Die Kultur macht Pause

 

Das berühmte Sommerloch steht vor der Tür. Nicht nur für die Fans der Bundesliga eine nicht enden wollende Durststrecke, auch die Kulturinstitutionen des Landes haben Spielzeitpause. Bis September haben auch die großen Häuser des Ruhrpotts geschlossen. Die Pflichtlektüre hat drei unterschiedliche Akteure des Kulturbetriebes gefragt, wie sie den Sommer erleben.

Bjørn Woll – Freier Musikjournalist

Als freier Musikjournalist ständig unterwegs: Bjørn Woll. Foto: Marcel Heß

Bjørn Woll arbeitet hauptsächlich als freiberuflicher Journalist. Als Moderator, Interviewer oder für Konzerteinführungen ist er häufig das ganze Jahr unterwegs und freut sich jeden Sommer darauf, seine Zeit viel flexibler planen zu können. „Ich bin auch mal froh, dass mir mein Kalender nicht jeden Tag sagt, dass ich woanders sein muss“. Für ihn ist es die perfekte Zeit um zu verreisen und alles außerhalb der klassischen Musik zu genießen. Man lerne die Privilegien dieses Berufes immer wieder aufs Neue zu schätzen. Den ganzen Sommer ausspannen, sei aber trotzdem nicht drin. „Arbeitslos wird man im Sommer nicht, die Art der Arbeit ist nur eine andere“. Es beginnt die Zeit der großen, auch internationalen Festivals, über die berichtet werden will. Doch bis der normale Trubel wieder beginnt, genießt Bjørn Woll die Entschleunigung: „Ich mag den Sommer in meinem Beruf“.

Daniel Hufnagl – Trompeter der Dortmunder Philharmoniker

Daniel Hufnagel in Aktion. Foto: C.Müller-Girod

„Das Salzkammergut nahe dem Attersee, eine Region wo andere Urlaub machen. Dort bin ich aufgewachsen“. Kein Wunder, dass Daniel Hufnagl immer wieder gerne seine Heimat besucht. Als Solotrompeter der Dortmunder Philharmoniker, bleibt ihm dabei während der Spielzeit nicht viel Zeit. In den sechs Wochen Sommerpause warten keine musikalischen Verpflichtungen auf ihn. Nach höchstens zwei Wochen wird Daniel Hufnagl seine Trompete aber wieder in die Hand nehmen müssen, um „am Ball zu bleiben“. Die neue Saison beginnt mit der Oper „Arabella“ von Richard Strauss, bei der unter anderem die 1. Trompete gefordert sei. Zum Glück lässt es sich auch im Salzkammergut vorzüglich üben, so wird Daniel nebenbei auch Zeit zum Wandern, Mountainbiken und leidenschaftlichen Schreinern in der eigenen Holzwerkstatt im Haus seiner Eltern haben.

Markus Tatzig – war Dramaturg am Aalto-Theater Essen

Auf Markus Tatzig wartet nun seine Doktorarbeit. Foto: Markus Tatzig

„Selbstbestimmt Leben und Freiraum haben“. Mit diesen Worten fasst Markus Tatzig seine Sommerpause zusammen. Bis zu dieser Spielzeit war er als Dramaturg am Aalto-Theater in Essen angestellt. In den vergangenen Jahren konnte er meistens die kompletten sechs Wochen, in denen das Theater Spielzeitpause hat, tatsächlich Urlaub machen. Nichts hören und nichts sehen vom Kulturbetrieb. „Freunde treffen, entspannen oder am liebsten direkt in den Urlaub und sechs Wochen lang reisen.“ Diesen Sommer muss Markus Tatzig leider auf das Reisen verzichten. Er sucht eine Wohnung in Berlin, um sich seinem Herzensprojekt, der Doktorarbeit über modernes Musiktheater, zu widmen. Trotzdem möchte er eine Tradition aus früheren Tagen wieder aufnehmen: „Jeden Sonntag mit dem Fahrrad nach Potsdam. Das ist dann mein innerer Urlaub“.

Alternative für das Sommerloch
Wer von Kultur nicht genug bekommen kann, darf sich auf die anstehende Ruhrtriennale freuen. Alle Konzerte gibt es hier. Die neue Spielzeit der Theater- und Konzerthäuser beginnt in der ersten Septemberwoche.

Beitrags- und Titelbild: Samuel Binder-Koehrer/Canva

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.