Studienfinanzierung: Sorglos zum Abschluss – nur wie?

Möglichkeiten, sich das Studium zu finanzieren, gibt es viele: irgendwie über die Runden kommen, mit Bafög, durch einen oder mehrere Nebenjobs oder durch die Hilfe von Mama und Papa. Vor allem, bei wem es finanziell nicht so prickelnd aussieht, hat vor oder während des Studiums einiges zu regeln. Die besten Tipps und Empfehlungen zum Studienbeginn und danach.

Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks erhalten 87 Prozent der Studierenden Unterhalt von ihren Eltern und vier Prozent ein Stipendium. Fünf Prozent der Studierenden entscheiden sich dafür, einen Studienkredit aufzunehmen, während 32 Prozent nach den Regelungen des Bafög unterstützt werden. 63 Prozent verdienen sich mit einem Nebenjob etwas dazu. Die verschiedenen Möglichkeiten der Studienfinanzierung im Überblick:

-Bafög: Das Bundesausbildungsförderungsgesetz spielt für etwa ein Viertel der Studierenden bei der Finanzierung ihres Studiums die entscheidende Rolle. Wenn die Eltern oder Ehegatten/Lebenspartner wegen ihres geringen Einkommens nicht in der Lage sind, den Unterhalt der Studierenden zu finanzieren, unterstützt der Staat (Bund und Länder) die Betroffenen mit einer Ausbildungsförderung. Derzeit haben die Antragsteller einen Anspruch auf höchstens 670 Euro pro Monat. Zum Wintersemester 2016/2017 ist eine Erhöhung dieses Betrags auf monatlich 735 Euro gesetzlich beschlossen – im August 2014 hat die Bundesregierung die entsprechende Reform verabschiedet.

-Eltern: Auch bei volljährigen Kindern sind die Eltern gesetzlich dazu verpflichtet, die Kosten für die Ausbildung ihrer Nachkömmlinge bis zu einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss zu tragen. So müssen die Eltern in der Regel bis zum Ende des Studiums für den Unterhalt der Kinder sorgen.

-Eigener Verdienst: Fast zwei Drittel aller Studierenden jobben neben dem Studium. Rund die Hälfte von ihnen benötigt diesen Verdienst, um den Lebensunterhalt finanzieren zu können.

-Sonstige Finanzierungsquellen: Wer ein Stipendium bekommt, kann sich glücklich schätzen – denn auch hier bekommt man als Studierender in der Regel eine monatliche Unterstützung. Andere Quellen können Darlehen oder Kredite sowie Zuwendungen der Großeltern oder anderer Verwandter sein.

Aufs Studium vorbereiten

Nicolai Preuße, Leiter des Referats Studienfinanzierung und bildungspolitische Fragen beim Deutschen Studentenwerk, berät Studierende, was zu tun ist, um am Studienbeginn nicht hilflos dazustehen und nicht zu wissen, wie man finanziell sorgenfrei durchs Studium kommen soll. Um solche Probleme und Notlagen zu vermeiden, empfiehlt Preuße, sich vor Studienantritt umfassend zu informieren und beraten zu lassen, wie das Studium finanziell gestaltet werden soll.

„Studierende haben häufig das Problem, dass die Studienorganisation auf der Strecke bleibt“, sagt Preuße. „Meine Empfehlung ist, dass man sich als angehender Student nicht nur überlegt, was und wo man studiert, sondern auch wie.“ Man müsse sich auf das Studium vorbereiten und ein Konzept erstellen. Dann komme es auch nicht zur Krise. Und er macht deutlich, dass man sich als Student auf mindestens 30 Stunden Zeitaufwand pro Wochen einstellen müsse. „Wenn ich da vorher keinen Plan habe, ist es verschenkte Zeit“, sagt Preuße. Der Leiter des Referats Studienfinanzierung und bildungspolitische Fragen beobachtet nach eigenen Angaben, dass es viele Studierende gebe, die relativ naiv an ihr Studium rangehen.

Nicolai Preuße stellt klar, dass die Uni nicht zu den Studierenden komme – sie müssten zur Uni kommen. „Die Uni gibt ihnen das nötige Wissen mit und hilft. Aber die Studenten müssen lernen, Eigenverantwortung zu tragen“, betont er. Nach dem Abitur sei nichts mehr vorgegeben. Da fielen viele in ein Loch. Der Referatsleiter stellt zudem heraus, dass für die Studierenden die Gefahr bestehe, in einen Teufelskreis zu verfallen, wenn sie jobben und jobben und gleichzeitig nicht mehr zum Studieren kämen.

Die pflichtlektüre hat bei Studierenden der TU Dortmund gefragt, wie sie ihr Studium finanzieren.

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Anna Emeeiyanova, 26, Angewandte Sprachwissenschaften, Neuntes Semester: „Früher, während der Regelstudienzeit, habe ich Bafög bekommen und jetzt arbeite ich freiberuflich als Lehrkraft an einer Privatschule. Damit finanziere ich mir komplett das Studium.“

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Robert Tusch, 18, Wirtschaftspolitischer Journalismus, Erstes Semester: „Ich bekomme auch ein bisschen Geld von meinen Eltern – vor allem für die Miete. Dann arbeite ich nebenbei als freier Online-Journalist für zwei verschiedene Unternehmen. Und ich habe noch ein Stipendium zur Finanzierung des Studiums beantragt. Da warte ich noch auf die Antwort.“

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Dadayeva Laman, 23, Chemie, Siebtes Semester: „Ich bin ausländische Studentin und habe ein Stipendium vom Bildungsministerium in meinem Heimatland Aserbaidschan bekommen. Weil ich ein Jahr länger als vorgesehen studiere, finanziere ich mich jetzt selbst, beziehungsweise durch meine Eltern. Demnächst werde ich mir einen Nebenjob suchen.“


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Lucas Tenberg, 19 Jahre, Wirtschaftspolitischer Journalismus, Erstes Semester: „Natürlich habe ich meine Eltern, die zahlen. Zusätzlich arbeite ich in Köln bei einem Magazin. Im Moment kommen in Köln ja viele Flüchtlinge an. Dort betreue ich minderjährige Unbegleitete mit. Dadurch verdiene ich mir nebenbei auch noch etwas dazu. Bis Ende des Jahres arbeite ich auch noch an der textlichen Ausarbeitung einer Homepage mit.“

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Alina Pongracz, 20, Mathe und Psychologie auf Lehramt für Gymnasium und Gesamtschule, Erstes Semester: „Noch wohne ich zuhause. Ich will aber in den kommenden Monaten nach Dortmund ziehen und dann würde ich von Bafög und Kindergeld leben und nebenbei vielleicht noch jobben.“

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Christopher Bertram, 25, Elektro- und Informationstechnik, Elftes Semester: „Ich bekomme ein bisschen Bafög und zusätzlich arbeite ich an einem Lehrstuhl als wissenschaftliche Hilfskraft.“

Fotos: Maike Stutenbäumer
Teaserbild: I-vista  / pixelio.de

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