Equal Pay Day: Frauen arbeiten 80 Tage umsonst

Am 21. März war Equal Pay Day in Deutschland. Heißt: Während die Männer schon an Silvester auf ihr Jahresgehalt 2013 anstoßen konnten, mussten die Frauen für die gleiche Summe noch bis zu diesem Tag weiterarbeiten. Im Gegensatz zu den Männern haben sie damit seit Jahresbeginn quasi umsonst gearbeitet.

Auch in Dortmund war der Eqaul Pay Day Thema. In der Berswordt-Halle hatten knapp 25 Organisationen und Vereine ihre Stände aufgebaut, um auf die Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen.

Am Stand von dobeq gibt es Job-Coaching für Frauen.

Am Stand von dobeq gibt es Job-Coaching für Frauen. Foto: Clare Devlin

Frauen verdienen unter dem Strich über alle Berufe und Branchen hinweg im bundesweiten Durchschnitt 22 Prozent weniger als Männer. Pro Arbeitsstunde bekommen Frauen damit brutto etwa 4,50 Euro weniger, sagt das Dortmunder Forum Frau und Wirtschaft. NRW liegt mit 23 Prozent Differenz etwas über dem Bundesdurchschnitt, Baden-Wüttemberg ist mit 27 Prozent Negativ-Spitzenreiter. 

Dabei müssen sich gerade Frauen in ihren ersten Gehaltsverhandlungen nicht verstecken. Birgit Stamm ist Jobcoach und arbeitet in einem Förderzentrum der Dortmunder Bildungs-, Entwicklungs-, und Qualifizierungsgesellschaft (dobeq). Dort hilft sie jungen Menschen bei ihren ersten Schritten in den Beruf. Ihre Tipps für die ersten Gehaltsverhandlungen:

Selbstwertgefühl: „Sie müssen ein gutes Selbstwertgefühl haben und sicher auftreten, denn Sie sind kein Bittsteller. Hier müssen Sie deutlich machen, dass Sie etwas geschafft haben und etwas können. Wer gut vorbereitet ist, der vermittelt das und kann sich gut verkaufen.“ 

Recherche: „Eine gute Recherche vor dem Gespräch hilft. Vor jedem Gespräch sollten sich Frauen informiert haben, wie hoch das branchenübliche Einkommen ist. Wer Zahlen nennen kann, der hat eine Argumentationsgrundlage. Ein Blick in den Frauenlohnspiegel (www.frauenlohnspiegel.de) hilft.“

Nutzen-Argumentation: „Was habe ich für einen Nutzen für das Unternehmen? Welche Einsparungen kann ich realisieren? Sagen Sie, was Sie können und verkaufen Sie sich selbst. Teilen Sie ihre Visionen mit und erklären Sie, dass Sie Verantwortung übernehmen wollen.“

Todsünden: „Argumentieren sie nicht mit dem höheren Gehalt ihres Kollegen oder damit, dass Sie dringend Geld brauchen, um sich ein Haus zu bauen. Bleiben Sie bei der Nutzen-Argumentation.“ 

Kritik und Einwände: „Lernen Sie mit Kritik und Einwänden umzugehen. Reagieren sie locker und verstellen Sie sich nicht. Solche Gespräche sind zwar immer ein Stück weit wie Theater spielen, aber spielen Sie authentisch.“ 

Doch warum kommt es überhaupt zu einem so gewaltigen Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen? Pflichtlektüre hat mit Maresa Feldmann von der „Wirtschaftsförderung Dortmund, Frau.Innovation.Wirtschaft“ gesprochen.  

Maresa Feldmann erklärt, warum es eine ungleiche Entlohnung gibt.

Maresa Feldmann erklärt, warum es eine ungleiche Entlohnung gibt. Foto: Clare Devlin

 Frau Feldmann, warum gibt es diese Unterschiede in Deutschland überhaupt?

In Deutschland gibt es oft noch das klassische Familienbild. Der Mann ist der Ernährer, die Frau sorgt für die Kinder. Frauen haben nach der Geburt ihrer Kinder dann häufig Nachteile: Sie arbeiten in Teilzeit oder geraten in die Mini-Job-Falle. Da kommen sie so schnell nicht mehr raus. Viele Frauen haben es schwer, wieder in eine Vollzeit-Position zu kommen. Ganz problematisch wird es dann bei der Rente. 22 Prozent Entgeltunterschied heute führt später zu einer „Renten-Lücke“ von 60 Prozent gegenüber Männern.

 Welche Berufsgruppen sind von den Lohnunterschieden besonders betroffen?

Im Grunde sind alle Berufe in der freien Wirtschaft betroffen. Es sind nicht die Studenten, oder die Auszubildenden. Das zieht sich über alle Berufsgruppen hinweg, auch unabhängig der eigenen Qualifikationen. Besonders groß ist der Unterschied bei den Zahntechnikern, dort gibt es einen Entgeltunterschied von 31 Prozent. Auch im Bereich Versicherungskaufmann/frau, bei Köchen und Physiotherapeuten ist der Unterschied groß. Nur bei Softwareingenieuren und Informatikern liegen die Gehälter der Frauen im Durchschnitt über denen der Männer.

In welchen Branchen haben Frauen denn gute Chancen?

Besonders in den technischen Berufen gibt es eine Menge Kapazitäten. Hier sind Frauen unterrepräsentiert. Traditionell suchen sich viele Frauen aber eher Berufe, die weiblich konnotiert sind. Würden mehr Frauen in eher „männliche“ Berufe gehen, hätte sie dort auch große Chancen. Oft sind ihre Abschlüsse sogar besser als die der Männer. Sie müssen sich nur gut verkaufen.  

Was wird gegen die Ungleichheit getan?

Die Gewerkschaften versuchen höhere Tarife auszuhandeln und auch der Mindestlohn ist schon mal ein erster Schritt. Trotzdem muss sich die Politik verstärkt einsetzen. Gerade im Bereich der Altenpflege und im Gesundheitswesen. Auch die Arbeitgeber müssen Frauen fairer bezahlen und ihnen entsprechende Konditionen bieten, damit sie Familie und Beruf unter einen Hut bringen können. Dazu zählen mehr Geld und flexiblere Arbeitszeiten.

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