Er ist wieder da: Peer Steinbrück

Auf die große Bühne der Politik ist eine Hauptperson zurückgekehrt, die schon längst totgeglaubt war. Es scheint wie die Rückkehr Gandalf des Grauen, der als Gandalf der Weiße wiederkehrt. Eigentlich ist er noch der Gleiche, nur noch ein bisschen weiser und mächtiger. Die Rede ist von Peer Steinbrück. Doch was ist dran am neuen Bild des Ex-Bundesfinanzministers?

Peer Steinbrück und Jürgen Zurheide in der Mayerschen

Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Journalist Jürgen Zurheide. (Foto: Laura Millmann)

Peer Steinbrück ist zurück. Zurück im Rampenlicht. Wenn auch – zumindest erstmal – als Buchautor: Am vergangenen Dienstag stellte der 63-Jährige in der Mayerschen Buchhandlung sein Werk „Unterm Strich“ vor. Dort saß er, der Ex-Bundesfinanzminister, zurückgelehnt in einem Ledersessel. Entspannt. Selbstsicher. Gemeinsam mit dem Journalisten Jürgen Zurheide. Und redete über sein Lieblingsthema: die deutsche Wirtschaft.

Nach der Wahlschlappe der SPD hatte man länger nichts von Peer Steinbrück gehört. Die Niederlage der Partei schien auch seine Niederlage zu sein. Eine Missachtung seiner Arbeit. Für den ehemaligen Finanzminister scheint es so. Mit Blick auf die Folgen der Wirtschaftskrise formuliert Steinbrück es so: „Die großen Weichenstellungen sind damals in der großen Koalition erfolgt und dass sich nun andere mit diesen Federn schmücken, das frustriert ein bisschen.“

Der Weg nach der Wirtschaftskrise

Peer Steinbrück stellt in Dortmund sein neues Buch "Unterm Strich" vor

Peer Steinbrück stellt in Dortmund sein neues Buch "Unterm Strich" vor. (Foto: Laura Millmann)

Aber nun steigt die SPD in den Umfragewerten und Peer Steinbrück wird plötzlich als möglicher Kanzlerkandidat gehandelt. Dürfte der Kanzler direkt gewählt werden, würden sich 44% der Deutschen für Steinbrück entscheiden, ermittelte der ARD-Deutschlandtrend. Damit läge er vor Bundeskanzerlin Angela Merkel: Bei ihr gaben lediglich 35% der Befragten an, sie (wieder)wählen zu wollen. Doch um die Frage nach den Karriereabsichten des 63-Jährigen, redeten bei dem Gespräch in Dortmund sowohl er selbst als auch Zurheide galant herum.

Stattdessen ging es wieder einmal um die aktuelle Position Deutschlands in der Welt, die Folgen der Wirtschaftskrise und die wichtige Rolle Peer Steinbrücks in diesem Zusammenhang. Gemeinsam mit Angela Merkel hatte er 2008 die Sicherung der Spareinlagen garantiert und so das große Chaos verhindert. Er hatte ein Rettungspaket von 480 Milliarden Euro für die deutschen Banken auf den Weg gebracht und das Finanzmarktstabilisierungsgesetz durchgesetzt.

Große politische Schritte, die den weiteren Weg vorgegeben haben. Nicht alle sind jedoch mit diesem Weg und der Rolle Steinbrücks zufrieden. Harald Schumann schrieb dazu in der Zeitung „Der Tagesspiegel“: „So hat die Selbstinszenierung des Ex-Ministers als furchtloser Drachentöter im Kampf mit dem Finanzmarkt-Monster rein gar nichts mit seinen tatsächlichen Aktionen im Krisenherbst 2008 zu tun. (…) Tatsächlich lag Steinbrück vielfach drastisch daneben. Noch am 25. September 2008, zehn Tage nach der Lehman-Pleite, verkündete er im Bundestag, das deutsche Bankensystem sei „im internationalen Vergleich relativ robust“, ein Bankenrettungsprogramm wie in den USA sei in Deutschland „nicht notwendig“. Nur einen Tag später begannen die Verhandlungen für den 100-Milliarden-Freikauf der Münchner Hypo Real Estate.“
Auch gibt es viele Stimmen, die über die Rettung der Banken schimpfen. Das Argument: Die Aktion sei vor allem auf Kosten der Steuerzahler gegangen.

Auf das Banken-Rettungspaket ging Peer Steinbrück in Dortmund ein, indem er sagte: „Die Erklärung kann nur sein, dass jeder von ihnen, der jetzt hier im Raum sitzt, als Rentnerin und Rentner, als Sparer und Sparerin, als jeder Handwerksmeister und jeder Gewerbetreibende, der einen Kredit braucht – alle die sie hier sitzen, haben ein Interesse an einem stabilen und funktionierenden Finanzmarkt.“
Bekommt Peer Steinbrück also zu Unrecht so viel Anerkennung oder nicht? Sind seine angeblichen Leistungen also nur die Taten eines Mannes, der zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort beziehungsweise in der richtigen Position war? Die aktuellen Zahlen, das Wirtschaftswachstum, die Prognose der Wirtschaftsweisen – das alles spräche eher für Steinbrücks Fähigkeiten als ehemaliger Bundesfinanzminister.

Das Spiel mit den Medien

Peer Steinbrücks "Unterm Strich"

Peer Steinbrücks "Unterm Strich". (Quelle: Hoffmann und Campe Verlag)

Eine eindeutige Antwort lässt sich darauf nicht finden. Doch eines ist ganz sicher: Egal wie viel Steinbrück geleistet hat, er weiß, wie er sich in Szene setzen kann. Mit Hilfe der Medien hat er es vom Ex-Bundesfinanzminister einer strauchelnden Partei zum Fast-Kanzlerkandidaten geschafft. Ihn umgibt beinahe schon die Aura eines heldenhaften Retters – zumindest zeichnen die Medien dieses Bild.
In seinem Buch allerdings kommen diese schlecht weg: Steinbrück kritisiert ihre Rolle im Bezug zur Politik. Laut dem 63-Jährigen inszenieren die Medien die Politik und Journalisten werden zu eigenständigen Akteuren. Politiker müssten deshalb versuchen, sich möglichst gut zu präsentieren.

Bei Steinbrück selbst funktioniert das offensichtlich. Er gibt sich authentisch, kompetent und vor allem vertrauenswürdig. Es sieht wirklich so aus als hätte er größere Ambitionen.

Der Stern schreibt in einem Artikel mit der Überschrift „Der Phantom-Kanzlerkandidat“: „Er könnte Klartext reden und der SPD sagen: Nicht mit mir. Das tut er nicht. Im Gegenteil, er rückt sich bei allen Nachfragen ins Licht. Mal sagt er, er stünde „zur Verfügung“, wenn er gerufen würde. Mal lästert er über „leckermäulige Personalgeschichten“ und macht sich dann selbst schmackhaft: „Wenn es Spitz auf Knopf käme, könnte ich mich nicht verweigern.““
Man würde sie Steinbrück zu gerne abnehmen, seine Ehrlichkeit und die Echtheit. Man wünscht sich ihn als den Mann, der die SPD nicht nur kritisiert, sondern sie auch besser macht. Doch vielleicht ist es ja so. Denn es gibt auch viele positive Meinungen, wie die des Journalisten Heribert Prantl, der Steinbrück auf „sueddeutsche.de“ in Schutz nimmt: „Peer Steinbrück hat sich als Finanzminister verdient gemacht. Jetzt wird ihm Geschäftemacherei vorgeworfen – weil er Vorträge hält und ein Buch geschrieben hat. Das ist kleinlich.“

Vielleicht haben wir bald die Möglichkeit, Peer Steinbrück genauer zu beobachten. Dann wenn die Gerüchte über die Kanzlerkandidatur wahr sein sollten. Und auch sonst wird sich der Ex-Bundesfinanzminister wohl nicht allzu schnell aus dem Rampenlicht zurückziehen, dazu ist er gerade wieder zu steil gestartet.

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