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	<title>pflichtlektüre &#187; Deutschunterricht</title>
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	<description>Studierendenmagazin für Dortmund, Bochum, Essen und Duisburg</description>
	<pubDate>Sat, 11 Feb 2012 08:59:18 +0000</pubDate>
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		<title>„Gedichte sind kein Feind, den man zerlegen muss&#8221;</title>
		<link>http://www.pflichtlektuere.com/26/01/2010/gedichte-sind-kein-feind-den-man-zerlegen-muss/</link>
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		<pubDate>Tue, 26 Jan 2010 08:52:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Linda Klimmek</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Bochum]]></category>

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		<category><![CDATA[Insomnia]]></category>

		<category><![CDATA[Judith Binias]]></category>

		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>

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		<description><![CDATA[Lyrik klingt f&#252;r viele unspannend. Bei Judith Binias ist das anders: Sie schreibt Gedichtb&#228;nde. "Die entstehen oft aus einem Insomnia-Gef&#252;hl heraus", verr&#228;t sie im pflichtlektuere-Interview. 


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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Judith Binias schreibt, seit sie ein kleines Kind ist. Kleine Erz&auml;hlungen, Theaterst&uuml;cke – und Gedichte. Im Februar kommt ihr zweiter Gedichtband „Insomnia – Begegnungen unter der n&auml;chtlichen Sonne“ heraus. Im pflichtlekt&uuml;re-Interview erz&auml;hlt die Kulturwissenschafts-Studentin, was Lyrik f&uuml;r sie so besonders macht.</strong></p>
<p><strong></strong></p>
<div id="attachment_21497" class="wp-caption alignleft" style="width: 178px"><strong></strong><strong><img class="size-full wp-image-21497" src="http://www.pflichtlektuere.com/blog/wp-content/uploads/2010/01/judith-binias.jpg" alt="Judith Binias. Foto: Nils Jacobi" width="168" height="252" /></strong><p class="wp-caption-text">Judith Binias. Foto: Nils Jacobi</p></div>
<p><strong>Judith, im Februar kommt dein zweiter Gedichtband heraus. Warum schreibst du ausgerechnet Gedichte?</strong><br />
Gedichte bieten die M&ouml;glichkeit, etwas kurz im Wesentlichen zu beschreiben. Lyrik ist sehr auf den Kern einer Sache reduziert. Man kann Nebens&auml;chlichkeiten Beachtung schenken, also kleine Momente oder Handlungen in den Mittelpunkt stellen, die sonst keiner bemerkt h&auml;tte. Und dann betrachtet man sie n&auml;her. Das ist so, wie wenn man bei einem Film die Stopptaste dr&uuml;ckt und etwas bewegungslos und herangezoomt sieht. Genau das gef&auml;llt mir. Es ist meine Form, mich auszudr&uuml;cken. Andere malen Bilder, formen Skulpturen oder singen Lieder. Ich schreibe einfach gerne, und Gedichte ganz besonders, weil ich es mag, wenn etwas sch&ouml;n klingt.</p>
<p><strong>Wor&uuml;ber schreibst du?</strong><br />
Das ist ganz unterschiedlich. Ich schreibe viel &uuml;ber Momente und Augenblicke. &Uuml;ber winzige Augenblicke zwischen zwei Sekunden, auf die fast keiner achtet. In meinen Gedichten geht es selten um etwas Gegenst&auml;ndliches oder Offensichtliches. Bei Gedichten ist es ja oft so, dass man merkt: Aha, Person A hatte gerade Liebeskummer und will Person B etwas mitteilen. Das ist mir zu einseitig. Ich m&ouml;chte, dass man sich eindenken kann. Das Gedicht soll von verschiedenen Menschen verschieden gelesen werden k&ouml;nnen. Deshalb stelle ich sozusagen Themen in den Raum, die zum Nachdenken anregen. Da ist dann bestimmt auch meine Meinung drin, aber um die geht es nicht.</p>
<p><strong>Dir geht es nicht darum, deine eigenen Einstellungen zu vermitteln? Warum nicht?</strong></p>
<div id="attachment_21494" class="wp-caption alignright" style="width: 195px"><img class="size-medium wp-image-21494" src="http://www.pflichtlektuere.com/blog/wp-content/uploads/2010/01/cover-insomnia-185x300.jpg" alt="Das Buchcover von &quot;Insomnia - Begegnungen unter der n&auml;chtlichen Sonne&quot;. Gestaltung: André Decker" width="185" height="300" /><p class="wp-caption-text">Das Buchcover von &quot;Insomnia - Begegnungen unter der n&auml;chtlichen Sonne&quot;. Gestaltung: André Decker</p></div>
<p>Weil es die Freiheit der Leser beschr&auml;nken w&uuml;rde. Ein Text an sich bietet so viele M&ouml;glichkeiten der Interpretation – das m&ouml;chte ich nicht einschr&auml;nken. Nat&uuml;rlich ist in meinen Gedichten auch etwas Autobiographisches drin, davon kann sich, glaube ich, kaum Jemand befreien. Deshalb schreibe ich nat&uuml;rlich schon irgendwie aus meiner Perspektive, aber es ist nicht so, dass ich der Welt etwas ach so Wichtiges mitzuteilen h&auml;tte. Ich schreibe ja auch eigentlich f&uuml;r mich selbst – mit der M&ouml;glichkeit, das hinterher zu ver&ouml;ffentlichen. Und dann k&ouml;nnen meine Gedichte vielleicht Denkanst&ouml;&szlig;e geben, aber sie sollen kein erhobener Zeigefinger zu bestimmten Themen sein.</p>
<p><strong>Glaubst du, dass Jeder einen Zugang zu deinen Gedichten finden kann?</strong></p>
<p>Nein, das glaube ich nicht. Aber das hat eher etwas mit Lyrik im Allgemeinen zu tun. Das ist n&auml;mlich zum einen erstmal Geschmacksache. Nicht jeder kann etwas mit Lyrik anfangen. Das ist so, wie wenn man mich umgekehrt in ein Fu&szlig;ballstadion stellen w&uuml;rde. Dazu habe ich keinen Zugang, weil es meinen Geschmack nicht trifft. Und dann hat es zum anderen sehr viel damit zu tun, wie sehr man sich auf Gedichte einlassen kann und wie sehr man sich mitnehmen l&auml;sst. Und das wiederum hat viel damit zu tun, wie man ist und wor&uuml;ber man nachdenkt. Ich glaube, dass der allgemeine Wunsch nach Kommunikation immer mehr zur&uuml;ckgeht und viele Menschen sich nicht mehr bewusst fragen, wie es anderen geht, wie sie handeln und was sie vielleicht aussenden.</p>
<p><strong>Also findest du, dass Gedichte nicht unbedingt das Unterhaltungsmedium der breiten Masse sind. Was glaubst du, woran das liegt?</strong><br />
Wenn man etwas von Lyrik haben will, muss man sich damit auseinander setzen. Gedichte sind meistens sehr kurz und man kann sie in zehn Sekunden durchlesen, aber man muss dar&uuml;ber nachdenken, wenn man etwas davon haben will. Und daf&uuml;r ist die Welt zu schnell geworden. Fr&uuml;her war Lyrik ja sehr popul&auml;r, es war die Ausdrucksform schlechthin. Aber da hatten die Menschen auch vom Inneren her mehr Zeit. Jetzt greift man schnell zur Fernbedienung – und dann muss man sich auf gar nichts mehr einlassen.</p>
<p><strong>Im Deutschunterricht in den Schulen werden Gedichte aber doch meistens besprochen. Warum bekommen dar&uuml;ber nicht mehr Jugendliche einen Zugang zu Lyrik?</strong></p>
<div id="attachment_21495" class="wp-caption alignleft" style="width: 178px"><img class="size-medium wp-image-21495" src="http://www.pflichtlektuere.com/blog/wp-content/uploads/2010/01/eine-art-der-begegnung-200x300.jpg" alt="Judith Binias schreibt &uuml;ber Begegnungen verschiedener Art. Foto: Nils Jacobi" width="168" height="252" /><p class="wp-caption-text">Judith Binias schreibt &uuml;ber Begegnungen verschiedener Art. Foto: Nils Jacobi</p></div>
<p>Weil man Gedichte in der Schule lesen und stundenlang interpretieren muss – das habe ich auch gehasst. Man hat als Sch&uuml;ler das Gef&uuml;hl, das Gedicht sei ein Feind, der zerlegt werden muss. Ich glaube, dass die Schule da viel vermiest, wenn zum Beispiel nur alte Gedichte mit ganz viel S&uuml;lze in der Feder gelesen werden. Damit kann nat&uuml;rlich kaum Jemand etwas anfangen, das ist ja ganz klar. Und die neueren Gedichte, die gelesen werden, sind teilweise einfach zu extrem und abgefahren, das schreckt dann auch nur ab.</p>
<p><strong>Deine Gedichte sollen sicherlich Niemanden abschrecken. Worum geht es in deinem neuen Gedichtband „Insomnia – Begegnungen unter der n&auml;chtlichen Sonne“?</strong></p>
<p>Die Gedichte handeln ganz allgemein von Begegnungen. Manchmal geht es ganz explizit um eine bestimmte Begegnung, manchmal aber auch nur um Begegnungen im Allgemeinen. Das alles betrachte ich aus dem Blickwinkel der Schlaflosigkeit. Insomnia ist der Zustand, wenn der Wachzustand durch extremen Schlafmangel &uuml;berfordernd ist und man eine gewisse Offenheit f&uuml;r Dinge erreicht, die man sonst nicht hat. Man l&ouml;st sich sozusagen aus den Fesseln der Realit&auml;t. Manche Gedichte sind in diesem Zustand entstanden und das Buch insgesamt dr&uuml;ckt dieses Insomnia-Gef&uuml;hl aus.</p>
<div class="additionallinks"><a rel="attachment wp-att-21527" href="http://www.pflichtlektuere.com/26/01/2010/gedichte-sind-kein-feind-den-man-zerlegen-muss/sternenkarte/">Judith Binias liest ihr Gedicht &#8220;Sternenkarte&#8221; </a></div>
<div class="additionallinks">
<p style="color: white;"><strong>Vita</strong></p>
<p style="color:white;">Judith Binias studiert Kulturwissenschaften an der Fern-Uni Hagen und hat Ende 2009 ihr staatlich anerkanntes Autorenzertifikat abgelegt. Neben dem Studium schreibt die 24-J&auml;hrige aus Unna Gedichte und Theaterst&uuml;cke und arbeitet als Theaterregisseurin und Mitglied des Tanz- und Theaterensembles im Theater Narrenschiff in Unna.<br />
<a href="http://insomnia-writing.npage.de/" target="_blank">http://insomnia-writing.npage.de</a></p>
</div>
<div class="additionallinks">
<p style="color: white;"><strong>Lesung und Buch</strong></p>
<p style="color:white;">Eine Lesung der besonderen Art k&ouml;nnt ihr euch am 30. Januar ab 19.30 Uhr im Theater Narrenschiff in Unna anschauen. Ein Abend mit kurzen Szenen, Musik, Tanz und gelesenen Gedichten aus dem Buch „Insomnia – Begegnungen unter der n&auml;chtlichen Sonne“.<br />
VVK: 9€/erm&auml;&szlig;igt 7€; AK: 12€/erm&auml;&szlig;igt 8€<br />
Infos unter: <a href="http://www.theater-narrenschiff.de/" target="_blank">www.theater-narrenschiff.de</a></p>
</div>
<div class="additionallinks">
<p style="color:white;">„Insomnia – Begegnungen unter der n&auml;chtlichen Sonne“<br />
Ab Ende Februar im Shaker Media-Verlag f&uuml;r 9€</p>
</div>


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