Professorin – Karriereweg mit Hindernissen

An der TU Dortmund arbeiten 293 Professoren, gerade mal 59 davon sind Frauen. pflichtlektuere.com erklärt den Weg zur Professur und stellt zwei erfolgreiche Professorinnen vor.

Die erste Stelle mit 36 - der Weg zur Professur ist lang. Foto: Brinja Bormann

Die erste Stelle mit Mitte 30 - der Weg zur Professur ist lang. Foto: Brinja Bormann

Wer Professorin werden möchte, braucht vor allem Geduld und Ausdauer. Die erste Stelle bekommt man in der Regel nämlich erst mit Mitte 30. Das ist ein Problem mit Blick auf die Familienplanung. Aber mal ganz langsam. Der Musterweg zur Professur besteht aus drei Schritten. Grundvoraussetzung ist das Diplom beziehungsweise der Master.

Schritt 1: Die Dissertation

Die Dissertation soll zeigen, dass die Wissenschaftlerin in der Lage ist, selbstständig und tiefgründig zu arbeiten. Wichtig ist, dass dabei neue Erkenntnisse dokumentiert werden. Wenn sie die Dissertation veröffentlicht und zudem eine mündliche Prüfung abgelegt hat, wird sie promoviert und erhält den Doktortitel.

Schritt 2: Die Habilitation

Weiter geht es mit der Habilitation. Mit der schriftlichen Arbeit beweist die Wissenschaftlerin, dass sie ihr Fach in Forschung und Lehre vertreten kann. Aber auch ohne Habilitation kann man Professorin werden. Die Juniorprofessur ist der Plan B. Sie unterscheidet sich durch Zwischenprüfungen vom klassischen Weg. Eine Wissenschaftlerin mit Habilitation darf sich schließlich als Privatdozentin bezeichnen. Professorin ist sie aber erst, nachdem sie berufen wurde.

Schritt 3: Die Professur

Freie Professuren werden von den Universitäten ausgeschrieben. Die Bewerber werden von einer Berufungskommission beurteilt. Das geschieht zum Beispiel durch Gutachten, aber auch durch Probevorlesungen. Wer die Stelle bekommt, wird berufen und erhält schließlich den Titel „Professorin“.

Zwischen dem Master und der Professur vergehen mindestens zehn Jahre. Wer Kinder plant, steht zu dieser Zeit grundsätzlich vor einem Problem. Weil der Job mit der Familie nur schwer vereinbar ist, entscheiden sich viele Frauen für Karriere oder Familie.

Zur Ausbildungszeit von Sigrid Metz-Göckel war es schwierig mit Familie Karriere zu machen. Foto: www.hdz.uni-dortmund.de

Zur Ausbildungszeit von Sigrid Metz-Göckel war es schwierig mit Familie Karriere zu machen. Foto: www.hdz.uni-dortmund.de

Prof. Dr. Sigrid Metz-Göckel hat sich damals für die Karriere entschieden. Die 69-jährige Soziologie-Professorin ist mittlerweile im Ruhestand. Sie fordert ein familienfreundlicheres Hochschulsystem. „Wenn man mehr für Eltern tun will, muss man die Beschäftigungsverhältnisse sicherer machen und bei Elternschaft muss man die Fristen verlängern. Man muss Übergänge erleichtern, und natürlich braucht man zusätzliche Kinderbetreuungseinrichtungen, die bedarfsorientiert sind, was Öffnungszeiten und auch die Qualität betrifft“, so Metz-Göckel. Die TU Dortmund hat für solche Fälle eine hochschuleigene Kindertagesstätte errichtet. Die Hokido erweitert die Öffnungszeiten bis 2011 auf 20 Uhr. Das sollte die Karrierechancen trotz Familie fördern.

Prof. Dr. Susanne Fengler hat bis zum Tag vor der Geburt gearbeitet. Foto: Brinja Bormann

Prof. Dr. Susanne Fengler hat bis zum Tag vor der Geburt gearbeitet. Foto: Brinja Bormann

Susanne Fengler lehrt Internationalen Journalismus an der TU Dortmund. Ihren Sohn bekam die 38-Jährige vier Wochen vor dem Vorstellungsgespräch zur Professur. Dank Unterstützung von Familie und Freunden war das aber kein Problem. „Ich hatte mich auch als schwanger beworben, habe aber auch sehr klar signalisiert, dass ich nicht vorhabe, mich drei Jahre lang zurückzuziehen. Am Anfang schläft das Kind auch ganz viel, da kann man ja auch noch ganz viel machen. Dann kommen Phasen, wenn die Kinder viel mehr von einem wollen. Irgendwie hat sich dann nach und nach alles ganz gut ergeben. Ich hab ziemlich früh wieder angefangen zu arbeiten, aber es hat doch funktioniert unterm Strich.“

Susanne Fengler ist es wichtig, dass die Frage nach Familie und Karriere keine Entweder-Oder-Entscheidung ist. Grundsätzlich steigt der Anteil der Professorinnen in Deutschland. Die TU Dortmund unterstützt den Aufschwung. Sie zahlt Fakultäten, die eine Professorin berufen, einen Bonus von 30.000 Euro. Generell sieht der Arbeitsmarkt aber für Professorinnen und Professoren schlecht aus. Die TU hat derzeit nur eine Junior- und keine klassische Professur zu besetzen.

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