Frühlingsgefühle

Eigentlich bin ich kein Konzertmensch. Manchmal aber versuche ich dies zu widerlegen und lande auf meist mittelmäßigen Liveauftritten diverser Musiker. Zeitweilig ist aber etwas Gutes dabei. So geschehen bei den Beatsteaks. Außer deren delikatem Sinn für Musikpräsentation gab es ein größeres Thema an diesem Abend: Verantwortung.

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VIP-Gäste wurden gebeten, für Oxfam zu spenden und inmitten des Sets wurde jeder der 12000 Besucher gebeten, einen Euro an das Rote Kreuz zu spenden. Bei Jubel, Trubel und Heiterkeit wurde nicht das Leid am anderen Ende der Welt vergessen. Besonders die japanischen Erdbebenopfer, aber auch die Situation in Libyen wurde zur Sprache gebracht.

Überhaupt hat der Frühling mit seinen warmen Sonnenstrahlen viele beflügelt. Heiße Luft kam von Politikern und Militäroberhäuptern, doch hitziger sind die Kriegsschauplätze. Diese ermöglichen es den westlichen Industrienationen, ihre neueste Waffen- und Flugmaschinerie zur Schau zu stellen. In Japan gab es kaum unbemannte Flugobjekte und Erkundungsmöglichkeiten, aber in Libyen dann doch. Ich frage mich, wo diese Prioritätenlage herkommt. Überhaupt verstehe ich nicht, für wen die Kampfmaschinen zur Schau gestellt werden sollen und welche von diesen Kunden nicht dann mit voller Freude den Hersteller – also auch Europa – angreifen könnte!? Anstatt von den unsäglichen Umständen für die in der Krisenregion lebenden Menschen zu berichten, lese ich davon, wie der Growler, Rafale und Eurofighter sich mit wie viel Kosten und ohne viel Wartung einsetzen lassen.

Auch die Anti-Atom-Bewegung profitiert vom Wetter. Grundsätzlich freut es mich, dass so viele in so vielen Städten auf die Straße gehen. Persönlich muss ich sagen, dass ich noch zu wirtschaftlich denke, um mich ihnen loyal anzuschließen. Schließlich nutzen die Lautsprecher im Moment eingekauften französischen Atomstrom, um gegen AKWs national und weltweit zu demonstrieren. Hoffentlich werden in den nächsten Jahren keine Flugobjekte in AKWs gelenkt, denn abgeschaltet oder nicht: Das wäre auch ein GAU. Solange wir keine Alternative haben, können wir nichteinmal unseren Grundbedarf decken. Ich denke, dass die Forschung nach einer Alternative verstärkt werden muss und sehe enttäuscht auf Entscheidungen wie die Kürzung der finanziellen Förderungen für private Solaranlagen. Und ja, dann sollte ich selbst wohl auch auf die Straße gehen.

Womit ich in diesem Frühlingsbeginn sofort etwas anfangen kann, ist das jährliche Flanieren vor den G-Gebäuden und auf der Kortumstraße in der Bochumer Innenstadt. Es beginnt nun die Zeit, in der die erste Reihe der Außenterassen im Bermudadreieck heiß begehrt sind. Von dieser hat man einen exzellenten Blick auf den Teil, auf dem zu den verschiedensten Tages- und Nachtzeiten stolziert, flaniert und geschlendert wird.

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Anne K. Dote ist eine Studentin des N-Gebäudes an der Ruhr-Universität Bochum, die sich regelmäßig auch in anderen Buchstaben verirrt. In ihrer Kolumne gibt sie einen persönlichen Einblick in den Kosmos RUB - und das normalerweise alle zwei Wochen. Grafik: F. Steinborn, Teaserfoto: pixelio.de / Dieter Schütz

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