Mit alten Handys helfen

Fotos: flickr.com/Timothy Takemoto/epSos.de/Marc Patzwald, Montage: Marc Patzwald

Fotos: flickr.com/Timothy Takemoto/epSos.de/Marc Patzwald, Montage: Marc Patzwald

Viele alte Handys landen in der Mülltonne oder bleiben einfach in der Schublade liegen. Selbst wenn sie noch funktionieren, kommen die meisten Menschen nicht auf die Idee, dass man das alte Modell noch sinnvoll nutzen kann. Mittlerweile machen verschiedene Aktionen darauf aufmerksam, so auch im Dortmunder Zoo.

Am Eingang des Dortmunder Zoos steht die Sammelbox für alte Handys. Foto: Zoo Dortmund

Am Eingang des Dortmunder Zoos steht die Sammelbox für alte Handys. Foto: Zoo Dortmund

Elektroschrott schadet der Umwelt. Giftige Gase bei der Verbrennung, Schwermetalle, die den Boden verseuchen, und so weiter. Das dürften viele im Hinterkopf haben. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum alte Handys – funktionsfähig oder nicht – oft in der Schublade liegen bleiben. Doch die Entsorgung von alten Elektrogeräten kann der Umwelt sogar helfen, vorausgesetzt, sie werden fachgerecht recycelt. Da das Recycling oft mehr Geld einbringt, als es kostet, nutzen verschiedene Organisationen den Elektroschrott sogar als Spendenquelle.

Ein solches Projekt wurde zum Beispiel im Jahr 2011 von der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) gestartet. Der Erlös aus den alten Handys kam bei dieser Kampagne den Menschenaffen in Mittelafrika zu Gute. In diesem Jahr sollen Tierarten in Südostasien unterstützt werden. In vielen teilnehmenden Zoos stehen Sammelboxen, in denen Zoobesucher ihre alten Handys entsorgen können. Auch der Dortmunder Zoo beteiligt sich an der Aktion.

Was passiert mit den alten Handys?

Orang-Utan Walter lebt im Dortmunder Zoo. Seinen Artgenossen in Südostasien hilft die aktuelle Kampagne der EAZA. Foto: Zoo Dortmund

Orang-Utan Walter lebt im Dortmunder Zoo. Seinen Artgenossen in Südostasien hilft die aktuelle Kampagne der EAZA. Foto: Zoo Dortmund

Die gesammelten Handys werden an ein Recycling-Unternehmen weitergeleitet. Dort werden Handys, die noch nutzbar sind, wieder so aufgearbeitet, dass sie weiterverkauft werden können. Doch auch kaputte Handys können verwendet werden: „Wir sammeln alle Handys, egal in welchem Alter und Zustand“, sagt Nadja Niemann, wissenschaftliche Assistentin des Dortmunder Zoodirektors. „Was nicht mehr reparabel ist, wird zerlegt“, erklärt sie. Denn jedes Handy enthält wertvolle Rohstoffe, die wiederverwertet werden können. Abzüglich der Recyclingkosten bleiben pro Handy noch etwa 50 Cent bis 2 Euro, so dass der Zoo im Durchschnitt 1 Euro pro Handy von der Recyclingfirma erhält. Dieses Geld geht dann an die jeweilige EAZA-Kampagne und wird beispielsweise für den Schutz von Menschenaffen eingesetzt.

Coltan-Abbau gefährdet Lebensraum der Affen

Der niederländische Zoo Apenheul hat viele Handys zugunsten der Gorillas gesammelt. Foto: Apenheul

Der niederländische Zoo Apenheul hat viele Handys zugunsten der Gorillas gesammelt. Foto: Apenheul

Doch die Affen profitieren nicht nur vom Verkaufserlös, den die alten Handys erzielen. Denn für die Elektronik der Geräte wird unter anderem das Metall Tantal benötigt. Dieses gewinnt man aus einem Erz namens Coltan. Rund 2000 Tonnen werden jährlich abgebaut, oft unter inhumanen Bedingungen. Doch was haben die Affen damit zu tun? Um an das wertvolle Erz zu gelangen, werden beispielsweise im Kongo Teile des Regenwalds abgeholzt, in dem die letzte Population des bedrohten Östlichen Flachlandgorillas lebt, die dadurch immer stärker zurückgeht.

Aus den gesammelten Handys werden Tantal und andere Metalle wie Silber, Gold, Palladium, Kupfer und Kobalt zurückgewonnen. Ein einzelnes Handy enthält zwar jeweils nur wenige Milligramm der wertvollen Metalle. Doch weltweit benötigt allein die Handy-Industrie jährlich viele Tonnen der Edelmetalle. Das Recycling von Elektrogeräten wie Handys hilft dabei, den Abbau zu reduzieren und so auch die Affen zu schützen.

„Die meisten wissen nicht, dass es Recycling-Möglichkeiten gibt“

Auch aus kaputten Handys können die wertvollen Rohstoffe zurückgewonnen werden. Foto: www.flickr.com/Glen Bowman

Auch aus kaputten Handys können die wertvollen Rohstoffe zurückgewonnen werden. Foto: www.flickr.com/Glen Bowman

„Das Tolle an der Kampagne ist, dass sie nicht nur Aufmerksamkeit für die bedrohten Tierarten weckt, sondern im Idealfall eine Recycling-Welle auslöst, die dann auch wieder direkt den Tieren zugute kommt. So tut man mit dem Recycling doppelt Gutes“, meint Nadja Niemann. Was den bisherigen Erfolg der Sammelaktion im Dortmunder Zoo angeht, ist sie allerdings weniger zufrieden: „Wir haben im letzten Jahr leider nur ungefähr 100 Handys gesammelt. Dabei hat ja fast jeder ein altes Handy zu Hause liegen. Nur: Die meisten wissen nicht, dass es Recyclingmöglichkeiten gibt“, vermutet sie.

Dennoch nutzen verschiedene Organisationen Handyspenden, um Geld zu sammeln. Die Deutsche Umwelthilfe etwa bietet den Nutzern auf ihrer Seite die Möglichkeit, ihr Handy selbst online zu verkaufen und einen Teil des Erlöses für Projekte der Umwelthilfe zu spenden. Dabei wählt der Nutzer Marke, Modell und Zustand seines alten Handys und kann damit berechnen lassen, wie viel er für sein Altgerät noch bekommen kann. Modelle, die sich nicht mehr verkaufen lassen, können kostenlos zum Recycling geschickt werden. Auch Recycling-Angebote ohne Spendenhintergrund gibt es im Internet. Die Mobilfunkanbieter sind sogar gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Geräte kostenlos zurück zu nehmen und umweltschonend zu entsorgen.

.