Wissenswert: Was ist Farbenblindheit?

Dortmund. Unsere Welt ist bunt: Der Himmel ist blau, die Sonne scheint gelb und das TU-Zeichen ist grün. Eine Welt ohne Farben? Für die meisten von uns nur schwer vorstellbar. Für ein paar Menschen ist dieses Szenario aber Realität: Sie sind komplett farbenblind.

Menschen, die überhaupt keine Farben wahrnehmen können, leiden an einer sogenannten Achromasie. „Sie sehen nur schwarz und weiß. Das habe ich persönlich aber bis jetzt noch bei niemandem erlebt“, sagt Georgios Sianas, Augenoptikermeister aus Waltrop. Kein Wunder: nur jeder 100 000. Mensch sieht keine Farben.

Der Signal Iduna Park in schwarzweiß. Menschen, die an einer Achromasie leiden, sehen das Dortmunder Wahrzeichen immer so Foto: pixelio.de / Dieter Schütz

Das Dortmunder Fußballstadion in schwarzweiß. Menschen, die an einer Achromasie leiden, sehen das Wahrzeichen immer so. Foto: pixelio.de / Dieter Schütz. Teaserfoto: „Ishihara 1“/ Wikimedia Commons

Weitaus häufiger als komplette Farbenblindheit kommen sogenannte Dichromasien vor: Für die Betroffenen ist es schwer, zwei bestimmte Farben auseinander zu halten. Die häufigste und bekannteste Form ist die Rot-Grün-Schwäche. „Und da eigentliche alle Farben aus den drei Hauptkomponenten Rot, Grün oder Blau bestehen, ist bei diesen Leuten das gesamte Farbspektrum nicht ideal“, sagt Sianas. 

Männer sind öfter betroffen

Männer haben fünf mal öfter eine Rot-Grün-Schwäche als Frauen. Das liegt daran, dass die Farbsehstörung auf dem X-Chromosom vererbt wird. Da Frauen noch ein weiteres X-Chromosom haben, können sie die Schwäche häufig kompensieren. Männer hingegen haben nur ein X-Chromosom, deswegen tritt die Störung bei ihnen öfter auf. 

„Aber nicht jede Farbsehstörung ist angeboren. Sie können auch durch eine Schädigung von Zellen in der Netzhaut erworben werden“, erklärt Sianas. Das passiere zum Beispiel durch die Sonne oder Verletzungen im Auge.

In der Netzhaut gibt es zwei verschiedene Arten von Zellen: Die Stäbchen, die für das Nachtsehen verantwortlich sind, und die Zapfen für das Tagessehen. „Die Zapfen sorgen also auch für das Farbensehen, denn Nachts kann man ja sowieso nur zwischen hell und dunkel unterscheiden“, sagt Georgios Sianas. Es gibt drei verschiedene Zapfen-Typen: Den S-Typ (die Blau-Rezeptoren), den M-Typ (die Grün-Rezeptoren) und den L-Typ (die Rot-Rezeptoren). „Welche Zapfen-Typen betroffen sind, entscheidet also, welche Form der Farbsehstörung vorliegt. Bei einer Rot-Grün-Schwäche sind die M- und L-Typen beschädigt.“ 

Der Augenoptiker Georgios Sianas arbeitet zur Diagnose mit Farbtafeln Foto: Stefanie Luthe

Der Augenoptiker Georgios Sianas arbeitet zur Diagnose mit Farbtafeln. Foto: Stefanie Luthe

Farbsehstörungen können mit Farbtafeln diagnostiziert werden, auf denen aus verschiedenen Farbpunkten zusammengesetzte Ziffern gezeichnet sind. Auch der Hintergrund besteht aus Farbflecken. „Es wird getestet, ob der Patient die Zahlen erkennen kann oder nicht. Je nachdem welche Farben auf der Tafel kombiniert sind, weiß man, welche Form der Farbsehstörung vorhanden ist“, sagt Augenoptioker Sianas.

Die meisten Farbenblinden haben durch ihre Sehschwäche im Alltag keine großen Probleme. Damit sie zum Beispiel uneingeschränkt am Straßenverkehr teilnehmen können, ist das rote Signal  bei allen Ampeln oben. Allerdings dürfen Betroffene manchmal bestimmte Berufe nicht ausüben: Menschen mit Rot-Grün-Schwäche können zum Beispiel in der Regel nicht Pilot, Polizist oder Busfahrer werden. 

Farbenblindheit ist nicht heilbar

Farbenblindheit zu heilen ist nicht möglich. „Es gibt zwar Kantenfiltergläser, die ein spezielles Licht rausfiltern und so den Kontrast steigern“, erklärt Georgias Sianas. „Aber Farbensehen wird dadurch immer noch nicht möglich.“

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