Sind gute Vorsätze sinnvoll?

Duell am Donnerstag

Sekt und Feuerwerk in der Silvesternacht verleiten viele Menschen dazu, große Pläne für das neue Jahr zu schmieden. Der eine möchte sich nicht mehr so oft mit dem Partner streiten, der andere nimmt sich vor, das Auto in der Garage stehen zu lassen und öfter zu Fuß zu gehen. Doch ist es überhaupt sinnvoll, sich gute Vorsätze zu machen?

PRO CONTRA
Ja, ist es. Abnehmen, das Rauchen aufgeben, weniger Stress: Gute Vorsätze fürs neue Jahr sind leicht gefasst. Und auch ich weiß, dass nur die wenigsten es wirklich schaffen. Trotzdem setzen wir uns Jahr für Jahr neue Ziele. Und das ist gut so.

Neues Jahr – Neues Glück

Ein neues Jahr steht auch immer für einen Neubeginn. Der Jahreswechsel bietet also allen die Chance Bilanz zu ziehen und das Erlebte Revue passieren zu lassen. Sich Gedanken machen, was man im neuen Jahr anders oder besser machen will, ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Wir brauchen ein neues Ziel, eine neue Herausforderung, um das neue Jahr mit großer Motivation anzugehen. Vorsätze können dem Leben eine neue Wendung geben. Vorrausgesetzt: Sie befinden sich in einem realistischen Rahmen. Grundsätzlich gilt: Das Ziel muss erreichbar sein, sonst sind Misserfolge vorprogrammiert. Aber auch die gehören dazu.

Rückschläge sind erlaubt

Das ein Vorsatz nicht von heute auf morgen gelingen kann, will ich nicht wegdiskutieren. Auch Rückschläge sind erlaubt. Eine Gewohnheit lässt sich nicht von heute auf morgen abstellen – wers kann, umso besser. Wer aber zum Beispiel an einem stressigen Tag doch noch mal eine Zigarette raucht oder beim Kinogang an der Schokolade nascht, sollte nicht zu hart mit sich ins Gericht gehen. Das ist kein Drama, so lange es nicht als Anlass dazu genommen wird, seinen Vorstaz komplett fallen zu lassen.

Natürlich muss auch eine gewisse Ernsthaftigkeit dazugehören. Wer zum x-ten Mal zum Jahreswechsel damit prahlt mit dem Rauchen aufzuhören, der sollte sich eventuell „kleinere“ Ziele setzen. Auch Vorsätze die im feucht-fröhlichen Rausch der Silvesternacht in die Welt herausgeschrien werden sind meist schon am nächsten Tag, wenn sich der Alkoholnebel langsam verzieht, vergessen. Nein, solche Vorsätze braucht wirklich keiner. Viel mehr geht es darum sich ernsthafte Gedanken zu machen, was man verändern kann und auch wirklich durchziehen will.

Nein, ist es nicht. Wer sich am Ende eines Jahres jede Menge vornimmt, das er nächstes Jahr anders oder besser machen möchte, ist jemand, der sich nach einer Struktur sehnt, die die kommenden zwölf Monate in unserer schnelllebigen Welt berechenbarer macht. Für viele Menschen ist es beruhigend zu wissen, dass beispielsweise zukünftig Gemüse ihren Speiseplan bestimmen soll oder dass Spieleabende mit Freunden gegen Vokabeln pauken eingetauscht werden. Außerdem erhaschen sie im Bekanntenkreis mit ihren großen Plänen oft Bewunderung.

Vorsätze verursachen Stress

Hat das neue Jahr aber erst einmal angefangen, schwinden die guten Vorsätze wie Kalenderblätter dahin. Dann ist die Pizza doch oft attraktiver als der kalorienarme Salatkopf. Nur den wenigsten Menschen gelingt es, in einem stressigen Alltag Ziele für die nächsten 365 Tage umzusetzen, von denen jeder eine neue Herausforderung bieten kann. Allen, denen jedoch die Disziplin fernliegt, droht ein schlechtes Gewissen und Spott von Freunden und Familie als Konsequenz aus den guten Vorsätzen. Die angestrebte Planungssicherheit ist somit schnell verschwunden.

Im Laufe des Jahres planen

Meine Devise lautet deshalb: Man sollte sich in der Silvesternacht nicht den Kopf darüber zerbrechen, was man besser machen könnte. Wenn man einfach alles auf sich zukommen lässt, kann man entspannt und stressfrei ins neue Jahr starten. Außerdem ist es nicht ausgeschlossen, dass man später doch noch ein paar Ziele formuliert, die man erreichen möchte. Daran ist vorteilhaft, dass man sich nicht vor vielen Leuten, denen man nach dem fünften Glas Sekt an Silvester seine Pläne verkündet hat, verteidigen muss, wenn etwas nicht geklappt hat. Man macht einfach still und leise mit sich aus, wohin man will oder weshalb der Schweinehund schon wieder gesiegt hat. In diesem Sinne nehme ich mir nur eins für die letzte Nacht von 2010 vor: Ich werde mir keine guten Vorsätze machen!