Wissenswert: Reinheitsgebot vs. Bierinnovationen

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In Island wird ab Freitag Bier mit Walhoden-Aroma verkauft. Über Geschmack lässt sich streiten, aber auch in Deutschland gibt es immer mehr Biersorten in außergewöhnlichen Geschmacksrichtungen wie Rhabarber, Quitte, Hibiskus oder Whiskey.

Das Reinheitsgebot ist schon fast 500 Jahre alt: Am 23. April 1516 trat in Bayern unter Herzog Wilhelm IV. eine neue Landesordnung in Kraft. Durch sie sollte das damals übliche Panschen des Bieres, zum Beispiel mit Tollkirschen und Muskatnuss, die zu Halluzinationen führen konnten, verhindert werden. Der Kern der bayrischen Landesordnung ist bis heute gültig, verankert im “Vorläufigen Biergesetz”: Bier darf nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser enthalten. 

Ausländisches Bier in Deutschland muss nicht dem Reinheitsgebot genügen 

Lange Zeit durfte in Deutschland kein ausländisches Bier unter dem Namen “Bier” verkauft werden, wenn es nicht dem deutschen Reinheitsgebot genügte. “Nach einer Klage entschied der europäische Gerichtshof aber, dass das ein Handelshemmnis bezüglich des freien Warenverkehrs war”, erklärt Frank-Jürgen Methner, Professor für Brauwesen an der Technischen Universität Berlin. Obwohl es seit 1993 also erlaubt sei, anderes Bier nach Deutschland zu importieren, würden die meisten europäischen Hersteller trotzdem nur Bier nach Deutschland verkaufen, das dem Reinheitsgebot entspricht. “Denn darauf legen viele deutsche Verbraucher Wert”, sagt Methner.

Die neuen exotischen Biere, die zum Beispiel mit Früchten oder Kräutern gebraut werden, entsprechen nicht dem Reinheitsgebot. Sie dürfen deswegen auch nur als “Biermischgetränk” verkauft werden. Methner sieht in dem neuen Trend zu speziellen Geschmacksrichtungen nicht unbedingt eine negative Entwicklung. Er meint aber: “Diese Brauer haben nicht genug Kreativität, um im Geschmack mit dem zu experimentieren, was nach dem Reinheitsgebot erlaubt ist.” Dafür gebe es viele Möglichkeiten: Man könne verschiedene Formen von Malz, Hopfen und Hefe verwenden – “Das ist ein riesen Spielfeld, was sich da anbietet”, sagt Methner, der an der TU Berlin dazu forscht. Die Realität sehe aber anders aus: So würden zum Beispiel 70 Prozent der Brauereien die gleiche Hefe benutzen. 

Deutsches Bier als Einheitsbier 

Woher der Trend zum außergewöhnlichen Bier kommt? Methner hat eine Vermutung: Das deutsche Bier ist ein Einheitsbier geworden. “Pils zum Beispiel. Das schmeckt von allen Marken ähnlich. Ich glaube, die Leute verspüren wieder mehr Lust auf neue Geschmackserlebnisse”, sagt Methner.

Ob es aber das Walhoden-Bier sein muss? Für Methner nicht: “Tierische Produkte haben im Bier nichts zu suchen.” Er sei zufrieden mit dem, was die herkömmlichen Bier-Zutaten zu bieten hätten. 

 Foto: pixelio.de /www.foto-fine-art.de

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