Semesterticket in Gefahr

Die 213 000 Studierenden im VRR-Gebiet müssen ab 2015 für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs mehr Geld bezahlen. Grund dafür ist eine Preissteigerung, die heute vom Verwaltungsrat Verkehrsbund Rhein Ruhr (VRR) einstimmig befürwortet wurde.

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Daniel Lucas vom AStA der Uni Duisburg Essen ist gegen die geplante Preiserhöhung. (Fotos und Teaserbild: Annabell Bialas)

Schon im Jahr 2013 hatte der VRR versucht die Preise für das Semesterticket zu erhöhen, so Daniel Lucas, Referent für Hochschulpolitik und politische Bildung der Universität Duisburg-Essen. Der Antrag scheiterte jedoch an den Protestaktionen von rund 250 Studierenden in Duisburg. Auch in diesem Jahr versammelten sich über 50 Studierende aus dem VRR- Gebiet, um auf der Rathausplatte in Essen gegen die angekündigte Preissteigerung zu demonstrieren. Ihr Ziel war es mit Hilfe von Bannern, Flyern und Megaphonen auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen. Asta-Referent Daniel Lucas fasst die Forderungen der Demonstranten zusammen: „Der VRR soll Vertragstreue halten und keine außertariflichen Preiserhöhungen machen.“

Solche außertariflichen Preiserhöhungen versucht der VRR jetzt durchzusetzen. Die Erhöhung soll in den kommenden Jahren bis 2020 gestaffelt eingeführt werden. Das Semesterticket kostet dann ab dem Wintersemester 2015/2016 einmalig zwei Euro mehr. Danach erhöht sich der Ticketpreis jeweils zum Sommersemester um 45 Cent. Auf diese Weise steigt der Ticketpreis bis 2020 um 3,80 Euro. Der jetzige Vertrag soll trotzdem weiterhin bestehen bleiben. Damit kommt zu diesen geplanten Zusatzkosten noch die tariflich vereinbarte jährliche Preiserhöhung von zwei bis drei Prozent hinzu, so der stellvertretende Pressesprecher der VRR Johannes Bachteler.

Die Studierenden protestieren, der VRR wiegelt ab

Die protestierenden Studierenden äußern sich empört über die Preissteigerungen. So auch Jessica Meguin von der Universität Essen: „Ich finde es unmöglich, dass an der falschen Stelle gespart wird. Bildung ist ein freies Gut, dazu zählt auch, dass diese wahrgenommen werden kann.“

Das Semesterticket wird durch das Land NRW finanziell mit acht Millionen Euro jährlich unterstützt, so VRR-Sprecher Bachteler. Aktuell kostet das Ticket die Studierenden monatlich 18,36 Euro. Eindeutig zu wenig, laut VRR. Deswegen hat sich der Verwaltungsrat heute während seiner Sitzung im Essener Rathaus einstimmig für eine Preiserhöhung ausgesprochen. „Das Semesterticket wurde 1992 eingeführt. Seitdem gab es keine außergewöhnlichen Tariferhöhungen. Andere Tickets sind im Gegensatz dazu teurer geworden, woraus eine große Schere zwischen den Preisen entstanden ist. Diese Lücke soll geschlossen werden,“ sagt Johannes Bachteler.

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Bei der VRR-Sitzung im Essener Ratsaal protestierten Studierende mit kreativen Plakaten gegen das teurere Semesterticket.

Weiterhin verdeutlicht Bachteler, dass der VRR beabsichtigt, auch in Zukunft das Semesterticket weiter zu erhalten. Knapp 42 Millionen  Euro Einnahmen nimmt der VRR jährlich durch das Semesterticket ein. Darüber hinaus übernehmen die Studierendenschaften den gesamten Verwaltungsaufwand. Auch die Studierenden profitieren vom günstigen Tarif des Semestertickets. Zum Vergleich: Das YoungTicket, ein Ticket für Azubis, Praktikantinnen und Praktikanten, Volontärinnen und Volontäre, Studierende an Akademien und Hochschulen, kostet in der Preisstufe D monatlich 105,80 Euro.

Über die Zukunft des Semestertickets müssen jetzt die Studierenden in einer Urabstimmung entscheiden, sobald die neuen Verträge vom VRR vorliegen. Werden die Verträge von den Studierenden nicht angenommen, ist es möglich, dass das Semesterticket schon bald nicht mehr existiert.

2 Comments

  • Bettina sagt:

    Der Vergleich mit dem YoungTicket ist unzulässig. Jeder, der es kauft, nutzt es auf der gesamten Strecke. Das Semesterticket nutzt nur ein Bruchteil der Studenten und meistens dann nur auf Teilstrecken. Das sind zwei völlig unterschiedliche Preis- und Nutzungsmodelle. GEZ ist pro Stunde auch viel billiger als ein Kinoticket. Warum wohl?

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