Feuer und Flamme für 2024

Mitten in der Stadt sollen die Spiele stattfinden. Foto: flickr.com/Sarahhoa

Mitten in der Stadt sollen die Spiele stattfinden. Foto: flickr.com/Sarahhoa

Hamburg bewirbt sich für die Olympischen Spiele 2024! Das hat zumindest der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) einstimmig entschieden. Endgültig legt es das Internationale Olympische Komitee (IOC) erst 2017 fest. Vorher liegt es an den Bürgern der Hansestadt selbst. Nutzen die Hamburger endlich die Gelegenheit und lassen Deutschland von Olympischen Spielen im eigenen Land träumen? Zu wünschen wäre es, nachdem München 2012 an einem Bürgerentscheid scheiterte.

Die Elbe, die Alster und die Nähe zur See für die Sportarten auf dem Wasser. Das weite Land rund um die Großstadt für Rad- und Reitsport. Mit all seinen Facetten ist Hamburg mehr als geeignet für die Ausrichtung von Olympischen Sommerspielen. Darum stimme ich mit einem JA für die norddeutsche Stadt.

„Olympia der kurzen Wege“ – damit wirbt Hamburg.  In nur 30 Minuten sollen die Sportler und ihre Zuschauer von der Stadt aus zu allen Austragungsorten gelangen können. Selbst London hat das 2012 nicht geschafft. 1972 bei den letzten Spielen in Deutschland bestritten die Athleten in verschiedenen bayerischen Städten und sogar in Kiel ihre Wettkämpfe. Kurze Entfernungen dort: Fehlanzeige! Das Hamburger Konzept bedeutet eine große Entlastung für die Sportler. Keine aufwendigen Anfahrten, sondern volle Konzentration auf den Sport.

Auch für die Sportfans sehr angenehm: So können sie ihr Lager rund um Hamburg aufschlagen. Gut für den Tourismus der Stadt wäre das allemal. Täglich rund 800.000 Besucher sahen den Diskuswerfern, Dressurreitern und Marathonläufern in London zu. Solch eine Menge an Besuchern unterzubringen und zu bewirten – ein Hoch für sämtliche Hotelbetreiber, Touristeninformationen und Restaurants der Stadt. 

Eine Frage der Sicherheit

Die Tatsache, dass sich alle Sportler, Organisatoren und Funktionäre auf einem Fleck befinden, birgt natürlich auch Gefahren. Gerade zu Zeiten geballter Terrorangst, in der die Sicherheit aller Großereignisse in Frage gestellt wird. Auch die Olympischen Spiele in München, bei denen es zu einer Geiselnahme und Ermordung israelischer Athleten kam, rücken wieder in den Mittelpunkt. Besondere Sicherheitsvorkehrungen sind definitiv zu treffen. Sich davon aber einschüchtern zu lassen, wäre meiner Meinung nach die falsche Reaktion. Denn dann bekämen die Gewaltsuchenden das, was sie wollen: Aufmerksamkeit.

Konkurrenz für die Elbphilharmonie?

Die Kosten – das allseits beliebte Thema bei den Gegnern Olympischer Spiele. Da wird es auch für die Befürworter der Bewerbung schwierig, Gegenargumente für die Kritik zu finden. Fakt ist: Mit Kleingeld ist da wenig zu machen. Allein die Bewerbung kostet 50 Millionen Euro. Im Bewerbungskonzept wird bislang mit etwas über einer Milliarde Euro Ausgaben kalkuliert.

Olympische Stätten als nächste Bauprojekte neben der Elbphilharmonie? Foto: flickr.com/Stadtlichtpunkte

Olympische Stätten als nächste Bauprojekte neben der Elbphilharmonie? Foto: flickr.com/Stadtlichtpunkte

Im Hinterkopf steht dabei immer noch die Elbphilharmonie – das Großbauprojekt, das seit 2007 einfach nicht fertig wird. Daher ist nachhaltiges Planen umso wichtiger. Ein Vorteil: Der Großteil der Sportstätten existiert bereits. So soll beispielsweise das Millerntor-Stadion, in dem der FC St. Pauli seine Heimspiele austrägt, zum Hockey-Stadion umgebaut werden. Oder auch das Tennis-Stadion am Rothenbaum kann nach einer Renovierung und Erweiterung problemlos genutzt werden. Olympiastadion und Athletendorf müssen jedoch neu errichtet werden. Geplant ist die Olympic City mitten in der Stadt, auf dem Eiland gegenüber der Hafencity. Wer jetzt zweifelt und sich fragt, ob nach den Spielen ein ausgestorbenes Olympisches Dorf vorzufinden ist, liegt falsch: Nach den Spielen sollen 3000 bis 4000 Menschen in diesen Wohnungen unterkommen, ein Drittel davon soll sozial gefördert sein. Für mich genau die richtige Antwort für diejenigen, die bemängeln, dass Gelder für nichts und wieder nichts aus dem Fenster geworfen werden.

Natürlich müssen die Stadt Hamburg und das ganze Land tief in die Tasche greifen. Aber dass ein solches Ereignis eine Stadt auch vorantreiben kann, bleibt dabei meist auf der Strecke. Die Infrastruktur zum Beispiel bekommt durch ein solches Ereignis einen Schub. Da soll mir mal ein Hamburger Bürger erzählen, dass er etwas gegen den Ausbau von Straßen oder ein besseres ÖPNV-Netz habe.

Spiele der Völkerverständigung

Mit Fackeln und Kerzen rund um die Alster zeigten Hamburger im Februar ihre Begeisterung für die Spiele. Foto: flickr.com/Kevin Hackert

Mit Fackeln und Kerzen rund um die Alster zeigten Hamburger im Februar ihre Begeisterung für die Spiele. Foto: flickr.com/Kevin Hackert

Investitionen gehören nun einmal zu großen Sportereignissen dazu wie der Matjes aufs Fischbrötchen. Aber da ist es ganz egal, ob die Sommerspiele in Hamburg, Rom oder Boston stattfinden. Deshalb sehe ich vor allem die Vorteile, die Olympische Spiele mit sich bringen. Sie stehen für Völkerverständigung und Frieden. Wenn ukrainische und russische Athleten um Platz eins und zwei auf dem Podium wetteifern und sich bei der Siegerehrung gemeinsam über ihren Erfolg freuen. Wenn afghanische und amerikanische Sportler gemeinsam auf einer Bank sitzen und auf den zweiten Durchgang warten. Wenn Athleten unterschiedlicher Hautfarbe gemeinsam in einer Staffel laufen. Das sind für mich Olympische Spiele. Und wenn eine Stadt wie Hamburg diesen Gedanken repräsentieren kann, steigt auch das Ansehen der Stadt und des gesamten Landes in der Welt, was die Fußball WM 2006 ja zu gut bestätigt hat. 

Nach den wilden Diskussionen um Sotchi 2014 und rund um Katar 2022, täte ein Sportereignis in einem unproblematischen Umfeld auch ganz gut. Deshalb hoffe ich, dass Hamburg in die Runde der Bewerberstädte für die Spiele 2024 kommt. Ganz im Sinne des olympischen Gedankens: Dabei sein ist alles!

Teaserbild: flickr.com/Scorpions and Centaurs

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