Sex: Für den AStA ein Tabuthema

pflichtlektüre-Titel "Sex auf dem Campus" vom 27. Oktober 2009

pflichtlektüre-Titel "Sex auf dem Campus" vom 27. Oktober 2009

Es ist das, was wir als Reaktion erwartet haben: Der AStA Dortmund kritisiert unsere letzte Printausgabe mit dem Titel „Sex auf dem Campus“.

In einem offenen Brief fordert die Vorsitzende Nina Wolf,

„dass der Pflichtlektüre keine finanziellen Mittel mehr durch die Universitäten zur Verfügung gestellt werden.“

Diese Forderung ist bereits erfüllt. Die gedruckte pflichtlektüre ist ein Drittmittelprojekt in Kooperation mit unserem Verlag, der WAZ Mediengruppe. Für die Publikation erhalten wir keine Zuwendungen von den Unis. Wir dürfen freundlicherweise – und das ist alles – dort verteilen.

Das Heft refinanziert sich durch Anzeigen, weshalb sich darin einige finden:

„Eine Werbeanzeige von EON nimmt in der Mitte der Zeitung zwei Seiten ein.“

Weiter kritisiert Nina Wolf:

„Dass es sich hierbei um eine Anzeige handelt, ist erst beim genaueren Hinsehen durch das kleine Wörtchen Anzeige am oberen Rand der Zeitung zu erkennen.“

Die Anzeige unterscheidet sich in Aufbau und Typografie von unseren redaktionellen Seiten, enthält den Hinweis „Informationen von EON“ und ist mit der Standardkennzeichnung „Anzeige“ versehen. Wir trauen unserer akademischen Zielgruppe deshalb zu, die Anzeige als solche zu erkennen – und liegen damit offensichtlich richtig. Im Fall des AStA hat’s ja schonmal geklappt.

Zu den Inhalten der Ausgabe.

Die pflichtlektüre ist ein Studierendenmagazin, sie wird von Studenten gemacht. Wir schreiben über das, was wir selbst auf dem Campus erleben, was wir als berichtenswert wahrnehmen. Genauso, wie der AStA in seiner Zeitung über das schreibt, was er als berichtenswert erachtet. Schöne Sache, die Meinungsfreiheit.

„Sex auf dem Campus“ ist ein boulevardeskes Thema, keine Frage. Ist es deshalb gleich schlechter Journalismus, über Sex zu schreiben?

Aufgabe des Journalismus ist es, zur öffentlichen Meinungsbildung beizutragen. Anstatt also gleich für die Abschaffung einer Studentenzeitung einzutreten, würde ich mir vom AStA wünschen, über deren Inhalte zu diskutieren. Wie können wir die Integration ausländischer Studenten verbessern? Wie festgefahren sind wir heute noch in unseren Rollenbildern? Ist es okay, zur Samenspende zu gehen, um sein Studium zu finanzieren?

25 Comments

  • Samuel sagt:

    @ Nina Wolf:
    Ich würde gerne auf die Kritik am Artikel über kamerunische Studenten antworten.
    Die Unterzeile lautet: „Die kamerunischen Studenten Dortmunds sind herzliche Menschen – und bleiben dennoch meistens unter sich. Eine Gruppe zwischen Offenheit und Isolation“. Dies heißt nicht, wie das Wort „meistens“ verrät, dass kamerunische Studenten sich total abschotten würden. Sowohl in meinem Wohnheim, in dem der Großteil der kamerunischen Studenten Dortmunds wohnt, als auch auf dem Campus, verbringen sehr viele kamerunische Studenten aber die meiste Zeit mit anderen Kamerunern.
    In vielen Gesprächen haben mir das kamerunische Studenten bestätigt. Auch mit Eric Tamokoue, der beim Asta tätig ist oder war und jetzt im Studi-Parlament sitzt, habe ich lange über das Thema geredet.
    Dieses Verhalten ist aus meiner Sicht auch nicht als zwingend negativ zu bewerten: Wie der Migrationsforscher, der in meinem Bericht zu Wort kommt, erklärt, ist das die allerhäufigste Reaktion von Studenten auf eine fremde Umgebung. Sie suchen sich eher Menschen mit vielen ähnlichen Merkmalen – sieht man auch bei deutschen Studis, die an Unis mit einigen anderen deutschen Studis sind (z.B. in Holland) oder ein Auslandssemester absolvieren. Ich finde, dass die unterschiedlichen Charaktere der Kameruner in meinem Artikel recht gut rüberkommen – Maxwell und Marie-Thérèse zum Beispiel sind eben auch sehr unterschiedlich. Hinzu wird in meinem Bericht auch darauf hingewiesen, dass viele Deutsche sich nicht stark gegenüber Kameruner öffnen (siehe die Zitate von Marie-Thérèse und Maxwell) – die „Isolation“ in der Unterzeile ist daher sowohl als das Verhalten der Kameruner als auch das Verhalten anderer Studierender (Ausgrenzung) zu verstehen. Wenn Leute hier aufgrund nicht perfekter Deutschkentnisse in Vorlesungen ausgelacht werden – dann kann ich gut verstehen, wieso man sich nicht unbedingt deutsche Freunde suchen will.
    Wie Eric Tamokoue ja aber auch sagt, ist es trotzdem wichtig, noch stärker integrativ vorzugehen – von beiden Seiten.
    Vielen deutschen oder anderen Studis war die Situation kamerunischer Studenten in Dortmund sicher nicht bewusst, bevor sie darüber gelesen haben. Da ich diese Situation interessant fand, wollte ich darüber schreiben – das war meine Hauptmotivation. Falls die Leute dann etwas darüber nachdenken und sich mehr für ihre kamerunischen Mitstudenten interessieren und mehr mit ihnen unternehmen- umso besser. Das Leute nach der Lektüre des Artikels weniger Lust haben, sich mit kamerunischen Mitstudenten auseinderzusetzen als früher, halte ich sehr, sehr unwahrscheinlich.

    So, bevor ich mir hier aber einen Wolf schreibe, mache ich mich mal vom Acker. 😉

    Viele Grüße,

    Samuel Acker

  • Geby sagt:

    Ich habe die Kommentare auf dieser Seite nicht alle gelesen, sondern nur die unter dem offenen Brief des AStA sowie den offenen Brief selbst und diesen Artikel hier.

    Und als Verfechter der freien Marktwirtschaft kann ich nur folgendes sagen:

    1. Auch im Journalismus gilt das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Wenn eure Leser solche Hefte lesen wollen, dann entscheiden die das ja, indem Sie das Heft konsumieren und das gibt euch dann recht oder nicht. Hab allerdings keine Ahnung, ob ihr da Zahlen habt, ob Sexhefte quantitativ besser konsumiert werden als normale.

    2. Gilt aus meiner Sicht die Journalistische Freiheit. Journalisten sollten über das schreiben und berichten dürfen, was ihnen gefällt. Wenn das bei Euch Sex ist, dann schreibt halt über Sex. 😉 Ich musses ja nicht lesen, wenn es mir nicht gefällt.

    3. Eure Geldgeber entscheiden im Zweifelsfall ob sie eine solche Ausrichtung mittragen oder nicht.

    Außerdem ist der AStA die Vertretung der Studierendenschaft. Und wenn ihr in irgendeiner Weise aus Studiengebühren oder dem Semesterbeitrag aller Studenten refinanziert werdet, dann ist das das Geld der Studierenden und der AStA vertritt nun mal deren Interessen.

    Und wenn der AStA so eine Pflichtlektüre die auch mit den finanziellen Mitteln der Studierenden erstellt wurde nicht toll findet, ist es legitim als AStA für uns Studenten zu sprechen und zu sagen, so wollen wir das aber nicht, das sowas mit unserem Geld gemacht wird.

    Der AStA ist nun mal so gewählt und ich unterstelle, alle diejenigen, die Hochschulweit an sowas interessiert sind auch zur Wahl gegangen.

    Ein kleiner Vergleich: (JA! Er ist übertrieben ;-))
    Das ZDF macht einen neuen DigitalSender alá ZDF_Porno

    Überlegt mal die die Politik da reagieren würde 😉 Ob berechtigt oder unberechtigt!

  • Vanessa sagt:

    @Florian Feldhaus: Um kurz die Finanzierung aufzuklären: Es muss unterschieden werden zwischen der Lehrredaktion, die eine Lehrveranstaltung im Rahmen des Curriculums im Fach Journalistik ist, und dem Publikationsmedium „pflichtlektüre“. In der Redaktion lernen die Studierenden die Themenfindung, Recherche, Ressortleitung, und – je nach Medium – schreiben, Beiträge machen, Layout, Kamera- und Aufnahmetechnik, Sendeplanung, Blattplanung usw. Die Lehrveranstaltung wird aus den üblichen Haushaltsmitteln finanziert.

    Die Ausbildung in den Redaktionen könnte theoretisch im Stillen stattfinden, ohne Inhalte zu publizieren. Dann würde für die Schublade produziert.

    Weil eine Veröffentlichung aber die Motivation der Studierenden erhöht und weil die Reaktionen auf eine Veröffentlichung sehr lehrreich sein können, sind wir immer bemüht, ein Publikationsmedium zu haben, in diesem Fall die pflichtlektüre. Sie entsteht mit Hilfe von Drittmitteln und in Kooperation mit unserem Verlag, der das unternehmerische Risiko trägt.

    Gäbe es die gedruckte pflichtlektüre nicht mehr, würde die Lehrredaktion Print also weiter existieren und produzieren – und dann für die Schublade schreiben oder eine andere Publikationsmöglichkeit suchen.

  • Gähn sagt:

    Von was für Diffamierungen schwätzt der AStA eigentlich dauernd? So persönlich wie er (in dem polemischen, wenig fundierten, mit Rechtschreibfehlern gespickten) „Artikel“ über ie Pflichtlektüre war, ist hier meiner Einschätzung nach noch keiner aufgetreten.

    Und jetzt, lieber AStA, kommt bitte nicht noch einmal mit diesem politisch korrekten Geschwafel von wegen „Wer verbirgt sich hinter dem Begriff “der AStA”? Sind alle Menschen, die im AStA arbeiten, gleich? Ich denke, dass alle unsere Referenten und Referentinnen ganz unterschiedliche Charaktereigenschaften haben…“

    Das ist Komödiantenstadl pur, in etwa so lächerlich wie dass die Beleidigung „der Polizei“ in unserem Land nicht verfolgt werden kann, weil es die Bundespolizei sowie Länderpolizeien gibt. Das entscheidende Kriterium sollte Inhalt sein, nicht kleinkarierte Spitzfindigkeit. Zumindest Ansätze zur inhaltlichen Diskussion hat die Pflichtlektüre nun wiederholt übernommen.

  • M.H. sagt:

    Entschuldigt bitte, wenn meine Äußerungen missverständlich sind. Ich habe zwar Nina Wolf angesprochen, aber ich meine damit den gesamten Asta. Natürlich regt auch der Rest des Briefes zur Meinungsbildung an. Aber es geht einzig und allein um den Vorschlag zur Kürzung der Mittel. Welche Studentenvertreter sind denn dafür, die Ausbildungsmöglichkeiten ihrer Mit-Studenten zu verschlechtern? Da hat der Asta seine Berufung verfehlt. Für die PR-Arbeit der Universität werden nämlich schon andere Menschen bezahlt. Ihr alle werdet – wenn auch wahrscheinlich kläglich – für euren Aufwand entschädigt. Der Aufwand, der bei der Vertretung der studentischen Interessen entsteht. Und die Ausbildung eines ganzen Fachbereichs wegen dieser streitbaren Themenwahl verschlechtern zu wollen, kann nicht eure Aufgabe sein.
    Die Kritik daran, dass sich die pflichtlektüre wohl nicht an den geäußerten Wünschen der Studenten orientiert, ist doch vollkommen in Ordnung.
    Wenn der Asta aber bestimmen will, was „Universitätsniveau“ ist, dann binn ich doch verwundert. Übrigens fand ich die Sex-Geschichte auch nicht gut. Aber dann sagt mir doch bitte, wie die Journalistik-Studis ein höheres Niveau erreichen sollen, wenn ihr ihnen die Mittel streichen wollt?
    Bekommen die Studenten von Fach XY demnächst auch kein Geld mehr, wenn das Niveau ihrer Arbeit nicht gut genug ist? Und wenn Eldoradio Beiträge sendet, die nicht dem „Universitätsniveau“ entsprechen, schalten wir dann den mittlerweile zehn Jahre alten Sender ab?

  • Thomas Terhorst sagt:

    Was ist denn mit dem AStA los? Ist der denn größenwahnsinnig geworden?

    Ich glaube man würde sich der Lächerlichkeit preisgeben, wenn man sich auf eine ernst gemeinte Diskussion – basierend auf den Forderungen des AStA’s – einlassen würde!

    Dreist, einfach nur dreist!

  • @ M.H./Thomas Terhorst
    Ich liebe euch dafür. Bei jedem Satz „Ja“ zu nicken ist fast wie Rock´n´Roll!
    😉

  • Florian Feldhaus sagt:

    Sehr geehrter M.H.,

    ich bedaure sehr, dass Sie es offensichtlch nicht für nötig gehalten haben, den offenen Brief im Detail zu lesen und die einzelnen Punkte nachzuvollziehen. Auch bedauere ich es sehr, dass Sie nicht mit ihrem vollen Namen zu Ihren Vorwürfen stehen.
    Ich erlaube mir ein paar Anmerkungen zu Ihren Vorwürfen:
    – Finanzierung der Pflichtlektüre:
    Auf der Webseite der Pflichtlektüre steht im Impressum, dass die Pflichtlektüre eine Lehrredaktion der Fakultät Journalistik ist. Zudem prangert das Logo der Fakultät Journalistik groß auf der Seite. Es liegt also die Vermutung nahe, dass diese Fakultät in die Finanzierung der Zeit eingebunden ist. Mich würde es wundern, wenn die Finanzierung der Projektleitung Prof. Dr. Klaus Meier, der Räumlichkeiten am Campus Nord der TU Dortmund sowie die Ausstattung der Räumlichkeiten und der Redakteure allein aus Anzeigen finanziert wird. Hierzu kann sich aber sicher jemand von der Pflichtlektüre äußern. Im offenen Brief wird auch lediglich auf folgendes hingewiesen: “Da es die Pflichtlektüre auch online gibt, ist es völlig ausreichend, sich auf dieses Angebot zu beschränken und keine Gelder in den Druck zu investieren.” Dies ist aus meiner Sicht in keinster Weise eine Forderung nach einem Verbot der Pflichtlektüre. Die Forderung, “dass der Pflichtlektüre keine finanziellen Mittel mehr durch die Universitäten zur Verfügung gestellt werden” bezieht sich sicherlich auf finanzierung von Räumlichkeiten, Ausstattung sowie wissenschaftliche Betreuung der Studierenden durch die Universität.
    – Qualität der Pflichtlektüre:
    Über die Qualtität gibt es sicherlich Unterschiedliche Meinungen. Da die Pflichtlektüre jedoch auch eine Lehrredaktion einer Universität ist, sollte sie sich auch auf einem entsprechenden Niveau bewegen. Der offene Brief überlässt es dem Leser und der Leserin ja ausdrücklich, sich eine eigene Meinung zu bilden und moniert lediglich, dass aus Sicht des AStAs mit der letzten Ausgabe ein Universitätsniveau im Sinne des AStA nicht erreicht wurde und auch nicht auf die Interessen der Studierenden eingegangen wurde.
    – Deine persönlichen Angriffe gegen Nina:
    Es steht jedem zu Kritik zu äußern, jedoch hat der AStA dies im Gegensatz zu dir allgemein gehalten, ohne persönliche Angriffe. Deine verbalen Entgleisungen lassen in meinen Augen nur darauf schließen, dass du weder verstanden hast, dass der Artikel die Meinung des AStA (und einer ganzen Reihe von Studierenden) wiedergibt, noch, dass der Brief sehr viel Spielraum für eine eigene Wertung lässt. Du diffamierst, wo eine Diskussion sinnvoll wäre und disqualifizierst dich für jeglichen weiteren verbalen Austausch.

  • Nina Wolf sagt:

    Ich habe mit meinem Brief nicht zum Ausdruck gebracht, dass ich gegen die Pressefreiheit oder Meinungsfreiheit bin. Der Brief ist zudem nicht meine Privatmeinung, sondern wird vom ganzen AStA unterstützt. Die Pflichtlektüre ist Teil des Studiums Journalistik, also fließen dort auch universitäre Gelder rein. Leider wird viel zusätzlich in den Brief rein interpretiert was dort nicht steht. So wurde nicht zum Ausdruck gebracht, dass Sex an sich ein Tabuthema ist. Unsere Kritikpunkte beschränkten sich auch nicht nur auf diesen Artikel.
    Auf die persönlichen Angriffe werde ich nicht eingehen, schon gar nicht, wenn sie von einer anonymen Person kommen. Lieber M.H., du kannst gerne einmal im AStA vorbeikommen und wir können darüber auf einem sachlichen Niveau diskutieren.

  • M.H. sagt:

    Nachtrag zu den Lehrjahren:

    Diese scheint Nina Wolf wohl verpasst zu haben. Die Forderung, ein Medium quasi zu verbieten, weil einem der Tenor nicht gefällt, gab es in diesem Land schon zu häufig.
    Ich empfehle dringend, ein Proseminar über die Pressefreiheit zu besuchen.
    Und ich rufe alle Studenten auf, das nächste Studierendenparlament zu wählen. Denn das ist genau das, was passiert, wenn niemand wählen geht: Sie lassen Leute rein, die nichts von den Grundrechten dieses Landes verstehen.
    Und es werden Menschen von unseren Studiengebühren finanziert, die GEGEN die PRESSEFREIHEIT sind. Jeder von uns, der für sein Geld hart arbeitet und seine Gebühren bezahlt (im Gegensatz zum Asta) , sollte darüber nachdenken.
    Entschuldigung, Nina Wolf, aber mit Deinen Aussagen hast Du Dich für jedliche Form des öffentlichen Amtes disqualifiziert.

  • M.H. sagt:

    Über den Inhalt der pflichtlektüre kann man sicherlich streiten.
    Aber der Brief des Asta beweist, dass sich Nina Wolf in keiner Weise informiert hat. Sie wusste nicht einmal, dass die pflichtlektüre sich über die Anzeigen finanziert und von unserer Uni nichts bekommt. Jeder von uns kann sich in einem Online-Forum wie diesem hier so äußern, wie er es für richtig hält. Aber wer eine öffentliche Position bekleidet, sollte wissen was er sagt, bevor er es sagt. Der Inhalt des Briefes ist außerdem wenig durchdacht.
    Die pflichtlektüre wird von Studenten selbst gemacht. Wer kann ihnen also vorwerfen, die Studenten wollten ihre Themen nicht? Außerdem ist die pflichtlektüre auch eine Lehrredaktion, die zur Ausbildung dienen soll. Die Mittel zu streichen würde also bedeuten, den Studierenden dieser Uni ihre Ausbildungsmöglichkeiten zu verbieten. Und die Ausbildung der Studis zu verschlechtern, ist das der Sinn des Asta?
    Wer die Pflichtlektüre nicht lesen will, braucht das nicht. Lasst sie im Korb liegen und die Studenten werden merken, dass ihre Themenauswahl nicht gut gewesen ist. Solche Erfahrungen gehören zur Ausbildung.
    Aber verwehrt ihnen nicht ihre Lehrjahre.

  • Thomas Terhorst sagt:

    Hallo Nina, ich habe Dir mal ein paar Titelthemen von Spiegel, Focus und Stern aus den letzten Jahren zusammengestellt:

    1. Focus: Wieviel Sex braucht der Mensch? 2001, Ausgabe 11
    2. Spiegel: Importware Sex! 2003, Ausgabe 26
    3. Stern: Sex – wie die Liebe lustvoll bleibt. 2008, Nr.37

    *das ist nur eine kleine Auswahl, die Liste kann verlängert werden.

    … man, man, man. Ganz schön boulevardeske Themen in den Leitmedien. Ich glaube, ich werde mich mal an die Bundesregierung wenden, um eine Subventionierung dieser Medien zu verhindern!

    PS.: Achso, „das Sex-Blog“ von Zeit-online (http://blog.zeit.de/sex/) könnte für dich vielleicht auch interessant sein.

    Liebe Grüße
    Thomas Terhorst

  • Judit sagt:

    Abgesehen davon, wer Recht hat, finde ich es sehr gut, dass es eine solche Diskussion über Plichlektüre gibt, und gerade an der Homepage von Pflichtlektüre.

    Leider muss ich zugeben, dass ich selbst zuerst nicht herausgefunden habe, dass es bei der EON-Anzeige um eine Anzeige geht, obwohl ich wusste, dass da eine Anzeige sein soll.

  • Nina Wolf sagt:

    Für mich ergeben sich zwei völlig unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Äußerung von Kritik: Ich habe in meinem offenen Brief lediglich Kritik an den Artikeln geübt, in der Weise, dass ich die Themen aufgezählt und mit einem Zitat aus dem Text beschrieben habe. Ich habe dabei nicht geschaut, wer den Artikel verfasst hat noch ein Urteil über die Autoren oder Autorinnen gefällt. Anders ist aus meiner Sicht die Reaktionsweise der Pflichtlektüre: Sie verurteilt den AStA als prüde und „gegen alles“. Die Frage, die sich mir stellt ist, wer verbirgt sich hinter dem Begriff „der AStA“? Sind alle Menschen, die im AStA arbeiten, gleich? Ich denke, dass alle unsere Referenten und Referentinnen ganz unterschiedliche Charaktereigenschaften haben, dass ein solches Pauschal(vor-)urteil viel zu kurz greift, zumal der AStA auch jedes Jahr neu gewählt wird. Der Artikel der Pflichtlektüre schürt somit altbekannte Vorurteile über Menschen, die den Autoren und Autorinnen des Gegenartikels nicht einmal bekannt sind. Die Überschrift wurde damit begründet, dass sie Aufmerksamkeit weckt, sich mit der Thematik zu beschäftigen. Ich denke, dass der Weg über Urteile der falsche ist. Mir ist das Ziel dieses Gegenartikels völlig schleierhaft. Ich entdecke darin nur Wut, die in einer ersten Reaktion niedergeschrieben wurde und wenige inhaltliche Gegenargumente enthält.
    Ähnlich Tendenzen entdecke ich auch an dem Artikel über den Club Kamerun. In der Unterüberschrift werden die kamerunischen Studierenden als herzliche, aber verschlossene Menschen gegenüber Menschen aus anderen Kulturkreisen beschrieben. Eine solche Überschrift lädt nicht zu einem interkulturellen Austausch ein sondern verhindert ihn. Denn was ist das Fazit für Studierende, die nicht aus Kamerun kommen: „Eigentlich sind die kamerunischen Studierenden ganz nett, aber wollen ja eh nichts mit mir zu tun haben.“? Hier wieder meine Frage: Lassen sich alle Studierenden, die aus einem Land kommen oder einer gemeinsamen Gruppe angehören, wirklich auf wenige Merkmale reduzieren? Ich denke, dass alle kamerunischen Studis genauso viele und zahlreiche Charakteren haben wie jeder anderer Mensch, egal wo er herkommt, auch.
    Ich wünsche mir, dass ich solche Artikel mit derart verallgemeinernden Aussagen in der Pflichtlektüre nicht mehr lesen muss.

    Viele Grüße
    Nina

  • Malina sagt:

    Persönlich: Journalistische Beiträge dienen mir längst nicht mehr nur als Informationsupload; sie unterhalten mich. Und die letzte Ausgabe hat mich köstlich amüsiert. Danke, liebe Kollegen!

    Metaebene: Bildung ist mehr als Faktenwissen! Unter anderem gehört auch der Bereich der emotionalen Intelligenz dazu. Beiträge über Sexualität, Eifersucht und all das Zwischenmenschliche, das uns jeden Tag begegnet / beschäftigt, sind also keineswegs „Leerartikel“.

    Und einen Schritt weiter gedacht: Was kann besser sein, als Bildung – den wahren Motor der Gesellschaftsentwicklung – auf unterhaltsame Weise zu erfahren?

  • Stefanie Brüning sagt:

    Warum streiten wir hier eigentlich? Wir sollten eigentlich gar nicht so übereinander aufregen, wo doch (angehende) Journalisten und (angehende) Politiker so viel gemeinsam haben: Jeder erwartet von ihnen, besser und idealistischer zu sein als Otto Normalverbraucher, glaubt von ihnen, dass sie alles für die Quote tun und vor allem keine Ahnung von ihrem Job haben, und schon gar nicht ihre gesellschaftlichen Pflichten erfüllen….
    Wenn man sich erstmal damit abgefunden hat, was andere denken, kann man viel besser seinen eigenen Weg gehen. Wir als Pflichtlektüre behandeln die Themen, die wir für spannend und relevant halten – schließlich sind auch wir in unserer Zielgruppe und haben eine Meinung dazu. Außerdem ist es eine KOSTENLOSE Zeitung, die jeder mitnehmen oder auch liegen lassen kann. Wir haben unseren eigenen Anspruch an die Texte, auch wenn mancher sie gelungener und mancher weniger gut finden mag. Wir verstehen uns aber nicht als „Machtinstrument“, das allen Studenten eine bestimmte Meinung vermitteln soll, oder gleichermaßen repräsentieren könnte – schließlich sind „Studenten“ alles andere als eine homogene Gruppe und haben durchaus unterschiedliche Interessen. Deshalb gab es schon Europawahl als Hauptthema, diesmal ist es eben Sex, und beim nächsten Mal vielleicht Religion – und ich finde das gut so. Es gäbe bestimmnt nicht so einen großen Zeitungsmarkt, wenn alle nur eine Meinung hätten, Journalisten Themen tatsächlich schon von allen Seiten beleuchtet hätten und es Artikel gäbe, die jeden Leser zufrieden stellen könnten.

  • Vanessa sagt:

    Sorry, Tippfehler, gemeint ist: „in keiner Weise reißerisch“.

  • Vanessa sagt:

    @Florian: Zunächst mal sind wir für die Kritik dankbar. Wir haben intern viel diskutiert, ob man das Thema machen kann und wenn ja, wie. Es gibt innerhalb der Redaktion durchaus verschiedene Meinungen – Nils schreibt ja auch, dass er es anders aufgezogen hätte.

    Unsere Ziele sind zu informieren, Öffentlichkeit herzustellen, Diskussionen anzustoßen, aufzuklären, aber auch zu unterhalten. Ich habe nicht den Anspruch, immer nur ernste Themen zu bringen, immer nur draufzuhauen. Insgesamt muss die Mischung zwischen Information, , Aufklärung, fundierter Kritik, Service und Unterhaltung stimmen. Ich denke, über alle Ausgaben hinweg tut sie das noch nicht, aber wir sind auf einem guten Weg. Samuel hat ja einige Themen aufgezählt.

    Ein „Sprachrohr der Studenten“, wie Miguel es nennt, wollen wir nicht sein. Das finde ich anmaßend. Außerdem sind Studenten eine viel zu heterogene Gruppe – das kann gar nicht funktionieren.

    @Frank: Ja, die Überschrift ist bewusst ein wenig provozierend gewählt, um erstmal Aufmerksamkeit herzustellen – um Leute, die bislang nicht im Thema sind, erstmal reinzuziehen und ihr Interesse für unsere Diskussion zu wecken.

    @Miguel: Eindimensionale Darstellung der Studierenden? Sehe ich nicht so. Wir haben im Herz-Stück zwei Mädels, die ziemlich krasse Aussagen machen. Die beiden anderen Zitate stehen denen eher entgegen. Das halte ich nicht für eindimensional. Eine Kontextualsierung erfolgt durch den Fließtext. Ob der Text gelungen ist oder ob man es besser hätte machen können, klar, darüber kann man streiten.

    Den Samenspende-Artikel finde ich im Übrigen in keiner Weise nicht reißerisch, vielmehr setzt der Autor sich mit seinem Tun auseinander, wägt ab und äußert seine Bedenken. Mich hat der Text zur Auseinandersetzung mit dem Thema angeregt.

  • Tobias sagt:

    Entschuldigt, aber es liegt uns einfach nicht, inhaltlich zu diskutieren. Vielleicht fehlt uns da die Kompetenz zu adäquater Kontextualisierung. Irgendwie beherrschen wie die Kunst des eleganten Diskurses aber doch, immerhin haben wir ja an anderer Stelle sachlich gegen Euch argumentiert, wie diese beiden Beispiele aus einem einzigen Absatz leicht zeigen:

    Der/Die/Das Ratzeputz dümpelt leider im Nirwana der immer gleichen Infotainment- Angebote. Aber das ist leicht mit seinen rückgratlosen Autoren zu erklären.

    Das sind nur zwei Beispiele unseres wertneutralen Kommunikationsverhaltens im philosophisch-theologisch-politischen Dialog mit Euch. Zum Glück würdet Ihr ähnlich (oder gar genau so) nie zetern, weil Polemik nicht das Mittel Eurer Wahl ist.
    An dieser Stelle vielen Dank dafür.

    Aber ohnehin lassen sich (faule) Äpfel und Birnen nur schwer miteinander begleichen.
    Wir sind die Postille einer politisch und thematisch eher einseitig eingenordeten und relativ kleinen Lobby. Ihr dagegen seid ein von Großindustrie, Rotlichtmilieu, WAZ und dem Satan höchstpersönlich gehätscheltes Sex- und Kampfblatt, das dreisterweise versucht, den Geschmack eines Großteils der Studenten – pardon, Studierendenschaft – zu treffen (!). Aber dafür haben wir uns dem Vernehmen nach gerächt, in dem wir wiederholt Interview-Anfragen zurückgewiesen haben. Prinzip beleidigte Leberwurst eben. Oder habe ich da jetzt etwas durcheinandergebracht?

  • Miguel sagt:

    Die Kritik gegenüber den Artikel über Sex ist wohl weniger ein Ausdruck von Prüderie, vielmehr bewegt die Art und Weise der Thematisierung die Gemüter. Sie lehnt sich in ihrer Machart an die typische eindimensionale Darstellung des Studierenden in der Yellow Press an. Insbesondere der Kommentar der ersten Studentin zu diesem Thema, folgt dem Muster der immer willigen Studentin. Inwiefern dies reale oder irreale Aussagen sind, ist irrelevant. Wie man normalerweise in einem kulturwissenschaftlichen Studiengang lernen sollte, ist die Kontextualisierung bedeutungstragend. Wenn es eine reine Beobachtung wiedergeben soll, dann ist die adäquate Kontextualisierung nicht gelungen. Dieser Eindruck wird aber nicht nur bei der Meinung dieser einen Studentin erzeugt. Auch die anderen Beiträge scheinen ein eher flaches Bild von Studierenden zu bestärken. Selbst wenn im Artikel versucht wird, mit einer Theoretisierung diesem Eindruck entgegen zu wirken, bleibt doch ein schlechter Nachgeschmack. Wenn man zusätzlich noch den folgenden Artikel über Samenspende hinzuzieht, entwickelt sich aus dem schlechten Nachgeschmack eine verfestigte Meinung, dass ein reflektierterer Umgang mit dem Thema Sexualität von Nöten wäre.

    Im Prinzip sind mir sowohl die Inhalte als auch die Art und Weise der Behandlung egal. Ich halte die Pressefreiheit für ein wertvolles Gut. Allein die Vereinnahmung der Zeitung ein Sprachrohr der Studierenden zu sein, finde ich sehr kritisch. Außerdem finde ich es nicht richtig, wenn Studierende das Bild bedienen, welches sie als eine homogene Gruppe von Party- und Sexwütigen Personen darstellt. Möglicherweise ist diese Sichtweise aus eurer Sicht zu kurzgegriffen. Stellt euch dem Diskurs und antwortet nicht mit Diffamierungen.

  • Nils Bickenbach sagt:

    Also ich stimme Samuel und Michael im Großen und Ganzen zu. Über das letzte Herzstück kann man streiten, doch das sollte meiner Meinung nach anders aussehen.
    So wie die ganze Pflichtlektüre hier kritisiert wird, wirkt es auch auf mich als hätte der AStA auf sowas gewartet und den Finger schon lange am roten Knopf gehabt. Das lässt die Kritik recht unsachlich erscheinen. Wenn man auf eine sachliche Diskussion abzielt, dann beginnt man das auf andere Weise.

  • Frank sagt:

    Überschrift des AStA:
    „Offener Brief: Aktuelle Ausgabe der Pflichtlektüre“

    Überschrift Pflichtlektüre:
    „Sex: Für den AStA ein Tabuthema“

    Dies alleine zeigt schon die Richtung der Pflichtlektüre sehr deutlich!

    Im übrigen hat der AStA laut Brief kritisiert, dass es sich dabei um reißerische Themen handelt, die sich die Studis nicht wünschen. Man kann darüber diskutieren, ob dies der Wahrheit entspricht. Aber das für den AStA Sex ein Tabuthema ist, scheint mir schlichtweg wieder erfunden, um eine reißerische Überschrift zu generieren.

  • Michael Klingemann sagt:

    Es ist beim Asta offenbar irgendwie in Mode gekommen, die pflichtletktüre zu kritisieren. Gegen Kritik ist ja erst einmal nichts einzuwenden. Aber, es scheint fast so, als hätte man dort nur auf ein Thema wie „Sex an der Uni“ gewartet um mal wieder richtig Dampf abzulassen. Woher kommt diese Ablehnung zur pflichtlektüre eigentlich?
    Ich persönlich finde, es ist doch gerade eine ausgewogene Mischung aus harten und weichen Themen, die ein gutes Magazin ausmacht. Im Übrigen spricht nichts dagegen, dass der Asta uns auch mal ein Thema vorschlägt, oder auf Anfragen der Redaktion zu Stellungnahmen auch zu „harten Themen“ wie zum Beispiel Bachelor/Master reagiert.

    Michael Klingemann. Reaktionsmitglied pflichtlektüre

  • Samuel sagt:

    Ich finde der offene Brief des Astas zeigt relativ deutlich, dass die Mitglieder kaum mal in unsere letzten Ausgaben geschaut haben. Wenn wir alleine mal unsere Herzstücke des letzten Semesters anschauen:

    – Wie wichtig sind soziale Netzwerke für den Erfolg?
    -Wohin fließen die Studiengebühren, wie sind sie verteilt?
    – Was bedeutet Europa für die Studenten, wie greift die EU in ihren Alltag ein und warum ist es sinnvoll zur Wahl zu gehen?
    – Wie werden Studiums-Stipendien vergeben, wie finanziert und ist das alles fair?
    -Wie kann man Kind und Studium kombinieren
    und
    – Was läuft in der universitären Lehrerausbildung eigentlich falsch?

    sind das (das erste vielleicht ausgenommen) alles artikel, die viele wichtigen fakten liefern, zum nachdenken anregen und auch einen gewissen servicecharakter besitzen.

    Und das sind ja nur die Herzstücke. Dazu hatten wir noch Artikel über

    -Tierversuche in Bochum und ethische Bedenken
    -die Protestmüdigkeit von Studenten und warum das für sie schlecht ist
    – die Autonomen Nationalisten, wo wir viele Fakten geliefert haben UND gleich gezeigt haben, wie man dagegen protestieren kann
    – die Frage, wann es sich lohnt, auch im Ausland zu studieren
    – die Schlichtstellen der TU und was sie bringen

    Also alles Sachen, die wohl kaum mit Yellow Press zu tun haben. Wenn der Asta keine Zeit hat, das Blatt gründlich und regelmäßig zu lesen, ist das ok. Dann können sie sich aber auch nicht Pauschalvorwürfe wie in dem offenen Brief erlauben, sondern eben nur die letzte Ausgabe kritisieren.

    Fazit: Wer meckern will, sollte wissen, worüber er meckert.

  • Florian sagt:

    Ein bischen mehr Selbstreflexion und Kritikfähigkeit hätte der Pflichtlektüre eigentlich ganz gut getan. Wie seht ihr denn selbst eure letzte Ausgabe? Was sind eure Ziele? Glaubt ihr, dass Ihr in den letzten Ausgaben auf die Wünsche der Studierenden eingegangen seid?
    Zudem wäre es doch auch schön, wenn Anzeigen DEUTLICH gekennzeichnet würden. Auch wenn die Schriftart eine andere ist, gehört es zum guten Stil einer journalistischen Publikation, Anzeigen deutlich vom Redaktionellen Teil abzusetzen. Mit einer anderen Schriftart ist das meines Erachtens nicht getan. Das Wort „Anzeige“ sollte zumindest in der Schriftgröße des Fließtextes über dem Artikel stehen.

    Und zu der Frage, „ob es schlechter Journalismus [ist], über Sex zu schreiben“:
    Sicherlich nicht, es gibt eine ganze Menge, was man über Sex schreiben kann und was auch wirklich interessant ist. Aber lest euch mal eure Beiträge durch und vergleicht diese mit durchschnittlichen BILD Artikeln. Mir fallen da viele Parallelen auf!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.