Der Breitmaulfrosch:
ab morgen wird alles besser!

Ob Glitzerbärte, grüne Smoothies oder hippe Fummel aus der Mottenkiste – über Kunst, Lifestyle, Mode und Kultur lässt es sich gut das Maul zerreißen. Besonders gut kann das der Breitmaulfrosch,  der in dieser Kolumne über merkwürdige Trends wütet – dabei nimmt er kein Seerosenblatt vor den Mund. Heute sieht er die letzten kläglichen Versuche, die guten Vorsätze einzuhalten, scheitern.

Fitter werden, sich mehr Zeit für die Familie nehmen, mit dem Rauchen aufhören – diese Vorsätze hat vermutlich jeder schon mal gehört oder selbst gefasst. Nicht so der Breitmaulfrosch. Er hält absolut nichts von guten Vorsätzen zu Silvester und kann nur verächtlich über die Leute lachen, die welche fassen. „2017 wird aber wirklich mein Jahr!” Wie oft musste der Breitmaulfrosch sich diesen Satz Ende des vergangenen Jahres von seinen Freunden und Bekannten anhören. Er schüttelt nur den Kopf darüber. Auch 2016 sollte schon ihr Jahr werden. Und 2015. Und 2014. Aber irgendetwas war immer. Aber 2017, ja, da wird jetzt alles besser. Schwachsinn, denkt der Breitmaulfrosch.

Ohne gute Vorsätze geht’s eben nicht

Nur, weil wir jetzt ein neues Jahr hinter den Monat schreiben, heißt das doch nicht, dass sich auf einmal alles ändert. Kranke werden nicht vom 31.12. auf den 1.1. gesund werden. Genauso wenig werden Tote wieder auferstehen oder die individuellen Probleme sich in Luft auflösen. Das ist einer der Gründe, warum der Breitmaulfrosch nicht nur das Silvesterfest jedes Jahr boykottiert, sondern auch jegliche Art von guten Vorsätzen für das kommende Jahr. Wer wirklich etwas an seinem Leben ändern möchte, der kann das jederzeit tun.

Aber die Menschen sind eben einfach gestrickt. Sie gehen mit der Masse. Es gehört quasi zum guten Ton, sich Ende Dezember über all das auszutauschen, was ab dem 1. Januar dann umgesetzt werden soll. Sehr beliebt ist da immer die gesündere Ernährung. „Dieses Jahr esse ich nur noch gesund und gehe regelmäßig ins Fitnessstudio” – so oder so ähnlich reden sie.

Aufgeschoben heißt aufgehoben

Schon am Neujahrsmorgen verabschieden sich die ersten von ihren Vorsätzen. Verkatert liegen sie bis Mittags im Bett, um dann ganz langsam in den Tag hineinzuleben. Dann meldet sich der vom Alkohol gequälte Magen und schreit nach Nachschub. Nur was könnte man jetzt essen? Kochen ist in diesem Zustand unmöglich. Und der Magen fordert Fett. Pizza scheint doch eine gute Lösung. Ist zwar nicht gesund, aber wir können ja mal eine Ausnahme machen. Nur diese eine.

Der Sport beschränkt sich an dem Tag dann auch auf das Kriechen über den Boden zum Badezimmer oder zum Kühlschrank. 400 Schritte am Tag zählen bestimmt schon zu einer Sporteinheit. Geplagt vom schlechten Gewissen drehen sie sich dann auf der Couch hin und her und denken darüber nach, wie sie ihre Vorsätze doch noch erreichen können. Ab morgen. Der Breitmaulfrosch schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Für ihn gibt es kein „ab morgen”. Was er sich vornimmt, das muss er tagtäglich im Auge behalten und immer wieder daran arbeiten – aber ab jetzt und nicht ab morgen. Aus einer Ausnahme werden zwei, dann drei und dann vier. Und dann ist der erste Monat vorbei, ohne dass sich irgendetwas geändert hat. 

Neues Spiel, neues Glück

Die meisten guten Vorsätze erledigen sich nämlich nach der Meinung des Breitmaulfrosches in den ersten vier Wochen des Jahres. Wer da schon gescheitert ist, verliert sie einfach aus den Augen. Den Februar assoziieren viele gar nicht mehr mit dem Anfang des Jahres. Von daher sind es dann auch keine Neujahrsvorsätze mehr, die man ganz mainstream zu verfolgen hat. Ab Februar gelten diese Vorsätze nicht mehr. Ab da konzentrieren sich die Vorsatzfasser dann lieber auf die nächste Aufgabe der Gesellschaft, die sie nicht lösen werden: Die Fastenzeit ab Aschermittwoch. Und auch da gilt wieder: ab morgen.     

Beitragsbild: Helena Brinkmann