Super Bowl – noch Fragen?

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Für die Amerikaner ist der Super-Bowl-Sonntag ein inoffizieller Nationalfeiertag.  Auch in diesem Jahr werden wieder  mehr als 110 Millionen Menschen aus den USA das Spiel im Fernsehen verfolgen. Hierzulande bleiben nachts nur bei ganz wenigen die Augen bis Spielschluss offen. Beim diesjährigen Finale um die us-amerikanische Football-Meisterschaft treffen in der Nacht zu Montag (0:30 Uhr/Sat.1) die Seattle Seahawks auf die New England Patriots. Dank pflichtlektüre bleiben keine Fragen unbeantwortet.

Wo findet der Super Bowl 49 statt?

Der Super Bowl wird in der Nacht zu Montag in Glendale, Arizona ausgetragen. Das University of Phoenix Stadium, Heimsspielstätte der Arizona Cardinals, fasst bis zu 72.200 Zuschauer. Die New England Patriots haben aber keine allzu guten Erinnerungen an dieses Stadion. 2008 unterlag das Team um Quarterback Tom Brady dort im Super Bowl den New York Giants.

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Das University of Phoenix Stadium ist in der Nacht zu Montag Spielstätte des Super Bowls 49. Foto: flickr.com/JasonTrim

Wo kann ich das Spiel verfolgen?

Das Interesse an American Football in Deutschland wächst – zumindest, je näher der Super Bowl rückt. In dieser Saison übertragen mit dem Pay-TV-Sender Sport1US und Sat.1 erneut zwei deutsche Sender das größte Sportereignis der Welt. Bei Sat.1 geht es um 23.15 Uhr mit den Kommentatoren Frank Buschmann und dem ehemaligen Kölner Quarterback Jan Stecker los. Sport1US steigt nach einer Reportage „Road to Super Bowl“ ab 0 Uhr in eine werbefreie Live-Berichterstattung mit Originalton-Option ein.

Gibt es einen Favoriten?

Nein. Das letzte Aufeinandertreffen der beiden Teams gab es 2012 in der regulären Saison. Damals gewann Seattle 24:23. Doch jetzt sind Playoffs, und da haben die New England Patriots im Halbfinale beim 45:7-Sieg über die Indianapolis Colts eindrucksvoll ihre Stärke demonstriert. Die Seattle Seahawks konnten gegen Green Bay in einem der kuriosesten Spiele der NFL-Playoffs in den letzten zwei Minuten einen 19:7-Rückstand in eine 22:19-Führung und letztlich einen 28:22-Sieg nach Verlängerung umwandeln. Beim Vorjahressieger Seattle scheint jetzt alles möglich. Titelverteidigung nicht ausgeschlossen. Das gelang allerdings zuletzt den Patriots 2003 und 2004. Deren Spielmacher Tom Brady steht als erster Quarterback der Geschichte zum sechsten Mal im Super Bowl – drei Mal konnte er die Vince Lombardi Trophy in den Nachthimmel recken. Seine Erfahrung könnte den Ausschlag geben. 


Wer wird der Star des Spiels?

Die einfache Antwort: Alles liegt in den Händen der Quarterbacks Russell Wilson und Tom Brady. Allerdings: Auf Seiten von Seattle kommt auch Marshawn Lynch eine tragende Rolle zu. Im Laufspiel ist „Beast Mode“ regelmäßig erst mit dem dritten Tackle zu stoppen. Sein Part bei den Patriots übernimmt LeGarrette Blount. Im Halbfinale teilte er die Colts-Defense wie Mose das Meer und lief für 148 Yards und 3 Touchdowns. Gegen Seattles Defense um Star-Cornerback Richard Sherman wird das Laufspiel, vor allem aber auch das Passspiel schwieriger für die Patriots. Doch Bill Belichick, der wohl trickreichste und raffinierteste Trainer der Liga, wird sich auch für die Seahawks etwas Besonderes ausgedacht haben.

Welche Rolle spielt Sebastian Vollmer?

Als Offensive-Tackle geht der Deutsche dann aufs Feld, wenn seine Patriots in Ballbesitz sind. Vollmers Aufgabe ist es, Quarterback Tom Brady Zeit zu verschaffen, einen Pass an den Mann zu bringen. Patzt Vollmer, wird Brady abgeräumt. Oft muss der Deutsche mit seinen 145 Kilo auch den Patriots-Läufern den Weg freiblocken. Für Vollmer ist es nach der Super-Bowl-Niederlage 2011 bereits das zweite Finale. Nachdem er in der vergangenen Saison mit einem gebrochenen Bein lange Zeit ausfiel, will der 30-Jährige als erster Deutscher jetzt endlich seinen Championship-Ring.

Worüber sprechen die Amerikaner?

Seit dem Halbfinalsieg der Patriots kursiert der kryptische Begriff „Deflategate“ in den Medien (deflate, engl. = Luft herauslassen). Den Patriots wird vorgeworfen, im Spiel gegen die Colts elf der zwölf Spielbälle nicht vorschriftsgemäß aufgepumpt zu haben. Vor allem bei starkem Regen soll ein leicht platter Ball beim Werfen und Fangen zu mehr Griffigkeit führen, weil die Finger etwas in den Ball gedrückt werden können. Die Liga prüft derzeit, ob sie das Verhalten der Patriots mit Sanktionen in der kommenden Saison bestrafen kann. 

Mehr als je zuvor polarisiert auch Seattles Runningback Marshawn Lynch. Beim Media Day stellte er sich den Fragen zahlreicher Journalisten, beantwortete aber alle mit derselben Antwort: „Ich bin nur hier, damit ich keine Strafe zahlen muss.“ Damit hatte ihm die Liga gedroht, sollte er nicht erscheinen. Dabei hatte die NFL wohl nicht auf der Rechnung, dass Lynch in 4:51 Minuten 29 Mal dieselbe Antwort geben würde. Im Super Bowl sollte Lynch auf seine typische Jubelgeste verzichten. Packt er sich nach einem Touchdown wie zuletzt in den Schritt, kostet ihn das 20.000 Dollar und sein Team im nächsten Spielzug 15 Yards. 

Wer rockt die Halbzeitshow?

Die beiden US-Musiker Katy Perry und Lenny Kravitz werden in der Halbzeitpause eine etwa zwölfminütige Performance hinlegen. „Es fühlt sich an, als wäre mein Traum wahr geworden“, sagte Katy Perry gegenüber ESPN. „Mich macht nicht vieles nervös, aber an diesem Tag werde ich mit Sicherheit innerlich ganz schön zittern“, erklärte die 29-Jährige.

Wie teuer ist die Werbung?

Für die zahlreichen Spielunterbrechungen während des Super Bowls produzieren etliche  Unternehmen eigene Werbespots. NBC, der Fernsehsender der den Super Bowl in den USA überträgt, verlangt in diesem Jahr rund 4,5 Millionen Dollar (etwa 4 Millionen Euro) für einen halbminütigen Werbespot – 12 Prozent mehr als der Sender Fox im vergangen Jahr und mehr als je zuvor.

Auch die Minions sind mit von der Partie:

Was lassen sich die Amerikaner den Super Bowl 49 kosten?

Der Fernsehsender NBC berichtet von den vermutlich höchsten Eintrittsreisen in der Geschichte des Super Bowls. Der durchschnittliche Listenpreis für ein Ticket lag Mitte der Woche bei knapp 6500 Dollar (etwa 5750 Euro); das ist mehr als doppelt so viel wie zum vergleichbaren Zeitpunkt  vor einem Jahr. Der Durchschnittspreis der Tickets für die vergangenen fünf Super Bolws lag bei umgerechnet 2500 Euro. Dazu kommen je nach Nähe zum Stadion noch einmal 50 bis 150 Dollar fürs Parkticket oben drauf. Auch im Stadion ist dann noch nicht Schluss. Beim Super Bowl vor einem Jahr kostete ein 30-Zentimeter-Hot-Dog umgerechnet etwa 11,50 Euro, Flaschenbier gab es für knapp 12,50 Euro, frischgezapft kostete noch einmal knapp zwei Euro mehr. Die Preise ähneln sich jedes Jahr.

Und außerhalb des Stadions?

flickr Barry Arnson

Die Kühlschränke der Amerikaner sind am Super-Bowl-Sunday prall gefüllt. Foto: flickr.com/BarryArnson

Amerikanische Medien berichten über die kuriosesten Zahlen zum Super-Bowl-Sunday. Wie in 2013 und 2014 werden die Amerikaner am Tag des Super Bowls schätzungsweise 1,25 Milliarden Chicken Wings und etwa 14 Milliarden Hamburger verspeisen. Dazu kaufen sie rund 51,7 Millionen Kisten Bier. Für Super-Bowl-Fanartikel fließen umgerechnet etwa 10,7 Milliarden Euro. In diesem Jahr werden Wetten im Gesamtwert von mehr als 100 Millionen Euro erwartet. Und wenn die Party vorbei ist, melden sich am Tag nach einem Super Bowl regelmäßig ungefähr sieben Millionen Amerikaner krank.

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