Der ganze Mist mit dem Herzen

„Ich bin im allgemeinen eine Fremdgehbefürworterin“, meint eine Freundin der 23-jährigen Juleska Vonhagen. Das ist nur ein Aspekt, über den die junge Autorin an drei Abenden mit ihren vier Freundinnen diskutiert hat. Außerdem redeten sie Klartext über den Umgang mit One-Night-Stands und die Folgen der Unlust auf Sex mit dem Freund. Das Ergebnis dieser „Mädelsabende“ ist das Buch „Herzmist“. Im Interview erzählt die aus dem Ruhrgebiet stammende Studentin der Geisteswissenschaften, wie es zu diesem „Seelenstriptease“ kam.

Juleska Vonhagen hat in ihrem Erstlingswerk "Herzmist" Gespräche mir vier Freundinnen über Männer, Beziehungen und Sex veröffentlicht. Quelle: "The Face"

pflichtlektüre online: „Herzmist“ ist eine Aufzeichnung einer Mädchengesprächsrunde von dir und vier Freundinnen. Wie kamst du auf die Idee?

Juleska Vonhagen: Das war ein Zufall, in den ich mehr oder weniger rein geschlittert bin. Ich hatte mich mit meiner Schwester darüber unterhalten, dass es schon merkwürdig ist, dass Frauen, sobald sie fünf Minuten unter sich sind, immer wieder auf die Themen Männer und Liebe zu sprechen kommen. Am gleichen Tag hatte ich zufällig auch eine Anfrage vom Verlag [Schwarzkopf & Schwarzkopf, Anm. d. Red.] in meinem E-Mail-Postfach, ob ich mir nicht vorstellen könnte, ein Buch zu schreiben.

pflichtlektüre online: Und dann hast du dich mit deinen Freundinnen für das Buch hingesetzt und einfach drauf los geredet?

Juleska Vonhagen: Wir haben diese 33 Fragen vorher zusammengestellt als eine Art „Best Of“ der großen Themen, die wir in den letzten Jahren immer wieder besprochen hatten. Am ersten Tag hab ich die Mädels noch richtig verköstigt und mit dem Essen und Wein gelockt. Später war ich nicht mehr so generös und am letzten Abend gab es dann nur noch Bier. Ich habe mich dann mit dieser Liste in die drei Abende reingesetzt und die Gesprächsthemen vorgegeben, was ganz schön schwierig war, da man mit ein bisschen Wein intus ja schon einmal ganz gerne vom Pfad abkommt (lacht).

pflichtlektüre online: Über was sprechen junge Frauen denn, wenn sie unter sich sind?

Juleska Vonhagen: Natürlich reden wir eigentlich quasi über alles und nicht nur über Liebe und Männer. Aber im Buch habe ich nur das zusammengetragen, was mit Beziehungen, Leidenschaft und Liebeskummer zu tun hat. Das können zum Beispiel Geschichten sein, wie etwa: Warum fällt man immer wieder auf den vermeintlich bösen Typen rein? Warum ist das aufregend und interessanter als das Beständige? Wir haben darüber gesprochen, welche Eigenschaften wir an Männern gut finden und uns gefragt, was Männer an uns mögen. Was ist eigentlich, wenn man seinen Freund betrügt? Ist eine lange Beziehung am Ende, wenn man keine Lust mehr hat mit dem anderen zu schlafen – oder ist das normal und passiert immer? Das war gerade in dem Moment ein aktuelles Thema bei einer der Freundinnen.

Mädchen und ihr Nestbautrieb

pflichtlektüre online: Also so richtige Mädchengespräche. Wie, glaubst du, unterscheidet sich davon ein typischer „Jungsabend“ mit ein paar Bier?

Juleska Vonhagen: Das kann ich natürlich schwer sagen, da ich ja bei einer exklusiven „Jungsrunde“ natürlich nicht dabei bin. Aber ich habe das Gefühl, dass deren Gespräche nicht so erschöpfend sind und sie auch nicht jedes Mal über die Themen reden, die bei Frauen in 95 Prozent der Fälle besprochen werden. Wir ergötzen uns an diesen Liebes-, und Beziehungsdingen, Männer glaube ich eher nicht. Die unterhalten sich wahrscheinlich eher über andere Sachen wie über irgendwelche Sportergebnisse, bei denen ich mir nicht vorstellen könnte, fünf Stunden lang drüber zu quatschen. Aber das ist natürlich sehr krasses „Schwarz-Weiß-Denken“ und man kann das nicht so genau festlegen.

Juleskas Buch

Juleska Vonhagen: Herzmist. Fünf junge Frauen. 33 Mädchengespräche über Liebe, Leid und Leidenschaft. Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf, Preis: 9,90 Euro.(Quelle: "The Face")

pflichtlektüre online: Einmal fragt ihr euch, ob ihr mit One-Night-Stands wirklich umgehen könnt? Und, funktioniert das?

Juleska Vonhangen: Da wir fünf Mädchen sind, sind einige der Meinung, dass wir das können und andere meinen eher, dass wir uns da etwas vormachen. Mädchen sind vielleicht schon immer so ein bisschen auf Nestbau aus. Oder man will so tough sein und sagt zu dem Kerl: „Nee, ich schmeiß Dich am nächsten Morgen raus und habe da kein Problem mit“. Und im Laufe des Tages sickert dann doch durch, was gewesen wäre, wenn er noch dageblieben wäre – ob er nicht doch ganz nett war und man ihn zu schnell abgebügelt hat. Ich glaube, wir sehen generell vieles schnell unter dem „was wäre wenn“-Aspekt. Das Problem ist wohl, dass wir einfach zu viel denken. Wenn man viele Sachen einfach so stehen lassen würde, ergäben sich viele komische Probleme gar nicht.

Von „saftigen Exemplaren“ und der Lust, „durch die Gegend zu turnen“

pflichtlektüre online: Ein Kapitel heißt: „Durststrecken, Sättigungsphasen, Sex: Wie wichtig ist uns der Volkssport wirklich?“ Zu welchem Urteil seid ihr gekommen?

Juleska Vonhangen: Zu sehr unterschiedlichen Urteilen: Manche von uns Mädels sagen schon, dass es ihnen auch wichtig ist und sie auch die Lust überkommt, wenn sie irgendwo rumsitzen und andere sagen eher, dass sie schon irgendein „saftiges Exemplar“ vor sich sehen müssen, damit ihnen irgendwelche unflätigen Gedanken kommen würden.
Über den Sex selbst rede ich tatsächlich eher selten, deswegen kommt das im Buch auch nicht so häufig vor. Ich finde, dass es da gar nichts so Wesentliches zu erzählen gibt – es sei denn, der Sex war jetzt richtig schlecht. Dann tauscht man sich mit den Freundinnen aus. Frauen reden immer mehr, wenn es ein Problem gibt. Wenn alles schön war, weiß ich gar nicht genau, was ich erzählen soll.

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