Kinotipp: „Die Hüter des Lichts“

Während die Kinder nachts schlummern, werden andere aktiv: Der Sandmann bringt gute Träume, die Zahnfee belohnt ihre Schützlinge für ausgefallene Milchzähne und was Weihnachtsmann und Osterhase an den Festtagen zu tun haben, können wir uns ja vorstellen. Aber auch tagsüber sind die Helden unserer Kindheit in Aktion: sie stecken tief in Vorbereitungen, um den Kindern zu zeigen, dass es sich lohnt an sie zu glauben. Was passiert aber, wenn die Kinder plötzlich nicht mehr glauben können?

Der Sandmann in Aktion: Aus Zaubersand formt er die Träume der Kinder  Fotos und Teaserbild: Paramount Pictures

Der Sandmann in Aktion: Aus Zaubersand formt er die Träume der Kinder. Fotos und Teaserbild: Paramount Pictures

„Die Hüter des Lichts“ nennt sich das Viererteam aus Weihnachtsmann, Osterhase, Zahnfee und Sandmann. Sie teilen sich die Aufgabe, über die Träume und das Glück der Kinder auf der ganzen Welt zu wachen. Für den Hüter-Job kann man sich nicht bewerben, alle Hüter wurden vom Mann im Mond auserwählt. Kein leichter Job, aber die Hüter arbeiten mit System: Im Hauptquartier von Nicholas  St. North, besser bekannt als Santa Claus, wird etwas überwacht – und zwar ein riesiger Globus, auf dessen Kontinenten überall helle Lichter strahlen. Jedes Licht steht für ein Kind, das zufrieden ist und an die Helden seiner Kindheit glaubt.

Plötzlich empfängt der Weihnachtsmann merkwürdige Signale auf  seinem Globus: Ein schwarzer Sturm wirbelt über die Lichter, diese flackern wild auf und rebellieren gegen den schwarzen Sand, der sich auf sie zu legen droht. Schnell ruft der Weihnachtsmann seine Hüter zusammen, er hat eine schlimme Vermutung: Pitch Black, der schwarze Mann, könnte wieder zurückgekehrt sein. In früheren Zeiten versetzte er bereits alle Menschen in Angst und Schrecken und schickte ihnen die fiesesten Albträume. Doch mit der Etablierung der „Hüter des Lichts“ verschwand er spurlos, weil plötzlich niemand mehr an ihn glaubte.

Fünf Hüter gegen den schwarzen Mann

Schnell stellen die Hüter fest: Pitch ist zurück. Doch um den Kampf mit ihm aufzunehmen, brauchen sie Unterstützung. Der Mann im Mond erwählt dafür den jungen Jack Frost, der die Macht über Schnee und Eis hat. Er ist den anderen Hütern nur als arbeitsscheuer Unruhestifter bekannt und vor allem der Osterhase ist nicht gewillt, ihn ins Team aufzunehmen. Doch was der Mann im Mond entscheidet, ist Gesetz. Jack Frost hat keine Lust, ein Hüter zu sein, er sieht keinen Sinn darin, besonders weil ihn kein Kind sehen kann. Hüter, an die niemand glaubt, sind für Kinder nämlich unsichtbar. Trotzdem locken ihn die anderen Hüter ins Team und zwar mit einem Geheimnis über seine Kindheit, an die Jack keine Erinnerungen mehr hat. Als die Helfer der Zahnfee aber entführt werden und nachts immer mehr schwarze Albträume auftauchen beginnt ein brenzliger Kampf. Bis nur noch ein glaubendes Kind als Licht aufleuchtet und die Hüter sehr schwach und fast unsichtbar geworden sind.

Der neuste Animationsfilm aus dem Hause Dreamworks ist bunt und lebendig. Statt einer Anhäufung von Festtagsklischees erwartet die Zuschauer in  „Die Hüter des Lichts“ endlich mal ein kreativer Weihnachtsfilm, bei dem besonders die fantasievolle Gestaltung der Charaktere überzeugt. Wir treffen auf einen Weihnachtsmann mit russischem Akzent und tätowierten Unterarmen, der gern mal ein Schwert zückt, um sein Revier zu verteidigen. Gleichzeitig ist er aber sehr naiv und hat ein Problem damit Ironie zu verstehen, was an einigen Stellen für Heiterkeit sorgt. Der Osterhase E. Aster Bunnymund ist kein knuddeliges Häschen, sondern ein australischer Zwei-Meter-Nager mit Boomerang, der seine schlechte Laune auch mal offen raushängen lässt. Charmant ist, dass auch Kindheitshelden ihre Macken haben. Besonders niedlich sind hingegen der goldglänzende, stumme Sandmann, der zwischendurch einfach einschläft und die Zahnfee Tooth, die eine aufgeweckte Mischung aus Kolibri und Mensch ist.

Innovative Helden und viel Stoff zum Lachen

Den typischen Helden der eigenen Kindheit steht Jack Frost gegenüber, der in seiner Gestalt eiskalt gezeichnet ist, durch seinen trockenen Humor aber für viele Lacher sorgt. Genauso wie die Weihnachtselfen, die mit ihren Albernheiten stark an die Minions aus „Ich – einfach unverbesserlich“ erinnern.

Die Weihnachtselfen sind zwar zu dämlich um Geschenke zu basteln, haben dafür aber einen hohen Comedy-Faktor. Foto: Paramount Pictures

Die Weihnachtselfen sind zwar zu dämlich um Geschenke zu basteln, haben dafür aber einen hohen Comedy-Faktor. Foto: Paramount Pictures

Buchautor William Joyce hat sich für den Film einige interessante Details einfallen lassen, die wir so noch nicht kennen. Nicht die tollpatschigen Weihnachtselfen, sondern die grobgliedrig wirkenden Yetis entwerfen zum Beispiel die Geschenke und Weihnachtsmann und Osterhase streiten sich offen darüber, welches Fest das wichtigere ist.

Nicht nur für Kinder gedacht

Die erfrischende Andersartigkeit der Figuren macht die „Hüter des Lichts“ zu einem wunderbaren Weihnachtsfilm. Jeder, der schon einmal in seinem Leben an diese Kindheitshelden geglaubt hat, wird angesprochen. Anders als erwartet, ist „Die Hüter des Lichts“ kein Kinderfilm, sondern ein Film für alle Winter- und Weihnachtsfans, die schon langsam in Feststimmung kommen wollen. Die Vorfreude auf Weihnachten ist nach dem Anschauen garantiert und auch der Alltagsstress verschwindet erst mal in den Hintergrund. Die 3D-Effekte lohnen sich, wenn der goldene Glitzersand des Sandmanns oder eine kleine, filigrane Schneeflocke Jack Frosts vor den Gesichtern der Zuschauer herschwebt. Zugegeben, das Ende des Films ist zwar vorhersehbar, die Art wie die Geschichte erzählt wird definitiv nicht.