Datenflats: Das Surferparadies ist anderswo

Smartphone mit Geldscheinen

Unbegrenztes Surfen für 15 Euro monatlich – nein, das ist leider nicht das neueste Angebot von Telekom oder Vodafone, sondern der Preis für eine Daten-Flatrate in Dänemark und Polen. Das deutsche Pendant der Telekom kostet rund 200 Euro. Die Menschen hierzulande surfen unterwegs im EU-Vergleich teuer. Die gute Nachricht jedoch: Datenpakete werden seit Jahren immer günstiger. Was bedeutet das für Deutschland?

Für mobile Viel-Surfer sind die nördlichen EU-Länder das Paradies: In Dänemark, Polen, Lettland, Litauen, Finnland und Irland surfen die Bürger für weniger als 30 Euro im Monat unbegrenzt im mobilen Internet. Unbegrenzt heißt hier wirklich ohne Limit – nicht wie in Deutschland, wo meist nach drei oder spätestens fünf Gigabyte Schluss ist. Laut Verbraucherportal Verivox und Berechnungen der Pflichtlektüre kann man damit rund 80 Stunden Musik über das Internet hören, 15 Stunden Youtube-Videos schauen oder zwei Stunden HD-Inhalte streamen. In Frankreich können die Mobilfunk-Kunden allerdings hingegen stundenlang unterwegs streamen: Für 20 Euro monatlich gibt es 50 Gigabyte Datenvolumen. Zum Vergleich: In Deutschland bekommt man für über 20 Euro gerade einmal sechs Gigabyte.

Diese Zahlen liefert die aktuelle Erhebung Digital Fuel Monitor des finnischen Beratungsunternehmens Rewheel. Es vergleicht zweimal im Jahr europaweit LTE-Tarife. Unter anderem untersuchte es diesen Herbst, wie viel Datenvolumen man für 30 Euro oder weniger bekommt.

Deutschland steht im EU-weiten Mobilfunkvergleich schlecht da. Grafik von Statist und Spiegel Online mit Daten aus dem Digital Fuel Monitor des finnischen Beratungsunternehmens Rewheel.

Deutschland steht im EU-weiten Mobilfunkvergleich schlecht da. Grafik von Statista und Spiegel Online mit Daten aus dem Digital Fuel Monitor des finnischen Beratungsunternehmens Rewheel. Grafik: Digital Fuel Monitor

In der Erhebung liegt Deutschland auf dem drittletzten Platz der EU-Länder. Nur Rumänien und Zypern schneiden noch schlechter ab. Wenn man sich die letzten drei Ränge jedoch genau ansieht, fällt auf, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Rumänien mit fünf Gigabyte für 15 Euro besser ist als in Deutschland. Damit ist nur Zypern teurer als Deutschland.

Warum sind die Datentarife in Deutschland so teuer?

Laut einem Bericht von Spiegel Online wird der LTE-Ausbau in anderen europäischen Staaten staatlich subventioniert, in Deutschland nicht. Die Mobilfunkbetreiber sind für den Netzausbau zuständig und geben die Kosten an die Verbraucher weiter.

Der Hauptgrund ist jedoch, dass der Wettbewerb in Deutschland mit nur noch drei Netzbetreibern sehr stark eingeschränkt ist. Telekom, Vodafone und Telefónica teilen den Markt unter sich auf. Das finnische Beratungsunternehmen Rewheel bezeichnet den deutschen Mobilfunkmarkt daher in einer weiteren Studie als „nicht-kompetitiv“ und weist Deutschland den letzten Platz im EU-Vergleich zu.

Zusätzlich zu den drei großen Netzbetreibern gibt es aber noch viele Mobilfunkunternehmen, die die Netze von Telekom, Vodafone und Telefónica mitnutzen. Dazu gehören zum einen die sogenannten Mobilfunk-Discounter wie congstar, bildmobil und Tchibo mobil. Daneben gibt es noch die Mobilfunk-Provider wie mobilcom-debitel und Drillisch. Dadurch ist der Markt eigentlich größer, als es auf den ersten Blick in der Studie von Rewheel wirkt.

Die Mobilfunk-Discounter und -Provider bieten generell auch günstigere Tarife als die großen Anbieter. Das zeigt ein Vergleich der beiden entsprechenden Seiten des Telekommunikations-Nachrichtenmagazins teltarif. Die Verbraucherzentrale NRW beurteilt auf Anfrage der Pflichtlektüre die Mobilfunk-Discounter grundsätzlich positiv, weil sie den Wettbewerb stärken. Jedoch müsse man – je nach Anbieter – die Vertragsabwicklung und die AGBs prüfen, erklärt Miriam Rusch von der Verbraucherzentrale NRW.

Für Michael Reifenberg von der Bundesnetzagentur spricht nichts gegen den erhöhten Wettbewerb unter den Mobilfunk-Discountern. Für sie gelte eine Anzeigepflicht, das heißt, sie müssen sich bei der Bundesnetzagentur anmelden. Das ist so im Telekommunikationsgesetz geregelt.

Tendenziell fallen die Preise

Auch wenn Deutschland im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarn noch hinterher hinkt, die Entwicklung geht wenigstens schon einmal in die richtige Richtung: Seit Jahren sinken die Mobilfunkpreise in Deutschland ständig – seit 2008 pro Jahr um etwa zwei bis drei Prozent.

Statistik: Veränderung der Preise für Telekommunikationsdienstleistungen in Deutschland von 1996 bis 2015 (gegenüber dem Vorjahr) | Statista

Seit Jahren sinken die Mobilfunkpreise in Deutschland. Grafik: Statista

Dementsprechend steigt bei gleichem Preis die Leistung. Laut der Studie Digital Fuel Monitor bekamen wir im Herbst 2016 eine 6GB-Flat für unter 30 Euro. Vor einem Jahr waren es für den gleichen Preis nur zwei Gigabyte. Im Frühjahr 2015 nur ein Gigabyte.

Das große Fragezeichen: das neue EU-Roaming-Gesetz

Mehr Konkurrenz könnte für die deutschen Anbieter durch das geplante EU-Roaming-Gesetz entstehen. Doch in dem Zusammenhang werden zurzeit von EU-Seite immer mehr Einschränkungen eingeführt. Der Besitzer einer SIM-Karte muss sich zumindest regelmäßig im Land des Anbieters aufhalten. Daher können wir uns auch in Zukunft nicht die günstige SIM-Karte aus Dänemark kaufen und für 15 Euro monatlich unbegrenzt surfen. Aber zumindest können wir voraussichtlich ab Mitte 2017 mit unserem teuren deutschen Tarif in Dänemark surfen, ohne noch einmal extra draufzuzahlen.

Das neue Roaming-Gesetz

Das neue Roaming-Gesetz soll eigentlich unbegrenztes Surfen in der gesamten EU ermöglichen. Es gibt jedoch einige Einschränkungen. Die zwei wichtigsten:

  1. Wenn der Nutzer eine bestimmte Grenze an Datenvolumen überschreitet, kann ihm sein Mobilfunkanbieter Roamingaufschläge in Rechnung stellen. Dadurch soll verhindert werden, dass Deutsche zum Beispiel dauerhaft einen polnischen Tarif nutzen, ohne sich je in Polen aufzuhalten.
  2. Wenn ein Mobilfunkanbieter nachweisen kann, dass er die Kosten zur Bereitstellung der regulierten Roaming-Dienste nicht decken kann und sich das auf die Inlandspreise auswirkt, darf er ebenfalls Aufschläge erheben. Das muss ihm jedoch von der nationalen Regulierungsbehörde, in Deutschland von der Bundesnetzagentur, gestattet werden.

Somit können auch in Zukunft noch kleine Summen für das Surfen im Ausland anfallen – oder zumindest ab einem bestimmten Datenvolumen. Bis zum 15. Dezember soll das Gesetz festgelegt sein. Die Umsetzung soll dann bis Juni 2017 folgen.

Beitrags- und Teaserbild: Sandra Schaftner 

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