Das Duell: Bundesfreiwilligendienst – ein Erfolgsmodell?

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Der Wehrdienst wurde von der schwarz-gelben Regierung abgeschafft. Tausende von Zivis, die im Altenheim arbeiten, Essen liefern oder Krankentransporte fahren, fallen weg. Ab dem 1. Juli gibt es stattdessen den Bundesfreiwilligendienst. Flexible Dienst- und Einsatzzeiten sowie ein kleines Taschengeld sollen die Interessenten anlocken. Reicht das aus, damit der Bundesfreiwilligendienst ein Erfolgsmodell wird?

PRO
CONTRA
Ja, möglichst viele junge Erwachsene sollten sich als Bundesfreiwilliger versuchen. Wann und wie nutzt man ansonsten die Chance auf etwas völliges anderes im Leben? Nach dem Abitur gleich an die Uni, in die Ausbildung und sogar den Job durchmarschieren? Oder vielleicht austesten, was es heißt, sich sozial zu engagieren, zu helfen und vielleicht auch ein bisschen mehr sich selbst zu finden?

Dienst: Chance sich zu entfalten

Das klingt doch verlockender, spannender und mutiger als jeder durchsprintete Lebenslauf à la Schule-Studium-Arbeit. Mit dem Bundesfreiwilligendienst ergibt sich auf nationaler Ebene endlich eine Möglichkeit für junge Erwachsene, sich zu entfalten. Ein Dienst abseits vom Bachelor-Sprint und Master-Marathon, der aber etwas ganz anderes bringt: Stichwort informelles Lernen; Lernen außerhalb von klassischem Bildungswesen.

Darüber hinaus sind soziale Einrichtungen und Hilfsdienste, nach dem Ende der Zivildienst Ära, auf freiwillige Hilfe angewiesen. Wer sonst soll die riesige Lücke schließen, die durch den Wegfall tausender Zivis entstanden ist?

Wichtige Erfahrung für sich selbst

Als Freiwilliger hilft man nicht nur anderen, sondern vor allem sich selbst. Wer auf einem – meist – fremden Fachgebiet, beispielsweise in der Lebenshilfe, im Altersheim, im Kulturhaus freiwillig etwas tut, der testet sich aus. Testet seine Grenzen. Oder merkt, dass es ihm nicht gefällt. Der wird lachen, der wird manchmal keine Lust mehr haben – und doch: Im Endeffekt wird er sagen: „Es war gut, diese Erfahrung gemacht zu haben.“

Chance nutzen

Freiwilliger zu sein, heißt: Ich nutze die Chance. Wenn es mir nicht gefällt, dann hab ich es wenigstens versucht. Und wenn’s mir gefällt: Umso besser! Jeder Freiwilligendienst heißt im Endeffekt, ein bisschen Leben lernen. Warum dann nicht als Bundesfreiwilliger?

Nein, Erfolg ist nicht in Sicht. Bei dem Bundesfreiwilligendienst, kurz BFD, handelt es sich wohl eher um ein Flopmodell. Wie will man denn bitte die wegfallenden Zivildienstler gleichwertig ersetzen? Sicherlich nicht mit einem ehrenamtlichen Sozialdienst, der gütigerweise mit einem kleinen Taschengeld belohnt wird.

Bisher geringe Beachtung

Am 1. Juli soll also dieser ominöse Bundesfreiwilligendienst beginnen, ein Ersatz für den Wehrdienst, der von der amtierenden Regierung viel zu schnell und unüberlegt eingeführt worden ist. So schnell, dass bisher nur wenige überhaupt was vom BFD gehört haben.

Da meldete erst kürzlich „Welt Online“, dass der BFD in der Bevölkerung bisher auf wenig Beachtung und Gegenliebe gestoßen sei. Bei bisher 650!!! fest entschlossenen Interessenten ist dies nicht von der Hand zu weisen. Da nützt es auch nichts, wenn der Paritätische Gesamtverband regelmäßig verkündet, dass das Interesse sehr viel höher sei. Am Ende zählt für die Einrichtungen nur die Arbeitskraft.

Unüberlegte Abschaffung

Die Regierung hätte den Wehrdienst auch langsamer auslaufen lassen können. Dann hätten die sozialen Einrichtungen und Hilfsdienste wie Malteser oder die Johanniter die Chance gehabt, sich auf den Wegfall tausender Zivis einzustellen. Doch da klafft jetzt erstmal eine riesige Lücke.

Der BFD fand auch deshalb kaum Beachtung, weil es an Werbekampagnen an den Schulen fehlt. Denn dort gäbe es genug potenzielle Interessenten. Das wurde jedoch versäumt, wodurch den sozialen Einrichtungen viele Arbeitskräfte fehlen werden.

Fehlende Struktur

Nun wird ein Bundesfreiwilligendienst angeboten, den man genauso gut hätte streichen können. Der Dienst gehört in die Mülltonne, weil er strukturlos ist: Die Dienstzeit ist variabel, im Prinzip kann jeder den Dienst machen und es gibt nur ein Taschengeld für die Freiwilligen. Und die jungen Leute werden keinen freiwilligen Dienst machen, wenn sie schon einen Studien- oder Ausbildungsplatz haben.

Der BFD wird ein großer Flop für die Regierung und gehört vor seiner Einführung eigentlich wieder abgeschafft.

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Foto: stockxchng/ bizior, Montage: Falk Steinborn, Teaserfoto: pixelio.de / Rainer Sturm

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