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	<title>pflichtlektüre &#187; Johannes Zuber</title>
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	<description>Studierendenmagazin für Dortmund, Bochum, Essen und Duisburg</description>
	<pubDate>Wed, 23 May 2012 17:50:58 +0000</pubDate>
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		<title>Sorge dich nicht, lebe!</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Nov 2009 19:12:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Zuber</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Bochum]]></category>

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		<description><![CDATA[Viele Studenten pendeln mit Scheuklappen vom H&#246;rsaal in die Bib und ins Praktikum. Dabei verlieren sie den Blick f&#252;rs Wesentliche. Ein Pl&#228;doyer f&#252;rs Innehalten - und eine kleine Anleitung zum Gl&#252;cklichsein. 


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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Viele Studenten pendeln mit Scheuklappen vom H&ouml;rsaal in die Bib und ins Praktikum. Dabei verlieren sie den Blick f&uuml;rs Wesentliche. Ein Pl&auml;doyer f&uuml;rs Innehalten - und eine kleine Anleitung zum Gl&uuml;cklichsein. </strong></p>
<div id="attachment_16814" class="wp-caption alignleft" style="width: 205px"><img class="size-medium wp-image-16814" src="http://www.pflichtlektuere.com/blog/wp-content/uploads/2009/11/titelbild-03-195x300.jpg" alt="Der Stress an der Uni nimmt einem schnell jegliche Freiheit" width="195" height="300" /><p class="wp-caption-text">Der allt&auml;gliche Uni-Stress kann einem schnell die Freiheit rauben</p></div>
<p>Wir haben Angst. Vorm Versagen, vor  Arbeitslosigkeit, vor einer unsicheren Zukunft. Wir w&uuml;nschen uns Sicherheit, und mancher ist bereit, daf&uuml;r alles zu tun. Schlaf wird zweitrangig. Kommilitionen werden Konkurrenten – um die Gunst der Profs,  das begehrte Praktikum oder den hoch dotierten Job. Viele begreifen das Leben als eine Art Rennstrecke. Wer bremst, verliert. Es geht darum, m&ouml;glichst vorne mitzufahren und schnell ans Ziel zu kommen. Die entscheidende Frage aber lautet: Was ist eigentlich das Ziel?</p>
<p>Zuweilen scheint es, als gehe es nur noch darum, sich m&ouml;glichst gut zu verkaufen. Es ist nicht lange her, da war sich selbst zu verkaufen gleichbedeutend mit Selbstverrat. Doch heute ist jeder k&auml;uflich. Mancher biedert sich sogar an – Hauptsache, der Lohn ist ein kleines bisschen Sicherheit.</p>
<p>Die Wissenschaft best&auml;tigt dieses Bild: Die aktuelle Shell-Studie beschreibt uns als &#8220;pragmatische Generation&#8221;. Man studiert, um einen sicheren Arbeitsplatz zu bekommen. Demnach sind wir zunehmend verunsichert: Blickten 2002 noch 69 Prozent  von uns optimistisch in ihre Zukunft, waren es vier Jahre sp&auml;ter nur noch 56 Prozent. Seit 1998 ist es Studenten immer wichtiger geworden, sp&auml;ter einen festen Job zu bekommen. Eine Studie der Uni Konstanz zeigt: Vor elf Jahren w&auml;hlten nur 23 Prozent ihr Fach nach den sp&auml;teren Karriereoptionen aus. 2007 waren es schon 36 Prozent. Laut Studienleiter Tino Bargel sind &#8220;die  Studenten konservativer und egoistischer geworden&#8221;.</p>
<p><strong>Stromlinienf&ouml;rmige Streber statt Ecken und Kanten</strong></p>
<p>Die Nahrung f&uuml;r die Zukunftsangst kommt nicht von uns selbst. Wir bieten nur den N&auml;hrboden f&uuml;r die Panik. Gesch&uuml;rt wird die Angst durch Meinungsmacher in Politik, Wirtschaft und Medien. Das klingt platt, trifft aber den Kern. Politiker aller Parteien sprechen von steigenden Herausforderungen in einer globalisierten Welt. Laut  Bundesbildungsministerium verst&auml;rkt der demografischen Wandel diese noch. Deutschland m&uuml;sse aufpassen, nicht von China und Brasilien &uuml;berholt zu werden. Da ist es schon wieder, das Bild von der Rennstrecke: Wer z&ouml;gert oder zweifelt, verliert den Anschluss.</p>
<p>Den Unternehmen soll es recht sein. Sie leben von Konkurrenz. Je mehr Konkurrenz zwischen den Bewerbern, desto besser der Gewinner – so zumindest die Theorie. Die Wirklichkeit hei&szlig;t zuweilen Burnout (siehe Infokasten). Die Medien schlie&szlig;lich verst&auml;rken die Panik mit haufenweise negativen Nachrichten.  Jeder Quelle-Katalog, jeder Opel erinnert an die Wirtschaftskrise. Pausenlose Katastrophenmeldungen aus den Unternehmen ersch&uuml;ttern jedes Selbstbewusstsein und ersticken jeden Funken Zuversicht. Dabei ist die Lage l&auml;ngst nicht so d&uuml;ster, wie viele denken (siehe Text auf Seite 10).</p>
<p>Doch wir Studenten ergeben uns der irrationalen Angst. Das Streben nach beruflichem Erfolg &uuml;berlagert alles. Wir vernachl&auml;ssigen Freunde, solange deren V&auml;ter keine Personaler sind. Wir verabschieden uns von Hobbys, wenn diese keinen beruflichen Nutzen bringen. Alles wird auf Sicherheit getrimmt. Was verloren geht, ist die Freiheit, die Studieren eigentlich mit sich bringen sollte.</p>
<div id="attachment_16807" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-16807" src="http://www.pflichtlektuere.com/blog/wp-content/uploads/2009/11/yoga-auf-bucherstapel-300x221.jpg" alt="Entspannung im Uni-Alltag" width="300" height="221" /><p class="wp-caption-text">Entspannen, durchatmen - davon steht nichts auf der Literaturliste zum Bachelor-Seminar</p></div>
<p>Zwei Fragen sollte jeder Student im Auge behalten: Was will ich wirklich? Worum geht es mir im Leben? Und nicht: Was will der Personalchef? Friedrich Schiller hat in seiner Antrittsvorlesung in Jena 1789 zwei Typen von Studenten unterschieden: den „philosophischen Kopf“, der mit idealistischem Enthusiasmus studiert – und den  &#8220;Brotgelehrten&#8221;, der nur f&uuml;r &#8220;Amt, Geld und Ansehen&#8221; zur Uni geht. Nat&uuml;rlich hat sich der Querdenker Schiller &uuml;ber die Brotgelehrten lustig gemacht. Heute versucht jeder, der flei&szlig;igste Brotgelehrte zu werden: eine Generation stromlinienf&ouml;rmiger Streber, in der es keinen Raum gibt f&uuml;r Ecken und Kanten. Dabei sollte das Studium gerade dazu dienen, eine eigene Pers&ouml;nlichkeit zu entwickeln.<br />
Viele meinen zu wissen: Gl&uuml;ck – das ist ein sicherer Job und eine erfolgreiche Karriere.  Aber stimmt das? Marilyn Monroe hat gesagt: &#8220;Karriere ist etwas Herrliches, aber man kann sich in einer kalten Nacht nicht an ihr w&auml;rmen.&#8221; Und schon der antike griechische Philosoph Epikur wusste: Gl&uuml;cklich ist, wer Augenblicke auskostet, Zukunfts&auml;ngste vermeidet, Ehrgeiz z&uuml;gelt. Dauerhaftes Gl&uuml;ck bringen seiner Ansicht nach nur soziale Beziehungen. Aber Freundschaften zu pflegen, braucht Zeit – Zeit, die beim Hetzen vom H&ouml;rsaal zur Karrieremesse nicht bleibt.</p>
<p><strong>Das Leben ist keine Autobahn</strong></p>
<p>Klar, ein Bummelstudium mit anschlie&szlig;endem Vegetieren in Praktika oder Arbeitslosigkeit macht auch nicht gl&uuml;cklich. Jeder will eigenes Geld verdienen und einen Job, der Spa&szlig; macht. Verkrampftes Lebenslauf-Pimpen f&uuml;hrt aber nicht ans Ziel. Der M&uuml;nsteraner Psychologe Alfred Gebert r&auml;t, auch mal zu entspannen.  &#8220;Selbst Gott hat am siebten Tag Pause gemacht. Das Gehirn strukturiert sich, wenn man Pause macht&#8221;, sagt Gebert. &#8220;Unser innerer Schweinehund meint es gut mit uns.&#8221; Wenn der K&ouml;rper nach Pausen verlangt, sollte man sie ihm g&ouml;nnen. Sonst rackert man sich zwar ab, arbeitet und lernt aber ineffizient.</p>
<p>So sehr wir uns verkrampfen – wir k&ouml;nnen unsere Zukunft nicht planen. Die Karriere ist keine Autobahn, auf der wir blo&szlig; die richtige Ausfahrt nehmen m&uuml;ssen. Auch wenn wir vermeintlich falsch abgebogen sind, muss das kein Drama sein: So wenig gute Uni-Leistungen eine erfolgreiche Karriere bedingen, so wenig verbauen schlechte Leistungen zwangsl&auml;ufig den Weg. Der Tipp des Psychologen Alfred Gebert: „Durchbrechen Sie Vorschriften, sammeln Sie fachfremde Erfahrungen, machen Sie ruhig mal ein Semester Pause.“ Man muss sich nur die unz&auml;hligen Vorbilder ansehen, die Karriere gemacht haben, obwohl – oder vielleicht gerade weil – sie aus Strukturen ausgebrochen und ihren eigenen Weg gegangen sind. Star-Regisseur S&ouml;nke Wortmann (&#8221;Das Wunder von Bern&#8221;) spielte nach dem Abi drei Jahre lang Fu&szlig;ball unter anderem bei Westfalia Herne, studierte anschlie&szlig;end ein Semester Soziologie in M&uuml;nster und ging danach sechs Jahre lang auf die Filmhochschule in M&uuml;nchen. Seinen Abschluss machte er mit 30. Auch Apple-Gr&uuml;nder Steve Jobs, Facebook-Gr&uuml;nder Mark Zuckerberg und Microsoft-Gr&uuml;nder Bill Gates sind Studien-abbrecher, die inzwischen Milliarden besitzen. Geplant hatte das keiner von ihnen.</p>
<p>Nur eines ist sicher: Wer sein gesamtes Studentenleben in der Bibliothek oder im Praktikum verbringt, wird es am Ende bereuen. Wer in blinder Angst das heutige Gl&uuml;ck gegen ein vages Sicherheitsversprechen f&uuml;r morgen tauscht, wird wom&ouml;glich am Ende ohne alles dastehen. Ohne Sicherheit – aber vor allem: ohne Gl&uuml;ck.</p>


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