Erst singen dann besetzen

Das Auditorium maximum an der Ruhr-Universität Bochum ist fast leer. Nur einige Studenten warten darauf, dass das „Lunchtime-Orgelkonzert“ beginnt. Organist Joachim Wollenweber spielt sich ein. Der riesige Saal wird mit Tönen durchflutet, die man sonst eher aus der Kirche kennt. Die Klais-Orgel ist riesig und würde von der Größe auch gut in den Kölner Dom passen.

Die Klais-Orgel hat die Ausmaße eines Reihenhauses.

Die Klais-Orgel hat die Ausmaße eines Reihenhauses. Fotos: Linus Petrusch

Schon seit 2005 finden wöchentlich Orgelkonzerte verschiedener Künstler im Audimax statt. So können Studenten und Mitarbeiter der Ruhr-Universität Bochum zur Mittagszeit bei Orgel-Musik die Seele baumeln lassen.

„Meistens ist es hier relativ leer und es kommen etwa 20 Zuhörer“, sagt Paulo der Mathe und Linguistik studiert. Er war auch in den letzten Wochen ab und zu da und findet es gut, dass man über die Universität Kultur erleben könne, sagt Paulo.

Friedlicher Protest

Kaum hat er das gesagt, da  kommen etwa 150 bis 200 Studenten die Treppen im Audimax runtergelaufen. Schnell werden zwei Banner mit der Aufschrift „Bundesweiter Bildungsstreik 2009“ und „Für Solidarität und freie Bildung“ aufgehängt. Ab dem Zeitpunkt ist klar, dass der Andrang nicht nur an dem Orgelspiel von Joachim Wollenweber liegen kann. Nachdem die Hörsaal-Besetzer letzte Woche von der Polizei aus dem Audimax geworfen wurden, erobern sie den Saal zurück.

Joachim Wollenweber findet die Proteste gut und sagt, dass er sie für wichtig und richtig halte. Dafür gibt es jede Menge Applaus von den Rängen. Da Kultur ebenso zu freier Bildung gehört, wie die Abschaffung der Studierengebühren, lauschen die Protestler gespannt dem Orgel-Konzert.

Zum Ende des halbstündigen Konzertes zeigt Wollenweber, dass seine Worte von Anfang keine leeren Worthülsen waren. Auf Wunsch der Studenten spielt er ein Lied und die versammelte Mannschaft der Protestler singt im Chor mit:

„Wehrt euch, leistet Widerstand gegen den Sozialabbau im Land…“

Erstmal hinsetzen und Pläne austüfteln

Erstmal hinsetzen und Pläne austüfteln

Nach dem Konzertes versammeln sich die Studenten auf dem Boden des Audimax und diskutieren wie es weiter gehen soll.

Alle Veranstaltungen sollen stattfinden

Trotz der Besetzung sollen alle geplanten kulturellen Veranstaltungen weiterhin stattfinden. So kann hinterher auch niemand mehr sagen, dass das Audimax wegen eines Konzertes der Symphoniker geräumt werden muss.

Der Sicherheits-Dienst macht sich schnell Freunde. Sofort werden alle Türen abgeschlossen. Niemand darf mehr rein. So ist ein Dialog mit anderen Studenten nicht möglich. Kurzerhand setzen sich einige Studenten in den Eingang der letzten offenen Tür und lösen so das Problem auf Ihre Weise.

Bleibt abzuwarten, wie lange es diesmal dauert, bis die Polizei dem Kampf um bessere Studienbedingungen ein Ende bereitet.

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