Kommentar: Wer hat Angst vorm Horrorclown?

Der Clown Pennywise aus Stephen Kings „ES“. (Hersson Piratoba/ flickr.com)

Seit ein paar Wochen kann das Wort „Horrorclown“ offiziell auf eine Liste mit „Burkaverbot“ und „Flüchtlingskrise“ gesetzt werden – nämlich auf die Liste der Worte, die ich in den Medien einfach nicht mehr lesen kann. Maskierte Clowns springen aus Büschen und bedrohen Passanten mit Kettensägen, Polizisten warnen die Bürger, Angst kommt auf vor Halloween − und ich frage mich: Was soll der ganze Zirkus?

Schon als Kind waren mir Clowns nie sympatisch, der Joker und Pennywise aus „Es“ von Stephen King haben mich in meiner Meinung nur bestärkt. Doch,dass tatsächlich einmal alle Medien über Angriffe von „Horrorclowns“ berichten würden, hätte wohl niemand gedacht. Aber ist das wirklich das, was wir in den Zeitungen lesen sollten? Ist es das, was die Welt tatsächlich bewegt? Und noch wichtiger: Würden die Horrorclowns ohne die vielen Medienberichte überhaupt irgendwen bewegen? Ein Jugendlicher steht mit einer Maske auf einem Parkplatz und erschreckt ein paar Passanten – normalerweise wäre das zur Halloween-Zeit nicht mal eine Kurzmeldung wert. 

Die alte Frage nach dem Huhn und dem Ei

Ich frage mich: Was ist die Motivation der Gruselclowns? „Eine Motivation gibt es nicht, die sind einfach nur gestört“, hört man von allen Seiten. Aber vielleicht gibt es ja doch eine und vielleicht haben wir sie sogar selbst geschaffen. Ein Artikel in der Zeitung, eine Meldung im Fernsehen oder ein einfacher Kommentar im Internet sind manchmal schon Motivation genug.

Und vielleicht ist es gerade das, was den Trend am Leben hält. wir wollen immer mehr. Die Geschichten sollen krasser werden, die Clowns gruseliger. Da ist es auch kein Wunder, dass immer mehr Clowns ihr kleines Stück Berühmtheit einfordern. 

Da stellt sich wieder die uralte Frage: Was war denn nun zuerst da, die Clowns oder die Berichte? Der Trend kommt aus den USA und hat wohl den Weg über Social Media zu uns nach Europa geschafft. Dann haben die Medien ihn immer größer gemacht. Viele Clowns haben durch die Berichterstattung erst von dem Phänomen erfahren, sind deswegen erst selber mit Maske und Messer ins Gebüsch geklettert. Wahrscheinlich wären die „Horrorclowns“ ohne die aufgebauschte Berichterstattung schnell wieder in der Versenkung verschwunden.

Bin ich Teil der Panikmache?

Aber auch ich schreibe ja über die Clowns. Jetzt gerade. Eigentlich möchte ich auch nicht sagen, dass es grundsätzlich schlecht ist, das Thema aufzugreifen. Wenn ein Mann mit einer Kettensäge auf Passanten losgeht, gehört das in die Medien, ob er nun eine Clownsmaske trägt oder nicht, ist dann aber irrelevant.

Aber in so mancher Redaktion hieß es: „Ich hab noch jemanden, der mal von weitem so ’nen Clown gesehen hat, das Thema ist doch gerade ganz groß.“ Ganz sicher hatte nicht jeder dieser Clowns eine Kettensäge dabei, sondern war vielleicht einfach nur harmloser Mitläufer eines seltsamen Trends. Und an dieser Stelle hätte ein anderer uralter Spruch der Medienbranche in den vergangenen Wochen sicherlich gut getan: Weniger ist manchmal mehr.

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