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	<title>pflichtlektüre &#187; mauer</title>
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	<description>Studierendenmagazin für Dortmund, Bochum, Essen und Duisburg</description>
	<pubDate>Fri, 10 Feb 2012 14:01:47 +0000</pubDate>
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		<title>Ost und West: F&#252;rs Studium r&#252;berwechseln</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Nov 2009 00:04:20 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Zwanzig Jahre ist es her, als die Berliner Mauer fiel. Zum Studieren machen trotzdem nicht viele Abiturienten "r&#252;ber". pflichtlektuere.com sprach mit zwei Studierenden, die den gro&#223;en Schritt wagten - und jetzt gl&#252;cklich sind. 


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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wessis sind arrogant und eingebildet; Ossis jammern, s&auml;chseln und lieben FFK. Das sind die typischen Vorurteile, die sich auch noch zwanzig Jahre nach dem Mauerfall hartn&auml;ckig halten. Viele Abiturienten lassen sich deshalb von einem Studium im jeweils anderen Teil Deutschlands abschrecken. Natalie und Simon haben sich trotzdem getraut.<br />
</strong></p>
<div id="attachment_15360" class="wp-caption alignright" style="width: 234px"><a href="http://www.pflichtlektuere.com/blog/wp-content/uploads/2009/11/mauerfall_1.jpg"><img class="size-medium wp-image-15360" title="mauerfall_1" src="http://www.pflichtlektuere.com/blog/wp-content/uploads/2009/11/mauerfall_1-224x300.jpg" alt="Th&uuml;ringerin im Pott: Natalie ist vom Osten in den Westen gezogen. Ihre Wurzeln hat sie aber nicht aufgegeben - genauso wenig wie ihren Dialekt." width="224" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Th&uuml;ringerin im Pott: Natalie ist vom Osten in Westen gezogen. Ihre Wurzeln hat sie aber nicht aufgegeben - genauso wenig wie ihren Dialekt.</p></div>
<p>1999, zehn Jahre nach dem Mauerfall. Die Tageszeitung „Die Welt“ schreibt, dass „eine emotionale Vereinigung der ost- und westdeutschen Hochschullandschaften noch nicht in Sicht“ ist. Im Auftrag des Bundesbildungsministeriums befragten Sozialwissenschaftler der Universit&auml;t Koblenz damals 9000 Studierende. Heraus kam, dass „mehr als die H&auml;lfte der Befragten nicht an Kontakten zu Kommilitonen aus dem jeweils anderen Teil Deutschlands interessiert&#8221; seien. So wollten mehr als die H&auml;lfte der Ossis und fast 60 Prozent der Wessis keinen weiteren Kontakt &uuml;ber die ehemalige deutsch-deutsche Grenze. Wer trotzdem f&uuml;r das Studium aus dem Westen in den Osten zog, der tat dies meist unfreiwillig: Zum Beispiel dank der zentralen Studienplatzvergabe oder wenn es den gew&uuml;nschten Studiengang nur „dr&uuml;ben“ gibt.</p>
<p>Im Sommer 2008, knappe 19 Jahre nach dem Mauerfall, stand Natalie Klinger vor genau diesem Problem. Die 20-J&auml;hrige aus Gotha (Th&uuml;ringen) muss sich entscheiden: Traumstudium antreten und in den Westen ziehen? Oder lieber an einer ostdeutschen Universit&auml;t einschreiben? Heute studiert Natalie Journalistik und Englisch im dritten Semester an der TU Dortmund. Notgedrungen, k&ouml;nnte man sagen. Denn sie wollte lieber im Osten bleiben, in Leipzig studieren. „Schon allein wegen der nicht vorhandenen Studiengeb&uuml;hren und meinem Vorurteil, dass die Ostdeutschen lockerer sind als die Westdeutschen“. Aber in Leipzig wurde mit dem Bologna-Prozess der Diplomstudiengang abgeschafft und nur der M.A. Journalistik eingef&uuml;hrt. „Mir blieb gar nichts anderes &uuml;brig, als nach Dortmund zu ziehen“, sagt Natalie heute.</p>
<p><strong>Nur die Wenigsten wollen im Osten studieren</strong></p>
<p>Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall berichtet „Die Welt“ wieder &uuml;ber das Verhalten von Studierenden aus Ost- und Westdeutschland. Darin hei&szlig;t es, dass laut einer bundesweiten Umfrage der Hochschulinitiative Neue Bundesl&auml;nder nur 22 Prozent der ostdeutschen Abiturienten im Westen studieren wollen. &Uuml;ber die H&auml;lfte hingegen (54 Prozent) wollen im Osten bleiben. Noch drastischer f&auml;llt die Meinung westdeutscher Sch&uuml;ler aus.  Zwar rechnen 62 Prozent von ihnen damit, dass sie zum Studieren die Heimat verlassen.  Aber nur f&uuml;nf Prozent aller befragten Westdeutschen w&uuml;rden auch gern in ostdeutschen L&auml;ndern studieren.</p>
<div id="attachment_15359" class="wp-caption alignleft" style="width: 231px"><a href="http://www.pflichtlektuere.com/blog/wp-content/uploads/2009/11/mauerfall_2.jpg"><img class="size-medium wp-image-15359" title="mauerfall_2" src="http://www.pflichtlektuere.com/blog/wp-content/uploads/2009/11/mauerfall_2-221x300.jpg" alt="Nostalgisch: Simon auf den Spuren der DDR." width="221" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Nostalgisch: Simon auf den Spuren der DDR.</p></div>
<p>Einer, der unter diese f&uuml;nf Prozent f&auml;llt, ist Simon Preis.  Als er sich vor zwei Jahren f&uuml;r ein Studium entscheiden musste, kam f&uuml;r ihn auch der Osten in Frage. „Ich war sehr aufgeschlossen, w&auml;re wahrscheinlich &uuml;berall hingezogen“, sagt Simon. Und so kam es dann auch.  F&uuml;r seinen Studienwunsch „Verkehrsingenieurwesen“ zog er von Wuppertal nach Dresden. Denn nur dort gibt es einen solchen Studiengang. Das sei aber auch der einzige Grund f&uuml;r den Wechsel in den Osten gewesen, betont der 22-j&auml;hrige. Mittlerweile hat er aber auch andere Vorteile am Studienleben im Osten gefunden. „Wir bezahlen keine Studiengeb&uuml;hren, die Wohnungen sind etwas billiger und die Dienstleistungen auch“.</p>
<p><strong>Zufriedenere Studenten im Osten</strong></p>
<p>Gute Noten bekommen Ostdeutsche Hochschulen auch von Bildungsexperten. Sie loben den h&auml;ufig pers&ouml;nlichen Kontakt zwischen Hochschullehrern und Studenten, das gute Betreuungsangebot und die gute Ausstattung. Das spiegelt sich auch bei den Studenten wieder. So ergab eine Umfrage des Hochschul-Informations-Systems (HIS) im Jahr 2008, dass die Zufriedenheit an ostdeutschen Universit&auml;ten deutlich h&ouml;her ist. Demnach sind 66 Prozent der Studierenden im Osten zufrieden. Im Westen sind es nur 52 Prozent. Trotz dieser Ergebnisse herrscht in vielen K&ouml;pfen der westdeutschen Abiturienten noch das Bild vom alten, maroden, armen und grauen Ostdeutschland.</p>
<p>Simon hingegen sagt, keinerlei Vorbehalte gegen&uuml;ber dem Osten gehabt zu haben. Im Gegenteil: Schon vor seinem Studium war der Wuppertaler einige Male dort untwegs, kannte dadurch  schon viele St&auml;dte. Er lernte auch von den Erfahrungen seines Bruders, der von der Zentralen Vergabestelle nach Magdeburg geschickt wurden war. Au&szlig;erdem war er schon immer sehr an der Geschichte Deutschlands und der Teilung interessiert, hatte sogar als einer der wenigen Westdeutschen eine Simson. „Dadurch hatte ich an meiner Schule in Wuppertal schon den Spitznamen &#8216;Ossi&#8217; weg“, sagt Simon. Er findet es wichtig, selbst Erfahrungen zu sammeln und sich nicht die Meinung anderer zum Thema Ost-West aufdr&uuml;cken zu lassen.  „Erst dann kann man sich ein wirkliches Bild von Ostdeutschland und den Ostdeutschen machen“.</p>
<p><strong>Dialekt als Markenzeichen statt Makel</strong></p>
<p>Das hatte auch Natalie n&ouml;tig. Sie wurde kurz vor der Wende geboren. Ihre Familie und Freunde sind alle in der DDR aufgewachsen und hatten ein ganz bestimmtes Bild vom Westen. Diese Einstellungen, so erz&auml;hlt Natalie, wurden auch an sie weitergetragen. „Nat&uuml;rlich bekam ich bestimmte Klischees vermittelt. Zum Beispiel das Bild von den arroganten Wessis, den Arschl&ouml;chern. Aber bevor ich hier her gekommen bin, war ich gezwungen, diese Klischees in meiner Vorstellung zu t&ouml;ten. Einfach, weil ich mir hier in Dortmund ein neues Leben aufbauen wollte. Dabei w&auml;ren diese Vorurteile nicht f&ouml;rderlich gewesen.“</p>
<p>Mittlerweile hat sich Natalie gut in Dortmund eingelebt. „Mir wurde es nicht leicht gemacht, aber auch nicht schwer“, erinnert sie sich. Das h&auml;nge ihrer Meinung nach aber nicht davon ab, aus welchem Teil Deutschlands eine Person stammt, sondern von der Verhaltensweise einzelner und der Zugehensweise  auf die Ruhrpottler. „Und gerade die sind ja sehr offen“, sagt die Studentin. Spr&uuml;che &uuml;ber ihre Herkunft bekommt Natalie aber trotzdem immer mal zu h&ouml;ren. „Aber nur, weil sich manche Menschen besonders lustig finden und ich mit meiner Aussprache auch super Steilvorlagen liefere. Ich sage nur „Gew&ouml;rzgorken“ (Gew&uuml;rzgurken).“</p>
<p><strong>Von den Freunden schief angeguckt</strong></p>
<div id="attachment_15361" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><strong><a href="http://www.pflichtlektuere.com/blog/wp-content/uploads/2009/11/mauerfall_3.jpg"><img class="size-medium wp-image-15361" title="mauerfall_3" src="http://www.pflichtlektuere.com/blog/wp-content/uploads/2009/11/mauerfall_3-300x200.jpg" alt="Der Blick auf die andere Seite: Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall wagen ihn nur wenige Studenten. Natalie wurde sogar von ihren Freunden schief angeguckt, weil sie im Westen studiert. Foto: belobos/ stock.xchng" width="300" height="200" /></a></strong><p class="wp-caption-text">Der Blick auf die andere Seite: Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall wagen ihn nur wenige Studenten. Natalie wurde sogar von ihren Freunden schief angeguckt, weil sie im Westen studiert. Foto: belobos/ stock.xchng</p></div>
<p>Alles in allem hat Natalie ihren Umzug in den Westen nicht bereut.  Zwar sei Dortmund nicht die sch&ouml;nste Stadt, aber daf&uuml;r punktet das Studium. „Wenn das Spa&szlig; macht, dann spielt die Umgebung f&uuml;r mich nur eine untergeordnete Rolle“. Auch Simon f&uuml;hlt sich in Dresden richtig wohl. „Ich fahre auch nur einmal im Semester nach Hause. Mehr ist nicht n&ouml;tig. Mein Freundeskreis ist jetzt in Dresden.“</p>
<p>Zwar haben es Natalie und Simon geschafft, die gedankliche Mauer zu &uuml;berwinden. Trotzdem werden sie immer wieder mit ihr konfrontiert. „Als meine Freunde von meiner Entscheidung, ein Studium in Dresden anfangen zu wollen, h&ouml;rten, fragten sie: Wie kannst du nur in den Osten ziehen?“, erinnert sich Simon. Und auch Natalie kennt solche Reaktionen. Erst neulich habe sie eine Freundin angerufen, die in Jena studiert und dort auch auf Studenten aus dem Westen trifft. „Sie meinte, wie h&auml;lst du es nur dort dr&uuml;ben aus. Die Wessis sind doch total arrogant“. F&uuml;r Natalie sind die Teilung Deutschlands und die gegenseitigen Vorurteile noch immer in den K&ouml;pfen drin. „Auch in der Generation, die kurz vor der Wende geboren ist und die Teilung eigentlich nicht mehr bewusst miterlebt hat“. Simon denkt, dass diesen Denken von Generation zu Generation abnehmen wird.</p>
<p><strong>Belohnung f&uuml;r das Leben im Osten</strong></p>
<p>Dazu sollen auch zahlreiche Werbekampagnen beitragen. Eine davon ist die Aktion „Studieren in Fernost“, die vom Bundesministerium f&uuml;r Bildung und Forschung mit insgesamt zehn Millionen Euro gef&ouml;rdert wird. In kleinen Videoclips werden die 44 Fachhochschulen und Universit&auml;t der neuen Bundesl&auml;nder vorgestellt. Dadurch sollen mehr Abiturienten an ostdeutsche Hochschulen gelockt werden.  Denn dort gehen die Studentenzahlen zur&uuml;ck.  Die L&uuml;cke, die in einigen Jahren durch zu schwache Geburtenjahrg&auml;nge und somit einer geringeren Zahl von Studienanf&auml;ngern klaffen wird, soll dadurch geschlossen werden. Gleichzeitig will man, dass die Hochschulen in Westdeutschland entlastet werden.</p>
<p>Eine andere Lockstrategie gibt es in Potsdam. Wer aus einem anderen Bundesland als Berlin oder Brandenburg an die Uni kommt, erh&auml;lt eine Mobilit&auml;tspr&auml;mie - und zwar eine Bahncard 50 f&uuml;r ein Jahr kostenlos. Vielleicht helfen ja solche finanziellen Anreize, dass noch mehr Studenten dem Beispiel von Natalie und Simon folgen: Vorbehaltlos in jeder Ecke Deutschlands ein Studium aufzunehmen.</p>
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