Abbruch statt Abschluss

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Der Wunsch zu studieren ist bei jungen Leuten groß: die Wehrpflicht wurde ausgesetzt und das Studienangebot wird von Jahr zu Jahr erweitert. Das sind Gründe dafür, warum es auch 2015 wieder über eine halbe Million Erstsemester an Deutschen Hochschulen gibt. Ein Überangebot an Akademikern ist aber nicht zu befürchten, denn nur 36 Prozent der Studierenden schließen laut eines OECD-Berichts ihr Studium ab. 

Nach dem Report ”Bildung auf einen Blick” der OECD nehmen 59 Prozent der jungen Menschen in Deutschland ein Studium (oder andere höhere Bildungswege) auf. Davon schließen laut neuem OECD-Bericht aber nur 36 Prozent ihr Studium ab. Dabei stehen die Chancen für Akademiker gut: Mehr als 80 Prozent der Absolventen finden im Anschluss einen Job und verdienen im Schnitt 60 Prozent mehr als Erwerbstätige ohne Hochschulabschluss. 

OECD
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (englisch: Organisation for Economic Co-operation and Development = OECD) vergleicht Mitglieds- und Partnerstaaten in verschiedenen Kategorien. Ursprünglich wurde die OECD 1948 als OEEC gegründet, um den wirtschaftlichen Wiederaufbau und die Zusammenarbeit in Europa und der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufzubauen. Die OECD sieht sich heute als Forum für Regierungen, um Erfahrungen, Probleme und Lösungen auszutauschen und zu erarbeiten. Auch Richtlinien und rechtlich verbindliche Verträge werden im Rahmen der OECD geschlossen. Dabei wird häufig kritisiert, das die Organisation hauptsächlich aus Mitgliedern mit einem hohen Pro-Kopf-Einkommen besteht und zu deren Vorteil Entscheidungen fällt.

In dem Report werden die Bildungssysteme der 34 OECD-Mitgliedstaaten (z.B. Deutschland, Frankreich, Griechenland, USA) und einiger Partnerländer verglichen. Wie viele Menschen studieren? Wie viele von ihnen schließen das Studium ab? Wie stehen die Karriere-Chancen für Akademiker? Wie viel verdienen Akademiker später? Das sind einige der Fragen, mit denen sich die OECD in ihrem Bericht beschäftigt. 

Zu wenig Wohnraum für Uni-Anfänger

Auch wenn nur 36 Prozent der Studierenden ihren Abschluss machen, muss zum Semesterstart genug Wohnraum verfügbar sein. 2,76 Millionen Menschen studieren in Deutschland, davon sind 500.000 ”Erstis” – deutlich mehr als es Wohnungen und Zimmer gibt. Das Deutsche Studentenwerk (DSW) kritisierte in einer Stellungnahme zum Wintersemester die Wohnungssituation stark und forderte ”zusätzlichen, preisgünstigen, staatlich geförderten Wohnraum”. Der Staat komme mit dem Wohnheim-Ausbau nicht ansatzweise dem starken Anstieg der Studierenden-Zahl hinterher. Zum Wintersemester 2015 gab es 50 Prozent mehr ”Erstis” als 2008 – die Zahl der staatlich geförderten Wohnheimplätze sei allerdings nur um fünf Prozent gestiegen.

Da weiterhin 80 Prozent der Studiengänge zum Wintersemester starten, ist auch keine besser Verteilung des Ansturms auf die Wohnheime in Sicht. Laut DSW werden bundesweit mindestens 25.000 neue Wohnheimplätze benötigt (Kosten: nach Schätzungen des DSW 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro). Das angekündigte 120-Millionen-Euro-Programm der Bundesregierung für ”nachhaltige und bezahlbare Wohnprojekte” würde laut DSW nur einen kleinen Teil des Bedarfs decken. 

Keine entspannte Wohnungssuche für ”Erstis” in Sicht 

Nach Berechnungen der Kultusministerkonferenz wird die Zahl der Studierenden und der Erstsemester mindestens bis 2025 konstant hoch bleiben, denn die Zahl der Schulabsolventen bleibt stabil und es kommen immer mehr Studierende aus dem Ausland. 

Auch an der TU Dortmund ist der von der OECD festgestellte Trend zu spüren: Im Wintersemester 2005/2006 waren insgesamt 22.363 Studierende an der TU eingeschrieben. 2014/2015 waren es rund 10.000 Studierende mehr. Seit fünf Jahren hält sich auch die Zahl der ”Erstis” konstant ( rund 5.000). 

Abbrecherquote ist nicht eindeutig zu erheben 

”Keine Antwort können wir zur Zahl der Abbrecher geben, weil es ‘den Abbrecher’ nicht gibt: Beendet ein Studi sein Studium vorzeitig, wechselt an eine andere Uni im selben Fach, setzt er aus, zieht er um, setzt er das Fach an der FH fort, verlässt er die Uni aus privaten Gründen, usw. Es gibt keine Definition und daher auch keine Zahlen. Alle genannten Abbrecherquoten sind frei ‘geschossen’” erklärt Martin Rothenberg, aus der Pressestelle der Uni Dortmund.

Also: Laut OECD lohnt es sich, durchzuhalten. Und wer es doch nicht schafft, keine Panik: Es geht auch ohne Abschluss! 

Beitragsbild: flickr.com/Universität Wien

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