Aufnahme-Stopp: Flüchtlingsheim in Hacheney überfüllt

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Die Situation in der Dortmunder Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber gleicht dieser Tage ein ständigen Auf und Ab. Ein am Montag verhängter Aufnahmestopp wurde bereits am Dienstagmittag wieder aufgehoben. Eine dauerhafte Lösung ist nach wie vor nicht in Sicht.

Die ohnehin schon kritische Situation der Dortmunder Flüchtlinge hat sich noch einmal verschärft. Nachdem ein Aufnahmestopp in der vergangenen Woche noch abgewendet werden konnte, ging am Montagabend nichts mehr: 350 zur Verfügung stehende Plätze in der Aufnahmestelle in Hacheney reichten längst nicht mehr aus. Die Stadt kalkulierte, dass sich in der Nacht zum Dienstag mehr als 700 Flüchtlinge in und an der Erstaufnahmestelle aufhalten könnten.

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Die Erstaufnahmeeinrichtung an einem ruhigen Tag. Am Montagabend war die Unterkunft überfüllt. Foto: blu-news.org/flickr.com

Eindeutig zu viel, der ausgearbeitete Notfallplan wurde umgesetzt. Aufnahmestopp! In Dortmund ankommenden Flüchtlingen wurde geraten, in Richtung anderer Anlaufstellen weiterzureisen. „Das ist natürlich überhaupt nicht in unserem Sinne, wenn wir Leute in Not nicht hereinlassen können“, berichtete Michael Meinders von der Stadt Dortmund über die Zustände am Montagabend.

Dabei ist die Erstaufnahmeeinrichtung in der Glückaufsegenstraße eigentlich nur als Durchreisestation für Asylbewerber vorgesehen. Dort findet lediglich eine Registrierung der Asylbewerber statt, die anschließend mit einem Dokument ausgestattet an die zentralen Unterkünfte im näheren Umkreis weiter vermittelt werden.

Kettenreaktion durch Krankheitswelle

Weil die Kapazitäten der Anschlussunterkünfte derzeit aber ebenfalls an ihre Grenzen und weit darüber hinaus stoßen, kommt es zum „Stau“ in Hacheney. Gleich neun Heime für Asylbewerber standen und stehen zum Teil noch immer wegen ausgebrochener Krankheitswellen unter Quarantäne. Dass die „Durchgangsstation“ für mehrere Tage zur Übergangslösung wird, ist deshalb derzeit keine Seltenheit mehr.

Ursprünglich sollte der Stopp bis Mittwochmittag gelten, wurde aber schon am Dienstagmorgen wieder aufgehoben. „Um Mitternacht hatten wir nur noch 368 Flüchtlinge unterzubringen. Eine solche Zahl ist für uns händelbar“, sagte Meinders. Möglich wurde das durch kurzfristige Hilfe: Noch am Montagabend nahm die Stadt Hamm 300 in Dortmund gestrandete Flüchtlinge in einer umgebauten Maschinenhalle auf.

Keine Lösung in Sicht

Doch auch das ist nicht mehr als eine provisorische Übergangslösung. Noch in diesem Sommer sollen die Hammer „Cromwell-Barracks“ umgebaut werden und ab August Platz für 850 Flüchtlinge bieten. Bereits von 1991 bis 1999 wurden die ehemaligen Kasernen des Britischen Militärs vom Land NRW als Unterkunft für Asylbewerber genutzt.  

Eine dauerhafte Lösung ist trotzdem noch nicht in Sicht – im Gegenteil. Nach Aussage von Michael Meinders können kurzfristig keine weiteren Wohnraum-Kapazitäten in Dortmund geschaffen werden. Weitere Eingriffe an der Aufnahmestelle sind wohl nur eine Frage der Zeit. „Wir hangeln uns von Tag zu Tag. Morgen kann die Situation schon wieder eine andere sein, wenn übermäßig viele neue Flüchtlinge bei uns ankommen. Das bleibt trotz Prognosen unkalkulierbar.“

Druck auf Land NRW wächst

Der Aufnahmestopp und die weiter drohenden Probleme erhöhen den Druck auf das Land Nordrhein-Westfalen. Michael Meinders spielte den Ball indirekt nach Düsseldorf: „Es muss sich etwas tun. Der Bedarf ist derzeit nicht gedeckt. Unsere Entscheidung für den Aufnahme-Stopp sollte aber keinen Druck auf das Land ausüben. Uns ging es dabei um die Sicherheit der Flüchtlinge.“

Ähnlich angespannt wie in Dortmund ist die Lage auch in der Erstaufnahmestelle Bielefeld. Ankommende Flüchtlinge mussten hier zum Beispiel in notdürftig bereitgestellten Turnhallen in Ostwestfalen weiterverteilt werden. Auch die zum 1. Juli neu eingerichtete Anlaufstelle in Unna war ebenfalls innerhalb kürzester Zeit überfüllt.

Teaserfoto: Andrea Linss/flickr.com

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