Duell am Donnerstag – Tattoo: Ja oder nein?

Für viele sind sie ein Objekt der Begierde, andere finden sie geschmacklos: Tattoos. Ist das kunstvoller Körperschmuck und eine besonders persönliche Erinnerung – oder doch nur ein Trend, den man nachher bereut und der außerdem gesundheitliche Folgen birgt? Während Lilian Fiala mehrere Tattoos hat und diese nicht mehr missen möchte, lässt Carolin Rau ihre Haut lieber so, wie sie ist. 

 

Gesundheitliche Probleme und optische Entstellung? Nein danke,

findet Carolin Rau.

Ich trage keine Tattoos – und das wird auch in Zukunft so bleiben. Denn ein Tattoo bedeutet für mich, meinem Körper ein großes gesundheitliches Risiko zuzumuten. Eine Tattoowierung heißt, seine Haut zu verletzen. Laut einer Studie der Fachzeitschrift Contact Dermatitis haben zehn Prozent danach merkliche Hautreaktionen. Bei mehr als der Hälfte bleiben die Symptome über viele Jahre oder sogar dauerhaft bestehen. Und die sind alles andere als angenehm: Betroffene leiden unter Schwellungen, Knoten unter der Haut, Allergien und chronischen Infektionen. Wer schön sein will, hat also in puncto Tattoo länger etwas von seinem Leid. Darauf kann ich gerne verzichten. Laut einer Studie der New York University aus dem Jahr 2013 erkranken Tätowierte außerdem häufiger an Hepatitis C – eine Krankheit, die zu schweren Leberverletzungen führt. Ein ziemlich hoher Preis dafür, ein Bild auf der eigenen Haut zu tragen.

Dazu kommt, dass die Wenigsten dieser zur Schau gestellten Privatbilder wirklich individuell sind. Liege ich im Sommer im Freibad oder am See, bewundere ich immer wieder die Hirschgeweihe, die sich über dem Allerwertesten vieler Frauen emporheben. Schön ist etwas Anderes. Was in den 1990er Jahren das sogenannten Arschgeweih war, sind heute zum Beispiel Weltkarte oder das Unendlichkeitszeichen. Wenig Individualität, viel Trend – nur, dass man das Tattoo nicht einfach ausziehen kann wie ein Kleidungsstück, das plötzlich nicht mehr „in“ ist. Jeder Dritte bereut laut einer britischen Studie des Royal Blackburn Hospital den Schritt zum Tattoo.

Abseits von persönlichen Vorlieben sind Tattoo und Traumjob häufig ein Widerspruch. Mittlerweile sind Arbeitgeber in vielen zwar Berufen toleranter, was Tattoos angeht. In Branchen, in denen der potenzielle Arbeitnehmer aber zum Beispiel Kundenkontakt hat, ist ein Tattoo oft ein Argument gegen ihn.

Ein Tattoo, das bleibt ein Leben lang. Auch im Alter, wenn sich die Haut verändert. Selbst dann, wenn der Tätowierte das Motiv an sich noch leiden mag – durch das Altern der Haut verändert sich auch ein Tattoo und macht es nicht schöner. Da hilft dann nur noch Weglasern, was allerdings teuer ist: Das Entfernen eines mittelgroßen Tattoos kostet laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung rund 1000 Euro. Ganz entfernen lässt sich das Tattoo aber nicht. Es bleiben Farbreste zurück und auch Stechnarben können wieder sichtbar werden. Von den Schmerzen der Laser-Prozedur ganz zu schweigen.

Sowohl das Stechen als auch das Entfernen eines Tattoos kostet viel Geld. Hohe Kosten, Schmerzen, lebenslange Entstellung und gesundheitliche Probleme für ein Tattoo. Das muss nicht sein. 

 

Meine Tattoos sind mein schönstes Accessoire, 

findet Lilian Fiala.

Auf meinem Rücken prangt ein kunstvoll gestochener Globus. Die Innenseite meines rechten Oberarms ziert ein Ornament aus Symbolen der Maori-Kultur, den Ureinwohnern Neuseelands. Auf meinem linken, oberen Rippenbogen stehen drei Worte, die für mich sehr viel bedeuten. Das sind meine Tattoos. Jedes einzelne hat eine spezielle, sehr persönliche Bedeutung und erinnert mich an eine bestimmte Zeit in meinem Leben. Gleichzeitig stehen sie auch für meine Zukunft und halten mir jeden Tag meine Ziele und Stärken vor Augen.

Natürlich, sie sind auch schön anzusehen. Aber der ästhetische Wert ist bei weitem nicht das Wichtigste. Deswegen ist für mich das Argument „Irgendwann findest du die bestimmt hässlich“ totaler Nonsense. Denn die Bedeutung und die Momente die ich mit ihnen verbinde, bleiben gleich. „Wenn du alt bist, sieht das sicher schrecklich aus“ – dazu kann ich nur sagen: Alte Haut sieht auch ohne Tattoo kacke aus.

Meine Mutter hat Angst, dass ich Probleme im Job bekommen könnte. Leider ist es wahr, dass Tattoos in bestimmten Berufen zu Problemen führen können. Das eigentliche Problem sind aber nicht die Bilder auf der Haut, sondern die engstirnige Denkweise und die vielen Vorurteile gegenüber dieser Körperkunst. Nur ich entscheide, was ich mit meinem Körper mache, nicht die Sichtweise von Fremden. Das muss langsam mal in der Gesellschaft ankommen. Zum Glück zeigen sich da seit einigen Jahren immer mehr Fortschritte.

Die Kraft von Tattoos sollte man nicht unterschätzen: Sie können Narben verdecken, an geliebte Menschen erinnern, einem Halt geben. Sie sind eine der schönsten Formen der Selbstverwirklichung. Ganz ehrlich: Wie cool ist es bitte, dass man sich seine Lieblingsmotive für immer unter die Haut stechen lassen kann?

Natürlich sollte man vorsichtig sein. Wer sich ein Tattoo stechen lassen will, muss wissen, dass die Tinte, die heutzutage von seriösen Tätowierern genutzt wird, absolut ungefährlich ist. Aber vor allem im asiatischen Raum, wo sich viele Touristen spontan tätowieren lassen, wird häufig noch mit giftiger Tinte gestochen. Daher: Augen auf bei der Studio-Wahl! Und es ist wichtig, sich über das Motiv im Klaren zu sein. Ein guter Tätowierer zeichnet seine Werke immer selbst und ist nicht sauer, wenn ihr ihn zum fünften Mal ein Detail ändern lasst. Lasst euch nichts aufschwatzen, mit dem ihr nicht wirklich zufrieden seid!

Und – nicht jedes Tattoo muss eine tiefe Bedeutung haben. Solange ihr es wirklich wollt, sollte euch nichts und niemand davon abhalten. Nehmt ein bisschen Geld in die Hand und schafft euch ein Andenken, das ein ganzes Leben lang hält.

 

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Foto: stockxchng/bizior, S. Hofschlaeger/pixelio.de, Montage: Brinkmann/Schweigmann 
Teaserfoto: Lilian Fiala

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