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	<title>pflichtlektüre &#187; Patriotismus</title>
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	<description>Studierendenmagazin für Dortmund, Bochum, Essen und Duisburg</description>
	<pubDate>Fri, 10 Feb 2012 14:01:47 +0000</pubDate>
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		<title>Patriotismus: Mehr Flagge zeigen im Land?</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Jan 2010 11:16:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susanna Zdrzalek</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[im hörsaal]]></category>

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		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>

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		<description><![CDATA[J&#252;rgen R&#252;ttgers fordert von den Deutschen mehr Patriotismus. Nur mit einem starken Heimatbewusstsein k&#246;nne eine europ&#228;ische Identit&#228;t geschaffen werden. Dortmunder Geschichts-Professoren sehen das aber kritisch.


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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>J&uuml;rgen R&uuml;ttgers fordert von den Deutschen mehr Patriotismus. Nur mit einem starken Heimatbewusstsein k&ouml;nne eine europ&auml;ische Identit&auml;t geschaffen werden. Dortmunder Geschichts-Professoren sehen das aber kritisch.</strong></p>
<div id="attachment_19873" class="wp-caption alignleft" style="width: 349px"><img class="size-medium wp-image-19873" src="http://www.pflichtlektuere.com/blog/wp-content/uploads/2009/12/wm-300x198.jpg" alt="Eine Nation im WM-Rausch:Verbundenheit zum eigenen Land geht &uuml;bers Herz" width="339" height="223" /><p class="wp-caption-text">Eine Nation im WM-Rausch: Verbundenheit zum eigenen Land geht &uuml;bers Herz. Foto: Flickr</p></div>
<p>Mehr Patriotismus und Heimatliebe zeigen – das forderte der nordrhein-westf&auml;lische Ministerpr&auml;sident J&uuml;rgen R&uuml;ttgers. Nur so k&ouml;nne eine lebendige europ&auml;ische Identit&auml;t geschaffen werden. Nur wer wei&szlig;, wo er herkommt, der k&ouml;nne sich f&uuml;r andere Kulturen besser &ouml;ffnen, sagte R&uuml;ttgers. Wie er dazu beitragen will, dass die Menschen in Nordrhein-Westfalen sich ihrem Bindestrichland und Deutschland verbundener f&uuml;hlen, wei&szlig; der Landesvater ganz genau. NRW-, Deutschland- und Europa-Flaggen sollen vor s&auml;mtlichen &ouml;ffentlichen Geb&auml;uden wehen. Zudem muss in der Schule mehr Landes- und deutsche Geschichte unterricht werden. Au&szlig;erdem kritisiert R&uuml;ttgers, dass nur etwa die H&auml;lfte der Deutschen ihre eigene Nationalhymne kennt.<br />
<strong><br />
Europ&auml;ische Integration durch mehr Patriotismus? </strong></p>
<p>Karl Lauschke, Professor f&uuml;r Neue Geschichte an der TU Dortmund wirft R&uuml;ttgers vor „Symbolpatriotismus“ zu betreiben. „Wenn man sich positiv auf sein eigenes Land beziehen m&ouml;chte, dann sollte man mit einem Verfassungspatriotismus arbeiten.“ An R&uuml;ttgers Stelle w&uuml;rde er sich weniger daran st&ouml;ren, dass die H&auml;lfte der Menschen in Deutschland die Nationalhymne nicht kennt. Viel schlimmer findet Lauschke, dass ein gro&szlig;er Teil der Deutschen das Grundgesetz nicht kennt. Ob mehr Fahnen eine tiefere Verbundenheit zu einem Land oder zur EU vermitteln k&ouml;nnen? „Da bin ich skeptisch“, sagt Lauschke.</p>
<p>In den Augen von Professor Rolf Br&uuml;tting vom Lehrstuhl f&uuml;r Neue Geschichte der TU Dortmund kann der deutsche Patriotismus nicht von politischen Aktionen wiederbelebt werden. Das Verh&auml;ltnis der Deutschen zur eigenen Nation sei durch die Erfahrung des Nationalsozialismus und des Holocausts tief zerr&uuml;ttet. „Wir haben das bei der Fu&szlig;ball-WM gesehen: Verbundenheit zum eigenen Land entsteht nicht durch politp&auml;dagogische Vorhaben, sondern geht &uuml;bers Herz“, sagt Br&uuml;tting. Von mehr Beflaggung h&auml;lt er nichts. An staatlichen Gedenktagen werden die Flaggen sowieso gehisst - und zwar genau in der von R&uuml;ttgers geforderten Kombination: NRW-, Deutschland- und Europaflagge. „Da l&auml;sst sich nur etwas verst&auml;rken, wenn wir st&auml;ndig flaggen. Und dann haben die Fahnen schon bald keine Bedeutung mehr und verkommen zu Denkm&auml;lern, die kein Mensch mehr wahrnimmt.“</p>
<div class="additionallinks"><a href="http://www.pflichtlektuere.com/blog/wp-content/uploads/2009/12/091215-umfrage-patriotismus.mp3">Zum H&ouml;ren: Das sagen die Studierenden zu R&uuml;ttgers Forderung mehr Flagge zu zeigen</a></div>
<p> </p>
<p><strong>„Schaufensterrede ohne Konsequenzen“</strong></p>
<p>Von mehr deutscher Geschichte im Unterricht h&auml;lt Br&uuml;tting ebenfalls nichts. Davon gebe es in den Schulen genug, wenn nicht zu viel. Wenn R&uuml;ttgers wolle, dass die Deutschen sich Europa und der EU st&auml;rker zugeh&ouml;rig f&uuml;hlen, m&uuml;ssten in der Schule Europa-Themen eine gr&ouml;&szlig;ere Rolle spielen. „Europa taucht im Geschichtsunterricht eigentlich gar nicht auf und wenn, dann nur als Konflikt, in Form von Kriegen oder gewaltsamen Revolutionen, wo die Menschen bis zu den Knien im Blut waren“, sagt Br&uuml;tting. So entstehe eine eigene, nationale Identit&auml;t in Abgrenzung zu anderen.  Die Aussage R&uuml;ttgers‘ „Wenn man wei&szlig;, wo man herkommt, kann man sich anderen Kulturen besser &ouml;ffnen“ h&ouml;re sich vor allem gut an, sagt Br&uuml;tting. „Aber worauf bezieht sich dieses ‚wo man herkommt‘? Auf NRW? Auf Deutschland? Und wenn ja, auf welches Deutschland und wie weit zur&uuml;ckgehend?“</p>
<p>Karl Lauschke st&ouml;rt an der Argumentation des Ministerpr&auml;sidenten, dass die Deutschen scheinbar erst ein regionales, dann ein nationales und darauf aufbauend ein europ&auml;isches Bewusstsein entwickeln sollen. „Dabei vergisst R&uuml;ttgers, dass das europ&auml;ische Bewusstsein integraler Bestandteil des nationalen Bewusstseins ist. Man kann das nicht voneinander trennen“, meint Lauschke. Polemisch k&ouml;nne man sagen, R&uuml;ttgers wolle sich erstmal um das Nationalgef&uuml;hl k&uuml;mmern und die Schaffung eines europ&auml;ischen Bewusstseins auf die lange Bank schieben. Dabei sei es gar nicht schwer, den Menschen Europa n&auml;her zu bringen. Das funktioniere am besten durch Austausch und den direkten Kontakt von Menschen aus verschiedenen europ&auml;ischen L&auml;ndern, so Lauschke. „Das ist das Fundament f&uuml;r eine gemeinsame europ&auml;ische Identit&auml;t.“</p>


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