Für Wahlfreiheit – gegen Bevormundung: Die Jungen Liberalen

Für die Jungen Liberalen steht der Begriff der Freiheit im Vordergrund. In Dortmund gibt es da aus ihrer Sicht noch viel zu tun – zum Beispiel beim Thema Grillverbote. pflichtlektüre-Autor Linus Busch war beim Stammtisch der Jungen Liberalen und hat auch gelernt, warum sie Wolfgang Kubicki so cool finden.

Foto: Junge Liberale

Foto: Junge Liberale

 „Vier Wahlkämpfe in zwei Jahren, das ist ganz schön heftig“, sagt Max Zombek, der stellvertretende Kreisvorsitzende der Jungen Liberalen in Dortmund. Doch der Student aus Witten macht auch klar, dass sich die FDP auch in diesem Wahlkampf auf die Unterstützung ihrer Jugendorganisation verlassen kann. Denn die kämpft aus gutem Grund mit: Immerhin finden sich auf den Plätzen drei bis fünf der Liste für den Rat Jungliberale. Im aktuellen Rat ist die FDP allerdings nur mit zwei Sitzen vertreten und bildet dort zusammen mit der Bürgerliste eine Fraktion. Für den Fraktionsstatus, der deutlich mehr Rechte mit sich bringt, braucht man nämlich mindestens drei Sitze. Ein Grund mehr für die Jungen Liberalen, sich im Wahlkampf richtig reinzuhängen, obwohl sie eigentlich von der FPD unabhängig sind. „Wir haben einen sehr großen Einfluss auf unsere Mutterpartei“, sagt Kreisvorsitzende Susanne Noritzsch, die auf dem dritten Platz der Ratsliste steht. Auch der halbe Kreisvorstand der FDP in Dortmund sei mit jungen Menschen besetzt. „Bei einigen Themen wie zum Beispiel bei der Liberalisierung der Drogenpolitik sind wir innerhalb der Partei auch die Vorreiter“, sagt Max.

Mehr Wahlfreiheit

Für die Dortmunder Kommunalwahl wollen FDP und Junge Liberale die positiv besetzten Aspekte des Liberalismus vertreten. Dafür haben sie das Wahlprogramm nicht nach Inhalten, sondern nach Werten geordnet. Einer dieser Werte ist Freiheit, die sich für Susanne unter anderem in größtmöglicher Wahlfreiheit ausdrückt: „Zum Beispiel sollen Eltern selbst entscheiden können, wie ihre Kinder betreut werden.“

Ein großes Anliegen ist den Jungen Liberalen die Verbesserung der Situation in der Nordstadt. Hier unterstützen sie das „Nordstadt-Konzept“, das die FDP vor einigen Jahren zusammen mit der Bürgerliste erarbeitet hat. „Gerade für Studenten kann man in der Nordstadt noch mehr günstigen Wohnraum schaffen“, sagt Susanne. Um die Nordstadt für Studenten attraktiver zu machen, fordern die Jungen Liberalen, dass sich Institute der Uni dort ansiedeln und dass ein Schnellbus zum Campus eingerichtet wird.

Junge Unternehmen fördern

Ganz unzufrieden mit Dortmund sind die Jungen Liberalen aber nicht: „Uns stören oft auch nur Kleinigkeiten“, sagt Max Zombek. Der Phoenix-See zum Beispiel sei eigentlich toll – „Aber dann kann man da nicht grillen.“ Es gebe in Dortmund einfach kein übergeordnetes Entwicklungskonzept, bemängelt Susanne Noritzsch: „Für Studenten ist Dortmund ganz nett. Aber die Frage ist ja: Bleiben die Leute auch nach ihrem Studium noch hier? Da fehlt es Dortmund noch an Pluralität.“ Ein Beispiel für diesen Mangel an Pluralität ist für Max auch der Umgang mit jungen Unternehmen. Mit Phoenix-West sei ein Standort für solche Unternehmen eigentlich da. „Aber Start-Ups, die nicht zur Hightech-Branche gehören, haben es in Dortmund trotzdem schwer“, so Max.

Wenn gerade mal keine Wahl ansteht, arbeiten die Jungen Liberalen auf Grundlagenseminaren inhaltlich. „Wir machen aber auch eine ganze Reihe weicher Veranstaltungen wie Sommerfeste oder Weihnachtsmarktbesuche“, sagt Susanne. Und wer ist bei den Jungen Liberalen richtig? „Jeder, der willens ist, sein Leben selbst zu gestalten“, sagt Max. „Wir haben auch Hardcore-Veganer unter uns. Da kommt es natürlich mal zu inhaltlichen Reibereien. Aber menschlich gibt es nie Probleme.“

 

Kleine Anfrage an…

Frederik Schafmeister (23), Student Raumplanung in Dortmund

Warum tust du dir das an?
Ich will selbst mitgestalten. Es regt mich immer auf, dass sich ein Großteil der Bevölkerung oft nur beschwert und meckert. Jeder sollte im Rahmen seiner jeweiligen Interessen und Möglichkeiten das gesellschaftliche Leben selbst mitgestalten. Dann hat man auch ein Recht darauf, sich zu beschweren, wenn etwas nicht so läuft. Das kann man in einem freien Land wie Deutschland natürlich auch so tun, aber was ist das bitte für eine Mentalität sich immer nur beschweren zu wollen?

Welches Vorurteil über deine Partei trifft auf dich zu?
Also da wüsste ich jetzt echt nichts. Ich bin nicht aus reichem Elternhaus, ich übernachte nicht bei Mövenpick und meine Eltern sind keine Apotheker oder Ärzte.

Du bist für einen Tag Bundeskanzler: Was ist deine erste Amtshandlung?
Ich würde den Haushalt konsequent entschulden und ein langfristiges Sanierungskonzept erstellen.

Christian Lindner oder Wolfgang Kubicki?
Wolfgang Kubicki. An dem finde ich seine natürliche Art super. So einen braucht man im Parteivorstand, weil er sich durchsetzen kann und auch in der Bevölkerung gut ankommt. Wolfgang Kubicki kann sich in jede Polit- bzw. auch Late-Night-Talkshow setzen, hart angegriffen werden und sich dann aber auch fachlich begründet verteidigen. Philipp Rösler ist fachlich gesehen vielleicht ein guter Politiker, aber der kann nicht mit Stefan Raab debattieren. Zumindest nicht so locker flockig und eloquent wie ein Wolfgang Kubicki.

Rot-Gelb-Grün oder nicht im Bundestag vertreten sein?
Wenn wir nur knapp über fünf Prozent gekommen wären, dann lieber nicht vertreten. Da wäre nur Müll rausgekommen. Mit fünf Prozent ist man der Hampelmann und das bringt ja auch nichts. Sich für eine Koalition verbiegen zu lassen, das war schon mit 14 Prozent mit der Union zusammen unser Problem. Und auch noch mit Parteien zusammenzuarbeiten, mit denen man kaum Schnittmengen hat, das sehe ich sehr kritisch. Dann ist doch letztlich eh keine liberale Handschrift zu erkennen, ob man vertreten ist oder nicht.

Wie findest du Dortmund als Studentenstadt?
Ich finde Dortmund echt cool. Es ist relativ preiswert, es gibt gutes Bier und es hat auf jeden Fall viel Potenzial, aus dem leider zu wenig gemacht wird. Ich finde es auch schade, dass in NRW immer nur Düsseldorf, Köln und Münster so gehypt werden. Das Ruhrgebiet hat genau so viel zu bieten, die Leute wissen es nur nicht.

Was hat Dortmund, was Münster nicht hat?
Einen guten Fußballverein.

Du bist für einen Tag Oberbürgermeister von Dortmund: Was ist deine erste Amtshandlung?
Für junge Leute würde ich die Dortmunder Grünanlagen in ihren Nutzungsmöglichkeiten verbessern. Man sieht im Westpark, wie super das läuft und das wäre eigentlich in fast jedem Park möglich. Man hat viel mehr Möglichkeiten zur Erholung, wenn es nicht ein Verbot nach dem nächsten gibt. Allgemein würde ich zuerst die Schuldenproblematik in den Griff bekommen wollen, anstatt auf Kosten der kommenden Generationen weiter auf Pump zu leben.

BVB oder Theater?
Beides gut. Aus meiner persönlichen Perspektive der BVB. Aber kulturell hat Dortmund auch einiges zu bieten – und der Fußball gehört im weitesten Sinne ja auch dazu.

Nordstadt oder Kreuzviertel?
Auf jeden Fall Nordstadt. Im Kreuzviertel kann man zwar richtig lecker essen gehen. Aber zum Feiern und für Kneipen ist die Nordstadt im Moment die einzige Möglichkeit in Dortmund. Und der Döner da ist natürlich gut.

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