Hamburger Uni-Direktor kritisiert Bologna

Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg, kritisiert im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“ die viel diskutierte Bologna-Reform, also die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen. Im Interview bezeichnete Lenzen die Reform als „angekündigten Unfall mit Fahrerflucht.“

Er selbst würde sich „nicht unbedingt“ dazu entscheiden, in Deutschland zu studieren. „Es gibt beobachtbare und beschreibbare Gründe dafür, dass das Studium manchem schwer fällt. Ein Grund ist sicher, dass die Studienanfänger immer jünger geworden sind. Wir haben inzwischen Sechzehn- und Siebzehnjährige in den Veranstaltungen sitzen“, kritisiert Lenzen. Er sieht die kürzeren Ausbildungszeiten außerdem als Nachteil für die Studierenden an und bemängelt, dass ihnen die Persönlichkeitsbildung fehle.

Inzwischen könne man deutsche Gymnasien mit der Highschool in den USA vergleichen, so Lenzen. Auch dort gebe es nicht den Anspruch, Studierfähigkeit zu vermitteln. Um Defizite des Bachelor-Studiums auszugleichen, schlägt er zudem vor, Wissenslücken mit einem Angebot zu füllen, das er „general studies“ nennt. Das Angebot soll jungen Menschen nahebringen, „was man vor 30 Jahren in der gymnasialen Oberstufe lernte“. Ein Bachelor-Abschluss sollte seiner Meinung nach in Deutschland außerdem erst nach acht Semestern Studienzeit vorgesehen werden.