Warum Lesen im Dunkeln den Augen nicht schadet

Vom Computerspielen bekommt man viereckige Augen – dass diese Aussage nicht stimmt, dürfte uns auch als Kind schon klar gewesen sein. Aber was ist mit dem Mythos, dass Lesen im Dunkeln den Augen schadet?

Alltagsmythos 2:
„Lesen im Dunkeln schadet den Augen.“
Ein Junge liest auf seinem Bett sitzend ein Buch.

Macht er sich gerade seine Augen kaputt? Foto: Stephen Brace/flickr.com

So ein Buch kann ganz schön spannend sein – für Kinder genauso wie für Erwachsene auch. Der Unterschied zwischen beiden ist nur, dass Erwachsene auch abends so lange wach bleiben und lesen dürfen, wie sie wollen – während Kinder ins Bett geschickt werden. Was tun also alle Kinder, die unbedingt erfahren müssen, wie es im nächsten Kapitel weitergeht? Sie schnappen sich eine Taschenlampe und lesen unter der Bettdecke heimlich weiter.

Um ihnen das auszutreiben, erzählen viele Eltern, dass die Augen Schaden nehmen, wenn man im Dunkeln liest. Aber haben sie damit auch Recht? Nein, denn Lesen im Dunkeln hat keinen langfristigen Einfluss auf unser Sehvermögen.

Trotzdem: Kopfschmerzen bekommt man schon, wenn man zu lange im Dunkeln liest. Unsere Augen müssen sich im Dunkeln nämlich deutlich mehr anstrengen, damit sie das, was wir vor uns haben, erkennen können. Bei schlechten Lichtverhältnissen fehlt ihnen Kontrastschärfe, wodurch die sogenannten Stäbchen – im Auge zuständig für das Hell-Dunkel-Sehvermögen – stärker beansprucht werden als bei guter Beleuchtung. Denn wenn Licht auf unsere Netzhaut fällt, wird das Sehpigment Rhodopsin chemisch umgewandelt und ermöglicht uns, auch bei schlechter Beleuchtung noch recht gut zu sehen.

Der Haken dabei ist nur, dass Rhodopsin nicht unbegrenzt zur Verfügung steht und sich außerdem nur dann regenerieren kann, wenn wir unsere Augen geschlossen halten, es darf also kein Licht mehr auf sie fallen. Deswegen wird unser Sehvermögen im Dunkeln tatsächlich immer schwächer, je länger wir unsere Augen am Stück geöffnet haben. Das gilt aber nur begrenzt: Nämlich so lange, bis wir ihnen eine kurze Ruhepause gönnen. Nach einer solchen sind sie wieder voll leistungsfähig.

Rhodopsin benötigt zur Regeneration übrigens Vitamin A. Vitamin-A-Mangel kann bei kleinen Kindern sogar bis zur Erblindung führen, bei Erwachsenen können Nachtblindheit oder Hornhautentzündungen auftreten. Es ist also wichtig, immer darauf zu achten, dass man genug Vitamin A zu sich nimmt – als Erwachsener und als Kind.

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