Für sozialen Wohnungsbau – gegen Privatisierungen: Die Jusos

Die Jusos sind eigentlich ganz zufrieden mit Dortmund. Pläne haben sie trotzdem: Zum Beispiel ein Kneipenviertel im Hafen oder dass die Stadtwerke wieder allein von der Stadt getragen werden. pflichtlektüre-Autor Linus Busch hat sich mit dem Nachwuchs der SPD im Westpark getroffen und erfahren, warum man als Juso oft zwischen zwei Stühlen sitzt.

 „Dortmund macht sich“, findet Maximilan Schulz. „In den letzten Jahren hat die Stadt sich positiv entwickelt.“ Dass Maximilian das so sieht, ist aber auch wenig verwunderlich. Er ist Mitglied der SPD, also der Partei, die in Dortmund den Oberbürgermeister stellt. Und er ist Vorsitzender der Dortmunder Jugendorganisation der SPD – der Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD, kurz Jusos. Und zumindest auf kommunaler Ebene sind die Jusos mit ihrer Mutterpartei ziemlich zufrieden. „Bis auf Nuancen liegen wir Jusos hier in Dortmund mit der SPD auf einer Linie“, sagt Maximilian. „In den letzten Jahren hat es in der Partei einen Generationenumbruch gegeben, sodass viele Jusos auch Funktionen in der SPD haben.“ Deswegen sei ein Kreuz für die SPD bei der Kommunalwahl auch ein Kreuz für die Jusos.

Wahlkampf auch bei schlechtem Wetter: Die Jusos Dortmund bei einer Aktion in der Innenstadt. Foto: privat

Wahlkampf auch bei schlechtem Wetter: Die Jusos Dortmund bei einer Aktion in der Innenstadt. Foto: privat

Sozialbau für bezahlbare Mieten

„Wir haben uns zum Beispiel erfolgreich dafür eingesetzt, dass am Phoenix-See auch Sozialbau betrieben wird“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Jusos, Lars Wedekin. So sei das Thema Gentrifizierung, zum Beispiel in Form von explodierenden Mietpreisen, in Dortmund noch kein allzu großes Problem. Ein weiteres Thema von SPD und Jusos sei der Ausbau der Schulsozialarbeit, so Maximilian Schulz. „Dafür haben wir uns in den letzten Jahren besonders stark eingesetzt.“ Gerade im Hinblick auf das Thema Inklusion würden die Sozialarbeiter in den Schulen in den nächsten Jahren sogar noch wichtiger.

Außerdem setzen sich die Jusos gegen Privatisierungen in Dortmund ein, etwa beim Klinikum. „Wir kämpfen dafür, dass das Klinikum auch weiterhin in öffentlicher Hand und damit ein Vollversorger bleibt“, sagt Maximilian. „Ein privater Investor würde unwirtschaftliche Stationen schließen und dann müsste man sich für immer mehr Operationen ein anderes Krankenhaus in einer anderen Stadt suchen.“ Das gleiche gelte für die Stadtwerke: „Hier sind wir für eine Rekommunalisierung, damit die Stadtwerke ein richtiger Grundversorger für die Stadt sind“, sagt Lars Wedekin. „Der Begriff vom starken Staat ist zwar oft negativ konnotiert“, gibt Maximilian Schulz zu. „Aber auf solchen Gebieten achten Private einfach eher auf ihren eigenen Profit, weshalb wir uns für die Stadt als Träger einsetzen.“

Kneipen für den Hafen

Das Logo der Jusos. Foto: Jusos

Das Logo der Jusos. Foto: Jusos

Ein weiteres Thema der Jusos ist die Jugendkultur und das Nachtleben. Dafür haben sie sogar einen eigenen Arbeitskreis eingerichtet. „Wir möchten für die Speicherstraße im Hafen ein Konzept entwickeln, sodass sich dort Bars und Clubs ansiedeln“, sagt Lars Wedekin. „Das Feedback, das wir von der Wirtschaftsförderung bekommen, ist durchaus positiv. Bis dahin war es aber auch ein langer Weg.“

Lars ist im Vorstand der Jusos für genau diesen Arbeitskreis Nachtleben und Kultur zuständig. Auch die anderen Vorstandsmitglieder haben ihr ein eigenes Themengebiet, zu dem sie inhaltlich arbeiten und Veranstaltungen anbieten. Zu den weiteren Themen zählen unter anderem der Kampf gegen Rechts oder der Arbeitskreis Tellerrand für Themen abseits der Politik. „Da ist in nächster Zeit zum Beispiel ein Besuch der Synagoge geplant“, erzählt Lars. Und auch über die Vernetzung mit anderen Jusos in Deutschland läuft viel – in diesem Sommer etwa ein Zeltlager in Malta. „Es ist immer eine Mischung“, sagt Maximilian Schulz. „Auf der einen Seite will man politisch debattieren und das ist dann oft trocken. Aber Juso zu sein soll natürlich auch Spaß machen.“

 

Kleine Anfrage an…

Maximilian Schulz (24), Student Wirtschaftswissenschaften in Dortmund

Maximilian Schulz ist in Dortmund am liebsten im Westpark - im Sommer natürlich zum Grillen. Foto: Linus Busch

Maximilian Schulz ist in Dortmund am liebsten im Westpark – im Sommer natürlich zum Grillen. Foto: Linus Busch

Warum tust du dir das an?
Wenn ich so in die Welt gucke, gibt es Dinge, die meiner Meinung nach nicht richtig sind oder verbessert werden müssen. Ich will nicht faul zu Hause rumsitzen, sondern auch selber dafür sorgen, dass diese Sachen sich ändern.

Welches Vorurteil über die SPD trifft auf dich zu?
Zwischen zwei Stühlen zu sitzen. Als SPDler bekommt man zum Beispiel von linker Seite immer die Kritik zu hören, man würde sich nicht genug im Kampf gegen Rechts engagieren. Und von der CDU oder der Jungen Union hört man, dass man ein linker Spinner ist. Also man sitzt man da immer zwischen den Stühlen, links zu sein, aber dann doch nicht so links, wie das andere gerne hätten. Ich glaube, das trifft auch auf mich zu. Um mal beim Kampf gegen Rechts zu bleiben: Ich finde das Thema sehr wichtig und bin auch dabei, wenn gegen Nazis demonstriert wird. Aber bei der genauen Form der Demonstration gibt es sicher zum Beispiel bei der Linksjugend Leute, die anderer Meinung sind als ich.

Du bist für einen Tag Bundeskanzler: Was ist deine erste Amtshandlung?
Ich würde die Steuern für Besserverdienende erhöhen. Und da rede ich wirklich von Besserverdienenden, also ab 150.000 Euro im Jahr. Ich würde einen Spitzensteuersatz einführen und dafür sorgen, dass Finanztransaktionen und auch Kapitaleinkünfte vernünftig besteuert werden. Damit könnte man dann all das finanzieren, was man gerne haben möchte – also zum Beispiel gute Bildung oder eine gute Infrastruktur. Ich glaube auch, dass es den sehr gut Verdienenden in diesem Land nicht wirklich weh tut, wenn sie noch ein bisschen mehr abgeben.

Sigmar Gabriel oder Hannelore Kraft?
Hannelore Kraft. Das ist eine ziemlich einfache Frage.

Schwarz-Rot oder Rot-Rot-Grün?
Rot-Rot-Grün. Die Jusos sind noch mal ein ganzes Stück linker als die SPD. Im Koalitionsvertrag mit der CDU stehen zum Beispiel keine Steuererhöhungen. Das wäre mit Rot-Rot-Grün nicht passiert. Wir haben in Deutschland eine große Ungerechtigkeit haben, was die Einkommensverteilung angeht und ich bin der Meinung, dass die sehr Reichen in diesem Land mehr abgeben müssen, damit alle davon profitieren können. Und das ist mit der CDU leider nicht zu machen. Die zielt gerne darauf ab, ihre Klientel, zu der ja eher die Wohlhabenden gehören, zu schützen.

Wie findest du Dortmund als Studentenstadt?
Ich finde Dortmund als Studentenstadt gut, aber an einigen Ecken noch ausbaufähig. Ich finde, man hat durchaus die Möglichkeit, abends wegzugehen. Es gibt auch eine Uni-Vielfalt, man kann ja zum Beispiel in Dortmund, Bochum oder Duisburg/Essen studieren. Aber ich würde mir einfach noch mehr wünschen: einen besseren ÖPNV und mehr Freizeitmöglichkeiten. Ich finde die Sichtweise „Hauptsache die Uni funktioniert und die Person findet danach einen Job“ zu kurzsichtig. Natürlich ist es für alle wichtig, dass sie nach dem Studium einen Job bekommen, aber das ist nicht der einzige Standortfaktor. Man muss sich in der Stadt auch wohlfühlen. Da hat Dortmund schon viel gemacht, aber da geht noch deutlich mehr.

Was hat Dortmund, was Münster nicht hat?
Diesen Ruhrpott-Charme. Für mich war der auch neu, da ich zugezogen bin. Aber ich habe den in meiner Zeit hier sehr zu schätzen gelernt. Man kann einfach frei Schnauze ehrlich sagen, was man denkt. Das hilft sicherlich auch in einigen Debatten, dass da mal ehrlich die Meinung gesagt wird. Dieses Selbstverständnis des Ruhrpotts mit seiner Geschichte prägt einfach diese Stadt und diese Region. Das macht sie einzigartig und das kann Münster nicht vorweisen. Und Dortmund hat natürlich den BVB. Also eine Mannschaft, die gut Fußball spielt.

Du bist für einen Tag Oberbürgermeister von Dortmund: Was ist deine erste Amtshandlung?
Ich würde mich weiter für Rekommunalisierung stark machen und zum Beispiel versuchen, RWE aus den städtischen Töchtern rauszudrängen. Ich würde noch mehr dafür sorgen, dass Jugendprojekte gefördert werden. Und ich würde aktiv im Kampf gegen Rechts sein, was aber der jetzige OB auch sehr gut macht.

BVB oder Theater?
BVB.

Kreuzviertel oder Nordstadt?
Kreuzviertel.

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