Wirtschaftswunder Prämie: Was bringt die Geldspende dem Verbraucher?

Ein neues Navi oder doch das Geschirr-Set? Die Geschenkeliste für Inhaber einer Payback-Karte ist lang. Doch nicht nur bei den Bonuskarten im Supermarkt gibt es Prämien: Auch die Autoindustrie und die Landwirtschaft haben von ihnen profitiert. Doch wie wirken Prämien sich tatsächlich aus?

Eine Million Elektroautos sollen bis zum Jahr 2020 auf den deutschen Straßen unterwegs sein, so lautete 2013 das Ziel im Koalitionsvertrag. Damit diese Zahl erreicht werden kann, hat der Bundestag die „E-Prämie“ eingeführt. Durch sie wird der Kauf eines Elektroautos mit 4.000 Euro unterstützt. Doch das wird nicht gelingen, lautet die Prognose von Lars Metzger, Juniorprofessor am Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre der TU Dortmund. „Die Prämie reicht gerade mal für 300.000  bis 400.000 Elektroautos“, erklärt Metzger. Der VWL-Experte hat Zweifel an der E-Prämie, da vor allem die Einkommensschichten angesprochen werden, die sich den Kauf eines E-Autos auch ohne Prämie leisten können.

In Deutschland gibt es derzeit zahlreiche Prämien, vor allem Konzepte zur wirtschaftlichen Förderung, wie die E-Prämie,  fallen dem Verbraucher jeden Tag ins Auge. Die Grundidee einer staatlichen Förderung durch Prämien ist alt. Nach ihrer Gründung in den Nachkriegsjahren setzte die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft bereits auf eine prämierte Landwirtschaft. Durch eine gemeinsame Agrarpolitik sollten die Arbeitsplätze gesichert werden. Prämien wurden dabei auf Zuchtvieh und Weizen erhoben und die Differenz beim Wert des Milchpreises an die Landwirte ausgezahlt. So streben Prämien vor allem eine Veränderung und Steuerung des Konsumverhaltens an. „Der häufigste Grund ist, eine bestimmte Industrie oder einen bestimmten Wirtschaftszweig zu fördern“, sagt Lars Metzger.

Bei der E-Prämie handelt es sich um „aktive Industriepolitik“, bei der das Geld zurück in die Industrie fließt. Ähnlich verlief es 2009 mit der „Abwrackprämie“. Beim Kauf eines Neuwagens bekam der Verbraucher 2.500 Euro geschenkt. Was damals als „Umweltprämie“ betitelt wurde, sei laut Lars Metzger ein reines Konjunkturprogramm gewesen. „Wenn damit die Wirtschaft unterstützt werden sollte, kann man sagen, dass die Prämie erfolgreich war.“

JProf. Dr. Lars Metzger

JProf. Dr. Lars Metzger

Massentierhaltung durch Prämien

Die Wirkung von Subventionen ist erwiesen. Trotzdem haben zahlreiche Prämien nachträglich ihre Kehrseite gezeigt. „Die Massentierhaltung ist durch Prämien bewirkt worden“, sagt Metzger. Dieses Beispiel geht mit der Überproduktion von Milch und Fleisch einher. Es sind zwar Arbeitsplätze geschaffen worden, die befinden sich jedoch im Niedriglohnsektor. Um Überproduktion und Lohndumping nicht weiter zu unterstützen, wird mittlerweile zusehends die artgerechte Haltung und ressourcenschonende Produktion prämiert.

 

Gibt es Alternativen?
  • „Wenn man die Wirtschaft fördern will, gibt es noch ganz andere Möglichkeiten. Man könnte zum Beispiel die Mehrwertsteuer senken. Die Steuer liegt momentan bei 19 Prozent und war vor einigen Jahren bei 16 Prozent. Die Mehrwertsteuer bewirkt eine Verzerrung: Die Leute konsumieren weniger, als sie ohne Steuer tun würden. Das führt zum Wohlfahrtsverlust, wie allgemein bekannt ist. Durch die Senkung einer solchen Steuer würde der Konsum steigen und damit eben auch die Wirtschaft ‚gefördert werden‘.“
  • „Ich würde mir wünschen, dass durch Prämien nicht nur einseitig die Industrie gefördert wird, sondern andere Aspekte auch eine Rolle spielen. Eine Prämie auf den öffentlichen Nahverkehr wäre aus umweltpolitischer Sicht sinnvoller. Ich glaube, man würde die Straßen entlasten und die Abgase erheblich reduzieren, ohne dass andere negative Effekte entstehen würden.“

Eine staatliche Förderung liegt auch beim Kindergeld oder bei Sparzulagen für den Häuserbau oder die Rente vor. Auch privatwirtschaftliche Unternehmen können Prämien vergeben. So kann der Kunde beim Einkauf Payback-Punkte und Treuestempel sammeln und diese später gegen Rabatte, Sach- oder Geldprämien eintauschen.

An der Kasse und im Flugzeug: Bonuspunkte überall

Verbraucherprämien finden sich praktisch überall: Das Geschenk beim Abonnements einer Zeitschrift, die Geldprämie der Krankenkasse für das jährliche Check-Up und das „Miles & More“-Konzept der Lufthansa unterliegen der Grundidee von Prämien.

Vorsicht sei immer geboten, sagt die Verbraucherzentrale NRW. Sie warnt vor dem Prämien-Prinzip, da es zahlreiche Daten der Kunden einfordert. So versteckt sich hinter dem Kundenbindungssystem „Prämie“ zugleich die Möglichkeit für Anbieter, an Kundendaten zu gelangen. „Damit erstellen die Unternehmen dann Kaufprofile, womit sie den Kunden an sich binden wollen“, erklärt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale.

Prämien halten vom Feilschen ab

Tryba macht darauf aufmerksam, dass Kunden durch Prämien abgeneigt sind, den Preis zu verhandeln. „Tests haben aber erwiesen, dass jeder Zweite Erfolg beim Feilschen hat.“ Zudem machen sich Kunden nicht mehr die Mühe, die Preise mit der Konkurrenz zu vergleichen. Das ist besonders dann ratsam, wenn man seine gesammelten Punkte einlösen möchte. Bevor man also eine Zuzahlung für eine Sachprämie leistet, sollte man den Preis mit weiteren Anbietern vergleichen.

Augen auf: Darauf sollten Verbraucher bei Prämien achten
  • Bei Sachprämien sollten Verbraucher auf den Wert der jeweiligen Prämie achten. Im besten Fall sollte der Preis mit Angeboten der Konkurrenz verglichen werden. Sonst kann es passieren, dass der Verbraucher unnötig drauf zahlt.
  • Für einen Einkauf im Wert von zehn Euro eine Packung Taschentücher gratis zu erhalten – lohnt sich das tatsächlich? Vor dem Kauf immer das Verhältnis der Prämie zwischen Nutzen und Aufwand überprüfen.
  • Für ein treues Kundenverhalten bieten einige Unternehmen Treue-Prämien an. Dabei lohnen sich vor allem Geldprämien, da Sachprämien häufig teurer dargestellt werden, als ihr tatsächlicher Wert ist.  

Beitragsbilder: Jule Zentek

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