Allein mit Kind und Studium

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Montage: Falk Steinborn, Foto: sxc.hu, omar-franc, anissat, officina4

Väter – sie sind unabkömmlich und manchmal trotzdem nicht da. Sie sind streng, arbeiten viel, die Kinder schauen zu ihnen auf. Und manchmal ist doch alles ganz anderes. Was sind Väter und warum brauchen wir sie? Kann ein Kind zwei Väter haben? Was fühlen Väter und ist ein Mann mit Kind sexy? Die pflichtlektüre ist diesen Fragen gemeinsam mit eldoradio* wissenschaftlich auf den Grund gegangen. eldoradio* sendet den Ultraschall im Zeichen der Väter, auf pflichtlektuere.com geht in dieser Woche jeden Tag ein Väter-Beitrag online. Im ersten Teil stellt Thomas Borgböhmer einen alleinerziehenden Vater vor, der gleichzeitig studiert.

Jedes Wochenende Partys feiern, in der Woche dann ab und zu Vorlesungen besuchen und mittags mit den Freunden in den nächsten Park. Bei vielen Studenten verläuft das Leben nach diesem Rhythmus. Es geht jedoch auch anders. Jona Staepke ist so eine Ausnahme. Er studiert an der TU Dortmund und erzieht parallel dazu seine Tochter Lia. Um beide Rollen unter einen Hut zu bekommen, musste er viel dazu lernen.

Beim Kochen achtet Jona vor allem auf regelmäßige und gesunde Ernährung. Fast-Food kommt hier nicht auf den Tisch Foto: Thomas Borgböhmer

Beim Kochen achtet Jona vor allem auf regelmäßige und gesunde Ernährung. Fast-Food kommt hier nicht auf den Tisch. Foto: Thomas Borgböhmer

„Wann können wir denn endlich essen?“, fragt Lia. Lia ist vier Jahre alt und ist heute bei ihrem Papa. Der Papa heißt Jona Staepke und studiert Rehabilitationspädagogik auf Lehramt an der TU Dortmund. Die beiden kochen Gemüsetaler mit Dip in der Küche der WG. Das Rezept haben die beiden aus dem Kinderkochbuch „Kochen mit Petterson und Findus“. Lia deckt schon mal den Tisch.

Alleinerziehende Väter sind Ausnahmen

Jona ist 27 Jahre alt, hat kurze geschorene Haare und einen unregelmäßigen Backenbart und er ist einer von 56.000 Studenten mit Kind. Insgesamt sind bundesweit 123.000 Studierende mit Kind immatrikuliert. Nach einer Studie des Deutschen Studentenwerks zum Thema „Studieren mit Kind“ aus dem Jahr 2008 ist etwa jeder sechste Student mit Kind alleinerziehend, davon hauptsächlich Frauen. Jona steht dazwischen: Er teilt sich die Erziehung mit Lias Mutter. „Wir haben uns vor einigen Jahren getrennt und das Arrangieren klappt gut. Mittlerweile habe ich viel über Zeitmanagement gelernt“, sagt der junge Vater.

Das Zimmer von Jona und Lia ist im ersten Stock. Rechts sieht man Jonas Bett und direkt daneben einige Unibücher. Foto: Thomas Borgböhmer

Das Zimmer von Jona und Lia ist im ersten Stock. Rechts sieht man Jonas Bett und direkt daneben einige Unibücher. Foto: Thomas Borgböhmer

Die Einteilung der Freizeit funktioniert. Er ist Sänger einer Ska- und Rockband und schafft es auch zwei Mal die Woche zur Probe. Außerdem arbeitet er als studentische Hilfskraft an der FOM Bochum. Lia ist in der Regel drei bis vier Tage die Woche bei ihm zu Hause. Jona wohnt in einer Studenten-WG in Bochum, in einem ziemlich gemütlichen zweistöckigen Haus mit großem Garten. Seine Mitbewohner und Freunde haben sich an die Situation gewöhnt.

Mittlerweile haben die beiden aufgegessen und Lia drängt Jona: Sie möchte jetzt mit ihrem Papa spielen und zieht ihn die Treppe hoch. Ab ins Kinderzimmer. Das Zimmer ist nicht sehr aufgeräumt, aber was anderes ist bei einem Kinderzimmer nicht zu erwarten. Lia und Jona schlafen im selben Zimmer, Lia in einem Hochbett. „Das hat sie sich gewünscht und so hat sie unterm Bett auch noch eine kleine Höhle. Lia macht das großen Spaß.“

Doppelrolle Student und Vater

Abends hören sich die beiden Hörspielkassetten von Benjamin Blümchen oder Pumuckl an. Jona kann mittlerweile einige Passagen auswendig. Foto: Thomas Borgböhmer

Abends hören sich die beiden Hörspielkassetten an. Jona kann mittlerweile einige Passagen auswendig. Foto: Thomas Borgböhmer

Als Jona mit seinem Studium begonnen hat, war Lia bereits neun Monate alt. Vor kurzem hat er seine Bachelorarbeit abgegeben und möchte im Winter den Master beginnen. „Ich muss einfach viel mehr organisieren“, sagt Jona. „Neben dem Schwänzen der Vorlesungen, gilt dann oft das Motto: Mut zur Lücke und auf das Beste hoffen.“ Und das klappt. Zu Beginn hatten die jungen Eltern auch noch eine andere Stütze: Eine Tagesmutter kümmerte sich um Lia und kam sogar zu ihnen nach Hause. Das war für die jungen Eltern eine riesige Entlastung.

Irgendwann hat Lia keine Lust mehr auf die Bauklötze. Jetzt erstmal ein Eis und dann zum Spielplatz. Unermüdlich hält Lia ihren Vater auf Trab. Die beiden unternehmen immer sehr viel. Nachmittags gehen sie Spazieren, zum Spielplatz oder machen Gartenarbeit. „Letztens haben wir eine Kartoffel eingebuddelt, haben aber auch Schnittlauch, Tomaten und Spinat im Garten“, erzählt Jona auf dem Weg zum Spielplatz. „Lia hat da viel zu tun.“

Jona versucht Lia viel zu zeigen. Erst letztens waren sie im Bochumer Bergbaumuseum und im Botanischen Garten an der Uni Bochum. Foto: Thomas Borgböhmer

Jona versucht Lia viel zu zeigen. Sie waren schon im Bergbaumuseum und im Botanischen Garten der RUB. Foto: Thomas Borgböhmer

Unterdessen lässt Lia ihren Charme spielen. „Papa, Papa, ich möchte auf deine Schultern“, sagt sie mit unwiderstehlichem Hundeblick. „Sie weiß eben, wie sie mich rumkriegt“, so der künftige Pädagoge und hebt sie hoch.

Organisation ist das A und O

„Seit ich Lia habe, achte ich auf viele Dinge bewusster. Vor allem auf die Ernährung und meine Sprache. Da will ich auch ein gutes Vorbild sein“, sagt Jona und schiebt Lia auf der Schaukel an. Und natürlich versucht er  seiner Tochter vieles zu erklären. Aber das ist nicht immer so einfach.

„Höher, höher. Boah Papa, du musst mich fester schubsen“, ruft Lia. Jona hält sie fest, hebt sie mit der Schaukel hoch und versucht sie mit viel Schwung wegzudrücken. Bei solchen Sachen hat Lia überhaupt keine Angst.

Schaukeln, Klettern, Rutschen und Burgen bauen kann ziemlich anstrengend sein, für den Papa, aber vor allem für Lia. Und wenn Lia müde ist, quengelt sie. Da ist dann Jonas pädagogische Ausbildung gefragt. Lia möchte auf dem Rückweg unbedingt wieder auf Papas Schulter und weint. „Bitte Papa, bitte“, bettelt sie. Aber Jona bleibt hart. Auch solche Situationen gehören zum Vatersein dazu.

Die Zeit auf dem Spielplatz nutzt Jona auch, um sich vom Unistress zu erholen. Für ihn ist Lia auch ein Ruhepol. Foto: Thomas Borgböhmer

Die Zeit auf dem Spielplatz nutzt Jona, um sich vom Unistress zu erholen. Für ihn ist Lia auch ein Ruhepol. Foto: Thomas Borgböhmer

Nicht alles ist Gold, was glänzt

„Manchmal bin ich schon frustriert. Wenn ich eigentlich noch ein Referat vorbereiten müsste, aber Lia einfach nicht einschlafen will“, gesteht der Papa. „Das geht mir schon mal auf die Nerven.“ Außerdem müssen beide morgens früh raus: Lia soll spätestens um halb neun im Kindergarten sein. „Danach geht es in die Uni. Die Vorlesungen versuche ich mir immer in die Vormittagszeit zu legen“, erzählt der künftige Pädagoge. Und wenn es mal gar nicht anders geht, kommt Lia einfach mit in die Uni.

Jona ist eine Ausnahme unter den Studierenden mit Kindern. Meist bleiben die Kinder entweder ganz bei den Müttern oder die Kinder wachsen in Partnerschaften oder Ehen auf. So ist jeder zweite der Studierenden mit Kind verheiratet und knapp ein Drittel leben in einer festen Beziehung. Durch Lia hat sich Jona verändert und weiter entwickelt: Der Mensch wächst schließlich mit seinen Aufgaben.

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