch, aber effizient.
  5. Einen speziellen Duschvorhang kaufen. Verschiedene Firmen werben mit Duschvorhängen, die an sich schon aus einem schwereren Stoff sind und zusätzlich nicht am Körper kleben sollen. Die sind aber zum Teil deutlich teurer als die vom schwedischen Möbelhaus.

Teaser-/Beitragsbild: Anne Palka