Uni-Theater präsentiert: Das Tagebuch der Anne Frank

„Das Tagebuch der Anne Frank“ ist kein unbekanntes Buch. Als Theaterstück ist es keine leichte Aufgabe. Die AStA Theater-AG der Tu Dortmund stellt sich der Schwierigkeit trotzdem und inszeniert mit zehn Schauspielern die Geschichte der Anne auf der Bühne im Internationalen Begegnungszentrum (IBZ). Pflichtlektüre hat vorab mit dem Regisseur Sebastian Land darüber gesprochen, was das Stück so reizvoll,  brisant und gleichzeitig auch heikel macht.

Pflichtlektüre: Warum habt ihr euch „Das Tagebuch der Anne Frank“ als Stück ausgeguckt?

Regisseur Sebastian Lang hier als Darsteller in einem der früheren Stücke. (Foto: Sebastian Lang; Teaserbild: flickr/Mr.History)

Regisseur Sebastian Land hier als Darsteller in einem seiner früheren Stücke. (Foto: Sebastian Lang; Teaserbild: flickr/Mr.History)

Sebastian Land: Am Anfang dieser Spielzeit waren wir knapp 30 Leute. So große Stücke zu spielen ist schwierig. Erstens gibt es zu wenige, zweitens dauert es etwas bis 30 Leute einen gemeinsamen Termin gefunden haben. Das heißt, es wurde zuerst ein Stück gewählt und da blieben zehn Leute übrig. Dann kam der Vorschlag Anne Frank zu spielen. Es ist ein ernstes Stück, ein anspruchsvolles Stück. Man darf es nicht versauen. Die Thematik ist heikel, sie ist wichtig. Gerade jetzt in Dortmund aufgrund der unerfreulichen Neonaziaufmärsche. Deswegen waren alle sofort Feuer und Flamme und haben gesagt: „Das machen wir“. Da gab es keine Diskussion, wir haben das Stück sofort angenommen. Und wir haben sofort in der ersten Sitzung gesagt: „Da müssen wir uns auch richtig reinknien, denn das kann man nicht irgendwie machen.“

Wie nah ist die Inszenierung am Tagebuch?

Die Inszenierung selber basiert auf dem Stück von Hackett. Das ist in den 50er Jahren geschrieben worden. Das Skript ist vom Buch etwas weiter entfernt, greift aber sehr viele Elemente auf. Wenn man das Buch gelesen hat und das Stück sieht, dann sieht man sofort, dass das die Elemente sind über die sich Anne aufregt im Tagebuch. Oder die sie reflektiert. Sie werden in Dialogen angesprochen. Insofern hält sich das Stück sehr nah an das Buch und zitiert viel daraus. Hintergrundinformationen werden als Zitat eingespielt.

Anne Frank und ihre Geschichte, das ist schon fast ein alter Hut – Viele kriegen das Buch als Pflichtlektüre in der Schule vorgesetzt. Wie geht ihr damit um?

Gerade in der letzten Zeit, als wir angefangen haben Werbung zu machen, ist mir das ganz erschreckend aufgefallen. Ganz viele Leute haben gesagt: „Anne Frank – auf keinen Fall, das guck ich mir nicht an.“  Und das, obwohl sie sonst gerne ins Theater gehen. Offensichtlich hat es in der Schule abgeschreckt. Das war uns vorher nicht so bewusst. Ich glaube, wenn man Anne Frank als Erwachsener liest und nicht in demselben Alter, in dem Anne gerade war als sie es geschrieben hat, dann sieht man es mit ganz anderen Augen. Man sieht ein Stück seiner eigenen Jugend. Anne ist eine Jugendliche mit typischen, jugendlichen Gedanken. Das macht alles nochmal schlimmer für mich. Für sie macht es das schlimmer, dass sie eingesperrt ist. Dadurch wird alles viel extremer, die Konflikte explodieren. Es ist extremer als für einen normalen Jugendlichen. Aber trotzdem erkennt man es wieder. Und für mich macht es das noch viel schlimmer, weil man sich dadurch deutlich stärker mit ihr identifiziert. Als wir das erste Mal das Stück durchgespielt haben, musste ich richtig heulen. Ich konnte minutenlang nichts sagen, weil ich so einen Kloß im Hals hatte. Und je länger man sich mit den Charakteren beschäftigt, desto mehr wachsen sie einem ans Herz. Auch wenn sie alle ihre Schattenseiten haben. Anne ist ja jetzt nicht nur ein nettes Kind. Sie ist für die Eltern sehr anstrengend in dieser Zeit.

Was ist die größte Herausforderung für einen Regisseur, wenn man Anne Frank inszenieren möchte?

Man muss verschiedene Dinge auf die Bühne bringen: Diese Stimmung im Hinterhaus, die Eingesperrtheit. Das Bühnenbild muss recht eng wirken. Es ist sehr aufwendig zu inszenieren, weil alle Schauspieler immer auf der Bühne sind. Denn sonst ist die Enge nicht da. Wenn nur zwei Schauspieler auf der Bühne sind, wirkt die Bühne leer. So ist einfach nicht die Stimmung in dem Hinterhaus. Wir haben probiert immer alle Leute auf der Bühne zu halten, sofern das bei der Bühne überhaupt geht. Für die Schauspieler ist es dadurch umso anstrengender, weil sie wirklich zweieinhalb Stunden auf der Bühne stehen. Sie müssen zweieinhalb Stunden in ihrer Rolle sein, sie müssen irgendetwas machen. Sie können nicht einfach in der Ecke stehen, wenn sie keinen Text haben. Das alles zu choreografieren war eine große Herausforderung. Am Anfang fiel es mir sehr schwer auf die ganzen Dinge gleichzeitig zu achten.

Habt ihr euch besonders auf das Stück vorbereitet, in dem ihr nochmal deutsche Geschichte durchgegangen seid oder das Tagebuch gelesen habt?

Wir haben uns am Anfang eingehend mit den Charakteren beschäftig. In einer Sitzung hat jeder Informationen zu seinem Charakteren herausgesucht. Wir haben uns intensiv mit den Charakteren untereinander beschäftigt, damit wie sie zueinander stehen. Zum Beispiel Otto Frank und seine Frau: Das ist eine Ehe, aber auch eher eine Freundschaft. Aus Liebe haben sie nicht geheiratet. Das kommt alles zum Ausdruck. Das muss man sich alles erarbeiten. Deutsche Geschichte haben wir aber nicht analysiert.

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