(K)ein Formular für Hits: Interview mit Wax

In diesem Sommer hatte sich ein Ohrwurm in unzählige Gehörgänge eingenistet,  der auf einem Mariachi-Beat eine „freaky little mama“ angehimmelt hat. Wax’s humorvolle Gute-Laune-Nummer „Rosana“ lief überall, egal ob morgens im Autoradio oder abends auf einer beliebigen Fakultätsfeier. Aber wie kommt so ein Hit eigentlich zu Stande? Pflichtlektüre hatte die Gelegenheit, mit Wax über „Rosana“ und seine Zukunftspläne bei seinem Tourstop in Köln zu plaudern.

Mit „Rosana“ hat  Wax in Deutschland als humorvoller Pop-Rapper debütiert. Was viele nicht wissen: Abseits von „Rosana“ ist der Kalifornier ein ernstzunehmender Musiker, der nicht nur zahlreiche Instrumente spielen und dazu mit seinem eigenen, quakigen Charme singen kann, sondern mit pointierten Freestyles auch Köder für wahre Hip-Hop-Heads im Künstlerinventar hat.

Wax bei seinem Auftritt im Kölner Luxor. Fotos: Gordon Wüllner.

Wax bei seinem Auftritt im Kölner Luxor. Fotos: Gordon Wüllner.

Lange vor „Rosana“ hat Wax versucht seine vielseitige Musik einem größeren Publikum bekannt zu machen. Seit 2006 hat er mehrere Alben herausgebracht, die allesamt ein Hybrid aus klassischen Rap-Songs und Gesangsexperimenten darstellten. Mehr als einen gemäßigten Youtube-Hype konnte der heute 33-Jährige allerdings nie für sich beanspruchen. Trotz seiner Mixtur aus Innovation und Massenkompatibilität.

Und so wurde auch der erste Anlauf für Wax’s Durchbruch-Song zu einem Leerlauf: „Rosana“ war bereits auf seinem Mixtape „Eviction Notice“ (kostenloser Download) aus dem Jahr 2011 zu hören. Doch für Hiphop-Hausmache Def Jam Recordings, Wax’s Label zu der Zeit, hatte der Song kein Hit-Potenzial. Die europäischen Ohren waren da anderer Meinung: Zwei Jahre später versuchte Wax es mit „Rosana“ in Europa als Lead-Single für sein aktuelles Independent-Album „Continue„. Eine kluge Entscheidung: Es folgten  27 Millionen Youtube-Klicks und eine Top-10 Chartplatzierung in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und natürlich Deutschland.

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Ob Wax hierzulande nur als One Hit Wonder im popkulturellen Kurzgedächtnis verbleiben wird, muss sich allerdings erst noch herausstellen. Einen Winterhit hat Wax nicht im Petto. Aber der „Rosana“-Hype glüht nach. Und so hatte Wax keine Probleme, gemeinsam mit Poetryslammer und Rapperkollegen Watsky vom 12 bis 22. November sechs deutsche Clubs für seine „Hug a Hater“-Tour voll zu kriegen. Einzig schade dabei: Obwohl Wax nun vielen seiner neugewonnen Interessenten zeigen konnte, dass mehr hinter ihm steckt als anspruchsloser Fun-Rap wie „Rosana“, blieb seine Show in Köln ein beinahe reines Schmonzetten-Fest…

Wax, du hast viele klassische Rap-Songs. Warum hast du heute fast ausschließlich deine poppigen Ohrwurm-Songs wie Rosana oder Toothbrush performt?

Ich glaube nicht, dass das deutsche Publikum so vertraut mit meiner Musik ist. In den USA war ich Headliner auf einer Tour und im Publikum waren viele meiner eingefleischte Fans. Da stand ich nur mit meinem DJ EOM auf der Bühne und habe einfach gerappt. Die Leute gingen wie verrückt ab. Hier in Deutschland funktioniert das aber weniger gut. Sieh dir an, wie schlecht mein Song „Coins“ heute Abend angekommen ist. Da halte ich das Publikum viel eher mit einer Bandperformance und eingängigeren Songs bei der Stange.

Auf deinem aktuellen Album Continue rappst du: I could propably write a number one hit. Hast du es mit Rosana nicht schon geschafft, einen solchen Hit zu schreiben?

In jedem Fall mache ich nie Musik mit der Absicht, einen Hit schreiben zu wollen. Ich mache einfach die Musik, auf die ich Bock habe. Mal habe ich Bock auf einen rauen Rap Song, manchmal eben auf einen Countrysong mit Gitarre. Auch „Rosana“ habe ich nicht fürs Radio geschrieben. Der Song ist mit seiner einfachen Melodie zwar so eingängig wie ein Kinderlied. Gleichzeitig dreht sich der Text aber um ein sexsüchtiges Mädel.  So einen Text schreibt man nicht, wenn man wirklich die Absicht hat, einen Radiohit zu produzieren. Wer mir vorwirft, dass ich mich für die Musikindustrie prostituiere, der soll das ruhig tun. „Rosana“ hat sich einfach so zu einem Hit entwickelt.

Köln war Waxs vorletzte Station. Insgesamt tourte er durch sechs deutsche Städte.

Köln war Waxs vorletzte Station. Insgesamt tourte er durch sechs deutsche Städte.

Du hast Rosana sogar im ZDF-Fernsehgarten performt. Darüber habe ich mich dann doch etwas gewundert, wenn ich an den Songtext denke…

Ich weiß auch gar nicht mehr, wie ich da gelandet bin. Da waren tausend alte Leute und Familien mit kleinen Kindern um mich herum. Ich habe mich gefragt: Was zur Hölle mache ich eigentlich hier? (lacht) Das war wirklich sehr lustig. Aber wenn man ehrlich ist, dann steckt ja auch so etwas Kindliches, Schlagermäßiges in dem Song. So sehr fehl am Platz war ich da also doch nicht.

Von Hollywood zum Fernsehgarten: Du kommst ja aus Los Angeles. Viele Leute in Deutschland nehmen Hollywood ausschließlich als eine Glitzer- und Glamourstadt wahr.

Ach was, Hollywood ist die reinste Müllkippe! Ein stinknormaler Ort mit Obdachlosen und vielen kaputten Seelen. Es ist schon sehr lustig, wenn man in Shows wie „American Idol“ sieht, wie die Teilnehmer rumkreischen, wenn sie endlich nach Hollywood reisen dürfen. Hollywood ist echt nicht so toll, wie man denkt. Aber es hat natürlich auch seine guten Seiten. Das Wetter ist großartig und die Mädels sind wunderschön.

Wenn du wieder zurück in Hollywood bist, wie geht es weiter mit deiner Karriere?

Ich hab große Pläne. Sobald ich zuhause bin, werde ich mich mehrere Monate zum Strand verziehen und nonstop Texte schreiben. Im nächsten Jahr möchte ich zwei Platten herausbringen: Ein experimentelles Solo-Album und ein pures Rap-Album mit meinem DJ und Produzenten EOM. Für mein Solo-Album habe ich schon viele Ideen. Ich möchte, dass es positiver und fröhlicher klingt als mein aktuelles Album. Auf meinem letzten Album war ich sehr deprimiert und habe viel über meine Motivationsprobleme und Misserfolge gerappt. Jetzt fühle ich mich sehr viel besser. Meine Träume sind erreicht! Ich muss mich durch keinen stinknormalen Job quälen und kann durch die ganze Welt touren. Was mehr könnte ich mir wünschen? Vielleicht einen zweiten Hit wie „Rosana“? Das wäre natürlich schön, aber wenn das nicht passiert, dann ist das auch kein Problem.

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