Showdown an der Platte

Es geht eins gegen eins, der Ball ist schnell, extrem schnell und es geht hin und her. Man muss das Spiel erfühlen und erhören, um zu gewinnen.“ So beschreibt Sabrina Buschieweke die Sportart Showdown. Sie ist Spielerin dieses tischtennisähnlichen Spiels, das vor allem viel Geschick und ein gutes Gehör verlangt. Sehen können die Spieler nämlich nichts: Sabrina Buschieweke ist von Geburt an blind.

Der weiße Halbkreis vor dem Tor ist wichtig: Wer mit dem Schläger im Halbkreis den Ball berührt, schenkt dem Gegner einen Punkt. Foto: Pressestelle TU Dortmund

Der weiße Halbkreis vor dem Tor ist wichtig: Wer dort mit dem Schläger den Ball berührt, schenkt dem Gegner einen Punkt. Foto: TU Dortmund

„Das Spezielle an Showdown ist, dass es gerade nicht auf das Sehen ankommt. Hier braucht der Spieler gute Ohren und eine schnelle Auffassungsgabe“, erklärt Sabrina die Besonderheiten der Sportart. Showdown wurde ursprünglich für Blinde und Sehbehinderte entwickelt. Sabrina studiert Sonderpädagogik auf Lehramt an der TU Dortmund und spielt seit einigen Wochen Showdown.

Showdown kann aber auch von Sehenden gespielt werden. Die müssen dann eine schwarze Augenbinde tragen, eine Art Schlafmaske, die kein Licht durchlässt. Jeder Spieler soll schließlich die gleichen Chancen haben. „Blinde haben sicherlich einen leichten Vorteil, weil ihr Gehör besser ist, aber Sehende stellen sich schnell auf das Spiel ein und hören den Ball nach einiger Zeit auch gut“, sagt Sabrina Buschieweke.

Siegen geht nur über’s Hören

Sabrina Buschwieweke macht momentan ihren Master. Hauptsächlich arbeitet und lernt sie im DoBuS der TU Dortmund. Foto: Thomas Borgböhmer

Sabrina Buschiieweke macht momentan ihren Master. Hauptsächlich arbeitet und lernt sie im DoBuS der TU Dortmund. Foto: Thomas Borgböhmer

Der Ball ist etwas größer als ein Tischtennisball und mit kleinen Stahlkügelchen gefüllt. Das macht ihn hörbar. Die Kügelchen erzeugen dann ein mehr oder weniger lautes Rasseln – je nachdem wie schnell der Ball geschlagen wird. „Obwohl das Spiel so schnell ist, sind die Richtungen gut zu erhören“, sagt Sabrina. „Manchmal geht es auch zu rasant, der Ball landet im Tor und man konnte noch nicht mal reagieren.“

Beim Showdown wird auf einer knapp drei Meter langen rechteckigen Holzplatte gespielt. Um die Platte verläuft eine Bande, damit der Ball nicht runterfällt. Über der Mitte des Tisches ist eine senkrechte Glasplatte angebracht. Die hat eine ähnliche Funktion wie das Netz beim Tischtennis. Wer die Platte trifft, macht einen Fehler und der Gegner bekommt einen Punkt.

Mix aus Angriff und Verteidigung

An den beiden Enden des Tisches sind zwei Tore, die wie kleine Basketballkörbe aussehen. „Das Ziel ist es natürlich, den Ball in das gegnerische Tor zu schießen“, erklärt Sabrina. „Dafür gibt es dann sogar zwei Punkte. Und wer zuerst elf Punkte hat, gewinnt das Match.“

Die Spieler schlagen den Ball mit einem schmalen, langen Holzschläger. Und da der Ball sehr schnell und hart ankommt, sollte man eines nicht vergessen: „Wir tragen beim Training meist Handschuhe. Das kann sonst richtig wehtun, wenn der Ball plötzlich gegen die Hand knallt.“

Die eher schmalen, langen Schläger sind aus hartem Material. Der Ball ist aus Plastik und deutlich schwerer als ein Tischtennisball. Foto: Pressestelle TU Dortmund

Die eher schmalen, langen Schläger sind aus hartem Material. Der Ball ist aus Plastik und deutlich schwerer als ein Tischtennisball. Foto: TU Dortmund

Die Popularität steigt

„In Kanada, Skandinavien und Holland ist Showdown schon seit Jahren populär. Hier wird das Interesse auch immer größer“, sagt Carsten Bender. Erst im März fanden in Rheinsberg bei Berlin die Deutschen Meisterschaften statt. Bender ist Vorsitzender des Blinden und Sehbehinderten Sportvereins Dortmund (BSSV) und Mitarbeiter am Lehrstuhl für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik an der TU.

Anfang Mai wurde die neue Spielplatte an der TU Dortmund präsentiert und seitdem wird jeden Donnerstag trainiert. Immer für zwei bis drei Stunden, immer eins gegen eins. Bisher leider nur an einer Platte. Das soll sich in Zukunft aber ändern. „Wenn die Anfrage weiterhin so hoch ist, werden wir sicherlich über eine zweite Platte nachdenken“, erzählt Bender. „Allerdings sind die Anschaffungskosten einer Platte sehr hoch.“

Kooperation mit dem BSSV

Bender hat auch die ersten Kontakte zwischen dem BSSV und der Fakultät Rehabilitationswissenschaften hergestellt. Seit Anfang Mai steht der Trainingsraum in der Fakultät zur Verfügung. Der BSSV unterstützt die Sportler vor allem finanziell. So müssen beispielsweise neue Bälle und Schläger besorgt werden.

„Wir sind immer ein guter Mix aus Blinden und Sehenden beim Training, meist Studenten“, erzählt Sabrina. „Bald werden wir sicherlich auch mal Turniere mitspielen. Das ist ja gerade das Spannende am Sport.“ Dort sind dann allerdings nur Blinde zugelassen. So steht es in den Showdownregeln der International Blind Sports Federation.

Erst durch Carsten Bender ist Sabrina Buschwieweke zum Showdown gekommen. Früher spielte Buschwieweke Torball, eine Art Handball für Blinde. Foto: Pressestelle TU Dortmund

Erst durch Carsten Bender ist Sabrina Buschieweke zum Showdown gekommen. Früher spielte sie Torball, eine Art Handball für Blinde. Foto: TU Dortmund

Ein toller Sport“

Alle, die Showdown spielen, sagen danach wie schnell und intuitiv das Spiel ist. Während man anfangs noch große Probleme hat, findet man später immer besser ins Spiel. „Jeder kann sich da gut reinfinden, sich reinhören“, sagt Sabrina Buschwieweke.“ Vor allem die Abwechslung ist super, es gibt enge Matches und ich kann mich hier gut abreagieren.“ Und das stimmt: Je länger das Spiel dauert, desto wohler fühlt man sich an der Platte. Und auch die Orientierung am Ball, dem Rasseln, klappt nach einigen Minuten. Auf das Gehör ist eben Verlass.