Duell am Donnerstag: Geht Grillen nur mit Fleisch?

DAS-DUELL-Bernhard-AnjoulihGrillen gehört zum Sommer wie Schneemann bauen zum Winter. Aber muss es immer Fleisch sein? Unsere Autoren Anjoulih Pawelka und Bernhard Klouth streiten darüber, ob Gemüse auch seine Berechtigung auf dem Grill hat. Dabei wird die Debatte um die Speisekarte zum Geschlechterkampf… Und wie war das noch mal mit den Jägern und Sammlern? Unser Duell am Donnerstag.

Fleisch gehört dazu!

Wohl kaum etwas weckt die Lust am Sommer mehr als ein zünftiges Grillfest im Kreise von Freunden, im Stadtpark, oder auf dem heimischen Balkon. Schnell im Supermarkt – oder besser noch bei der Metzgerei um die Ecke – ein gut marmoriertes Hüftsteak und ein halbes Duzend Grillwürstchen besorgt, dann steht dem krönenden Abschluss des Sommertages nichts mehr im Wege.

Denkste! Denn kaum habe ich am Grillplatz die Meisterwerke deutschen Fleischerhandwerks ausgepackt, trifft mich Verachtung – meist weiblich und mit schneidender Stimme: „Es muss doch nicht immer Fleisch sein“. Der Virus des Vegetarismus greift um sich und hat bereits Teile meines Freundeskreises angesteckt. Besonders anfällig scheinen Frauen zu sein.

„Wir grillen heute etwas Gesundes“ – die Misere nimmt Ihren Lauf. 

Ein Blick auf den Rundgrill offenbart die ganze Misere: Paprikaschoten schwitzen auf dem Grillrost, bis sie schwarze Blasen werfen. Daneben tränt eine Tofuschnitte zischend in die Glut. Und das soll gesund sein? Jeder, der desgleichen schon mit ansehen musste, weiß, was mit Gemüse auf dem Grill passiert: Es wird farblos und bekommt eine schlabberige bis gummiartige Konsistenz. Dabei verliert es nicht nur jeglichen Geschmack und Biss, sondern auch die Vitamine.

Vom Ursprung her bedeutet Grillen: Rösten von Fleisch.

Schon unsere Vorfahren versammelten sich nach bestandenem Jagdabenteuer um eine Feuerstelle. Erst die Hitze machte das Fleisch bekömmlich und schmackhaft – der Rauch lieferte pikante Aromen dazu. Mit einem gemeinschaftlichen Gelage am Feuer feierte man den temporären Überfluss und die mutigen Jäger.

Pflanzenkost dagegen sammelten die Urmenschen nebenbei und ließen sie meist sofort im Mund verschwinden – für sich allein. Beim Pflücken von Beeren und Früchten sind die anderen Konkurrenten. Das Zupfen von Kräutern und genießbaren Blättern ist kein Abenteuer, bei dem man sich bewähren muss und rechtfertigt wohl kaum ein feierliches Gelage. Es wurde frisch gegessen, roh und gesund.

Selbstbetrug durch Fleischsurrogat 

Im Kern ahnen das auch die Fleischverächter. Wie sonst ist zu erklären, dass sie vom Tofuschnitzel bis zur panierten Sellerieschnitte mit Vorliebe Fleischsurrogat in allerlei Variationen auf den Grillrost legen?

Also, lasst euch durch die scheinheilige Sprüche der nörgelnden Asketen nicht abbringen, vom wirklichen und echten Grillen! Gehören dazu Wurst und Fleisch? Aber sicher! Salat und Gemüse dürfen sein – als Garnitur. Gerne auch flüssig: Vergorener Gerstensaft, gut gekühlt  – aber bitte nicht alkoholfrei!

 

Vegetarisch geht doch auch!

Was gibt es Schöneres als mit Freunden und der Familie an einem warmen Sommertag draußen zu sitzen und zu grillen? Ich liebe dieses Freiluftbraten. Das hat was von Lagerfeuerromantik. Neben guten Gesprächen gehört auch gutes Grillgut zum perfekten Abend.

Das muss aber definitiv nicht immer aus Fleisch bestehen! Auch wenn ihr Männer das oftmals glaubt. Was findet ihr daran? Fleisch schmeckt immer gleich. Da ist es egal ob die Marinade aus Kräutern, Öl oder gar Bier besteht. Fleisch bleibt Fleisch.

Multitalent Gemüse: Da kommt Abwechslung auf den Grill

Aber Gemüse kann viel mehr. Das beginnt doch schon bei der Auswahl. Hier ist die Palette der für den Grill geeigneten Sorten riesig. Ich sage nur Pilze, Paprika ( und zwar ohne schwarze Blasen), Spargel, Mangold, Tomate oder Kürbis. Mal ganz davon abgesehen, dass auch Ziegenkäse und Kartoffeln super gegrillt werden können.

Richtig zubereitet schmeckt das total lecker. Aber, ich gebe zu, es ist komplizierter als mal kurz die Wurst auf’n Grill zu schmeißen. Mit Gemüse kann man eine ganze Saison verbringen, ohne dass sich die Speisekarte dauernd widerholt.

Das ist doch auch das eigentliche Problem. Ich habe einfach keine Lust drei Monate lang mindestens einmal pro Woche immer das Gleiche zu essen. Ob das jetzt eine Wurst oder ein gut marmoriertes Hüftsteak ist, spielt doch keine Rolle. Es schmeckt mehr oder weniger gleich.

Sehnsucht nach Held sein

Ich persönlich glaube, dass das Problem dieser Diskussion eigentlich viel tiefer liegt. Es geht hier nicht wirklich um das Fleisch an sich, sondern um eure Ehre. Ihr glaubt, wir Frauen wollen euch euer Heiligstes – den Platz hinter dem Grill – streitig machen. Den Platz, an dem ihr noch richtige Männer sein könnt. So wie früher vor der Feuerstelle. Ihr wollt nur unsere Helden sein – wie damals.

Aber das seid ihr doch! Auch wenn da Gemüse oder Käse vor euch brutzelt. Keiner weiß so gut wie ihr, wie heiß die Kohle sein muss, wann das Grillgut umgedreht werden kann und keiner sieht so süß aus hinter’m Grill wie ihr, wenn ihr euch mit funkelnden Augen und einem Lächeln im Gesicht die Schweißperlen von der Stirn wischt.

Ein Vorschlag zur Versöhnung

Wir wollen das weiter sehen! Vielleicht können wir uns ja einigen. Das nächste Mal gibt es einfach Fisch. Das ist dann Abwechslung für alle. Den habt ihr vor Jahrtausenden auch schon gefangen. So wie das Fleisch.

 

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Foto: stockxchng/bizior, Teaserfoto: S. Hofschlaeger / pixelio.de, Montage: Steinborn/Schweigmann 

Teaserfoto: flickr.com /joits

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