Und sie wählten sich einen Wulff

Es war ein hartes Stück Arbeit. Erst im dritten Wahlgang konnte sich Christian Wulff, der Kandidat von CDU und FDP, bei der Wahl zum Bundespräsidenten durchsetzen. Sein Gegner, Joachim Gauck, ist zwar knapp gescheitert, wird aber von SPD und Grünen trotzdem gefeiert. Die pflichtlektüre sagt euch, wie die Wahl verlief und was Studenten der TU Dortmund zum Ergebnis sagen.

So verlief die Wahl

Um 13.57 Uhr gingen die ersten Gerüchte um, Wulff habe bereits im ersten Wahlgang gewonnen. Doch es kam anders: Knapp 20 Minuten später verkündete Bundestagspräsident Norbert Lammert das Ergebnis des ersten Wahlgangs: Nur 600 Stimmen für Wulff, obwohl CDU und FDP 644 Sitze in der Bundesversammlung haben. Joachim Gauck (parteilos), Kandidat von SPD und Grünen, bekam 499 Stimmen, Lukrezia Jochimsen (Die Linke) erhielt 126 Stimmen und Frank Rennicke (NPD) drei Stimmen. Ratlose Mienen bei den Spitzen von Union und den Liberalen, zufriedene Gesichter bei SPD, Grünen und Linken.

Der frischgewählte Bundespräsident Christian Wulff nimmt Glückwünsche entgegen. Foto: CDU in Niedersachsen / flickr.com

Der frischgewählte Bundespräsident Christian Wulff nimmt Glückwünsche entgegen. Foto: CDU in Niedersachsen / flickr.com

Trotz Durchhalteparolen der Koalition reichte es auch im zweiten Wahlgang nicht für Wulff. Um kurz nach 17 Uhr war klar: 615 Stimmen für den Kandidaten von Union und FDP waren nicht genug, um zum Bundespräsidenten gwählt zu werden.

Joachim Gauck erhielt 490 Stimmen, Lukrezia Jochimsen 123 Stimmen und Frank Rennicke drei Stimmen. Die Politiker der Koalition zeigten sich natürlich unzufrieden, waren aber durch die Bank überzeugt, dass es für Wulff im dritten Wahlgang schließlich reichen würde. Trotzdem hörte man aus allen Lagern, das Ergebnis sei eine „Klatsche“ für Angela Merkel und ihre Regierung.

Um 21.16 Uhr wares endlich geschafft. Christian Wulff ist der neue Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Im dritten Wahlgang reichten 625 Stimmen, um gegen den einzigen verbliebenen Gegner, Joachim Gauck (494 Stimmen), zu gewinnen. Wenn sich in einem der ersten Wahlgänge so viele für den Kandidaten der Koalition entschieden hätten, wäre die Wahl schon eine ganze Weile eher zu Ende gewesen.

Die Linke, die wiederholt erklärt hatte, dass weder Wulff noch Gauck für sie wählbar seien, hatte sich größtenteils enthalten und damit Wulff den Weg geebnet. Dieser erhielt nach Verkündung des Ergebnisses minutenlangen Beifall und nahm die Wahl „außerordentlich gern und aus Überzeugung an“.

Das sagt ihr zur Wahl

Bei einer Blitzumfrage auf dem Dortmunder Campus zeigt sich: Unter den Studenten genießt der unterlegene Joachim Gauck mehr Sympathie als Wulff. Als großer Pluspunkt wird dabei seine überparteiliche Stellung gewertet. Architekturstudent Jan sagt zum Beispiel: „Er hat nicht diesen Parteihintergrund, das finde ich gut. Bei Wulff habe ich das Gefühl, er könnte schon eher voreingenommen sein und die Gesetze von CDU und FDP einfach durchwinken. Das finde ich bedenklich.“

Auch Journalistikstudent Jannik hätte Gauck gewählt, „weil ich es faszinierend fand, wie er selbst mich als jungen Menschen mit seinen 70 Jahren begeistern konnte. Schade, dass die Linke nicht mitgemacht hat und noch immer nicht kapiert hat, wie Demokratie funktioniert“.

So geht es weiter

Christian Wulff ist bereits kurz nach seiner Wahl als Ministerpräsident von Niedersachsen zurückgetreten, da ein Bundespräsident laut Grundgesetz kein Angehöriger einer gesetzgebenden Körperschaft des Bundes oder eines Landes sein darf. Am Freitag wird er in einer gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat vereidigt und am selben Abend beim Sommerfest des Bundespräsidenten seinen ersten großen Auftritt im neuen Amt haben.

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